Erneut stehen zwei Mitarbeiter der Deutschen Welle (DW) im Zentrum von Antisemitismus-Vorwürfen. Die "Bild" hat am Mittwoch zuerst über den Fall berichtet und bezieht sich dabei vor allem auf alte Social-Media-Postings der betroffenen Journalisten. So habe die Journalistin Amal Saqr den damaligen US-Präsidenten Joe Biden am 7. Oktober 2023, es war der Tag des Überfalls palästinensischer Terroristen auf Israel, als "zionistischen Hund" bezeichnet. Sie teilte zudem eine Landkarte ohne Israel. Zu einem späteren Zeitpunkt feierte sie 2024 auch die Nachricht rund um eine angebliche Entführung von israelischen Diplomaten als "beste Nachricht" - die "Entführung" stellte sich jedoch als Falschmeldung heraus. 

Das Facebook-Profil mit den entsprechenden Postings war auch zuletzt noch öffentlich. Vorwürfe gibt es darüber hinaus aber auch gegen Mohammed Al-Kahlout, einem Journalisten, der für die Deutsche Welle unter anderem aus dem Gazastreifen berichtet. Er bezeichnete die Hamas noch im vergangenen Jahr in Social-Media-Postings als "Freiheitskämpfer". 

Gegenüber der "Bild" hat sich der deutsche Auslandssender bereits zu Wort gemeldet und erklärt, dass man die beiden Journalisten, die freiberuflich für die Deutsche Welle arbeiteten, vorerst nicht mehr beauftragen wolle. Eine Überprüfung der Vorwürfe soll klären, was an der Sache dran ist. 

Mittlerweile hat sich der Sender auch auf seiner eigenen Seite zur Berichterstattung der "Bild" geäußert. In der Stellungnahme heißt es, dass man die Postings der Journalisten auf ihren privaten Social-Media-Kanälen nicht gekannt habe. Sie würden zudem den Werten des Senders, dem Code of Conduct sowie der Declaration of Values widersprechen. Man prüfe den Sachverhalt nun "sorgfältig". Gleichzeitig stellt die DW fest, dass die Vorwürfe nicht die Berichterstattung betreffen würden. 

Der Sender führt in dem Text außerdem aus, wie die Zusammenarbeit mit den beiden Journalisten, die frei für die DW tätig waren, genau aussieht bzw. ausgesehen hat. Amal Saqr sei seit dem vergangenen Jahr "wenige Male testweise" für den Sender tätig geworden. Man werde sie nun bis auf Weiteres nicht mehr beauftragen. Mohammed Al-Kahlout arbeite seit 2020 als freier Journalist für den Sender, auch er soll während der nun angelaufenen Prüfung nicht mehr beauftragt werden. 

Generell würden Rekrutierungen und Einstellungen beim Sender seit März 2023 auf Basis eines "umfassenden Konzepts des wertebasierten Recruitings" erfolgen. Dieses Verfahren sieht unter anderem eine Social-Media-Sichtung vor, die von einer entsprechenden Fachabteilung durchgeführt wird. Diese sichtet bis zu sechs Monate zurückliegende Posts auf öffentlichen, beruflich genutzten Accounts. Überprüfungen von privaten Äußerungen auf Social-Media-Accounts erfolgen nicht ohne Anlass, so die DW weiter. Unklar bleibt dabei, welche Accounts wann als beruflich gelten - und welche als privat. 

Es ist nicht das erste Mal, dass gegen Journalistinnen und Journalisten des Senders Antisemitismus-Vorwürfe erhoben werden. Vor etwas mehr als vier Jahren sorgten entsprechende Vorwürfe gegen mehrere Personen der Arabisch-Redaktion für viele Schlagzeilen, der Sender kündigte eine umfassende Aufarbeitung an und verschärfte im Zuge dessen den Verhaltenskodex. Im Zuge des damaligen Skandals mussten mehrere Personen die Redaktion verlassen. Der Rundfunkrat des Auslandssender zeigte sich später mit der Aufarbeitung und den getroffenen Konsequenzen zufrieden.