Über Jahre hinweg beherbergte das Odysseum im Kölner Stadtteil Kalk Ausstellungen zu internationalen Filmhits. "Harry Potter" befand sich ebenso darunter wie "Jurassic World" oder die Marvel-Welt. Da passt es gut, dass sich die Explorado Group, die diese Veranstaltungen verantwortete, künftig stärker dorthin orientiert, wo Film und Fernsehen tatsächlich entstehen. Während der ursprüngliche Komplex zu einer Gesamtschule umgebaut werden soll, hat Explorado jüngst eine Vereinbarung mit der Magic Media Company geschlossen, besser bekannt als MMC.

Auf dem großen Coloneum-Gelände in Köln-Ossendorf wird derzeit das Studio 52 umgebaut, sodass Explorado dort schon ab Mai mit einer ersten Ausstellung an den Start gehen kann. Das Studio ist das höchste auf dem Gelände – so hoch, dass hier selbst das Brandenburger Tor Platz hätte, wie es heißt. Sollte die Zusammenarbeit, angeschoben durch den neuen Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester, erfolgreich verlaufen, könnte die Fläche bei Bedarf noch um ein Nachbarstudio erweitert werden. Auf bis zu 4.000 Quadratmetern könnten dann Ausstellungen und Events stattfinden.

"Für uns ist diese Kooperation nicht nur ein Herzensprojekt, sondern auch der nächste konsequente Schritt in der Unternehmensentwicklung", schwärmte Andreas Waschk, Geschäftsführer der Explorado Group, bei der Bekanntgabe. Und Nico Roden, Geschäftsführer der MMC Studios, sprach gar von einem "Meilenstein für das Coloneum". Spannend ist aber auch, was er in diesem Zusammenhang nicht sagt: Die Zusammenarbeit ist nämlich auch Ausdruck der sich rasant verändernden Film- und Fernsehlandschaft.

Nico Roden © MMC Nico Roden
Dass im Studio 52 einmal Ausstellungen stattfinden würden, wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Hier produzierten Sender Shows wie "The Masked Singer" und "Germany's next Topmodel". Auch aktuelle Kinofilme wie "Mein Freund Barry" und die "Medicus"-Fortsetzung entstanden in diesem Studio. Verlagert die MMC nun also ihren traditionellen Fokus – weg vom Fernsehen, hin zu mehr Events? "Wir arbeiten seit Mitte 2023 intensiv daran, uns breiter aufzustellen", sagt Nico Roden zu DWDL.de. "Unsere bevölkerungsreiche Lage mitten in Europa macht uns nicht nur für Events interessant, sondern auch für jede Privatperson aus der Region. Es ist an uns, das passende Angebot zu schaffen."

Tatsächlich lassen sich die Veränderungen inzwischen an vielen Stellen des Geländes beobachten. "Mit der Kings League Germany haben wir auf unserer größten Fläche mittlerweile für sechs Monate im Jahr alternatives Geschäft. Unser Event-Studio 50 läuft zunehmend besser und mit der Explorado-Kooperation bespielen wir je nach Bedarf und Verfügbarkeit ein oder zwei der hohen Filmstudios", erklärt der MMC-Geschäftsführer. Dazu seien weitere eigene Attraktionen "in der Entwicklung weit fortgeschritten, ebenso eine komplett neu gestaltete Studiotour". All das führt dazu, dass die MMC in diesem Jahr erwartet, zwischen 25 und 35 Prozent ihrer Flächen mit Neugeschäft zu bespielen. "Umsatzseitig ist der Anteil etwas geringer, im Ergebnis signifikant besser", sagt Roden.

Bei aller Neusortierung geht es aber freilich nicht ohne die langjährigen Partner, allen voran RTL, das "nach wie vor wesentliche Bereiche bespielt", wie der Chef des Studiobetreibers betont. Neben den Dailysoaps "Alles was zählt" und "Unter uns" findet aktuell Woche für Woche wieder "Let's Dance" auf dem MMC-Gelände statt, dazu kommen die baldigen Live-Shows von "Deutschland sucht den Superstar", "Ninja Warrior Germany" und "Die Weisheit der Vielen" – ein neues Quiz-Format, das BBC Studios für die Kölner Sendergruppe produziert.

 

"Natürlich mögen wir die Idee, Fernsehpreise dort zu verleihen, wo viele Inhalte produziert werden."
Nico Roden, Geschäftsführer MMC Studios

 

Ein Zurück zu früheren Zeiten ist aus Sicht von Nico Roden allerdings kaum denkbar. "Diesen Mix werden wir nicht mehr aufgeben", stellt er dann auch umunwunden klar. "Auf der anderen Seite ist das Coloneum so groß, dass wir weiterhin ausreichend Flächen anbieten können. Jeder wird aber sicher verstehen, dass wir es uns nicht leisten können, Studios leerstehen zu lassen, nur für den Fall dass morgen jemand eine Show produzieren möchte." Das mag so mancher in der Branche schon aus nostalgischen Gründen bedauern. Doch Rodens Botschaft ist klar: Sollten sich Sender und Produktionsfirmen wünschen, "dass möglichst viele Studios auch weiterhin für TV und Film exklusiv zur Verfügung stehen, gibt es ein einfaches Mittel: Produziert bei uns!"

Rodens Aufruf ist nachvollziehbar – erst recht vor dem Hintergrund, dass in diesem Jahr selbst der Deutsche Fernsehpreis auf Betreiben von RTL das Coloneum verlassen und stattdessen eine neue Location der Messe in Innenstadt-Nähe beziehen wird. Böses Blut gibt es öffentlich allerdings nicht, schließlich fand der Fernsehpreis auch in der Vergangenheit schon an wechselnden Locations statt. "Damit können wir gut umgehen", sagt Roden, räumt aber ein: "Natürlich mögen wir die Idee, Fernsehpreise dort zu verleihen, wo viele Inhalte produziert werden." Die MMC stehe "sicher wie kaum ein anderer Standort für hohen Output und die Blütezeit des Fernsehens". Und nach der festlichen Verleihung und spektakulären Party im Vorjahr "dürfte klar sein, dass es nicht an uns gelegen hat". Nico Roden schwärmt: "Das war ein Fernsehpreis auf dem Niveau der goldenen Zeiten."

Stefan Hoff © VTFF Stefan Hoff
Wenn im Herbst die nächste Fernsehpreis-Gala in Deutz statt Ossendorf steigen wird, bleibt ihm also nur die Rolle des Zaungasts. Stefan Hoff, seit eineinhalb Jahren ebenfalls Geschäftsführer der MMC, wird dann schon nicht mehr an Bord sein – wohl auch eine Reaktion auf den veränderten Fokus. In wenigen Wochen wird Hoff, einst langjähriger Chef des lokalen Wettbewerbers EMG Germany, das Unternehmen nach DWDL.de-Informationen bereits wieder verlassen. Man gehe im Guten auseinander, ist zu hören. Der Umbruch vollzieht sich in diesen Wochen bei der MMC auf vielen Ebenen.