Sie sehe keinen Grund warum Männer nicht auch leisten können sollten, was Frauen schon geleistet haben - ein Zitat der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006, das kürzlich erneut in den sozialen Medien kursierte. Man kann ihn auch ummünzen auf den Stuttgarter Moderationspreis: Zum zweiten Mal in Folge ist die Riege der strahlenden Gesichter bei der Verleihung in der Stuttgarter SpardaWelt Eventcenter rein weiblich. 

Anne Will © Martin Raunecker
Das begann mit Anne Will, die den erstmals vergebenen Preis „Vorbild Moderation“ vom Institut für Moderation (imo) der Hochschule der Medien Stuttgart erhielt. Eine Auszeichnung mit der Persönlichkeiten geehrt werden sollen, die durch ihre journalistische Moderation Maßstäbe setzen, die Entwicklung des Berufs prägen und Orientierung geben. Letzteres auch mit einer Keynote, die Anne Will im ersten Jahr der Auszeichnung der Frage nach der Verantwortung des Journalismus widmete.

Ihre Ehrung war schon im Vorfeld bekannt, in drei anderen Kategorien fieberten die anwesenden Nominierten der Bekanntgabe entgegen. In diesem Jahr wurde der Stuttgarter Moderationspreis in neuen Kategorien vergeben, prägnanter aufgeteilt: Über Beste Moderation Audio und Beste Moderation Video entschied eine Jury, über den Sonderpreis Baden-Württemberg entscheiden die Studierenden der Hochschule der Medien. Unverändert: Die Moderation der Verleihung lag in den Händen von Ingo Zamperoni, Honorarprofessor an der Hochschule der Medien und Pate des Preises.

Aylin Doğan © Martin Raunecker
Gewinnerin in der Kategorie Beste Moderation Audio ist Aylin Doğan für Ihre Leistung im Podcast „Obsessed - Döner Papers“ (Koproduziert vom Bayerischer Rundfunk und der Produktionsfirma Kugel und Niere). Die Jury urteilt: Energiegeladen, glaubwürdig, unmittelbar und auf Augenhöhe. „Durch ihre Dynamik, sprachliche Vielfalt und authentische Ansprache entsteht eine große Nähe zum Publikum. Die Moderatorin setzt eine aufwändig recherchierte Geschichte verständlich und spannend um und macht die Hintergründe transparent und nachvollziehbar“, so das Juryurteil.

Thelma Buabeng © Thelma Buabeng
Den Sonderpreis Baden-Württemberg – von Studierenden der Hochschule der Medien als Publikumspreis vergeben – erhielt Thelma Buabeng für ihren Podcast „Kultur? Echt jetzt!" der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg. Die Studierenden urteilen: Buabeng schaffe aufmerksam und authentisch eine Atmosphäre, in der persönliche Geschichten und gesellschaftliche Fragen gleichermaßen Raum finden. Mit ihrer wachen, nahbaren und zugleich professionellen Moderation macht sie Themen wie Herkunft, Sichtbarkeit und Teilhabe verständlich und relevant – insbesondere für junge Menschen.“

Leah Nlemibe © Martin Raunecker
Finale Kategorie des Abends war dann Beste Moderation Video, in der zunächst Leah Nlemibe für Ihre „Puls Reportage: Vulva Watching – Ich zeige fremden Frauen meine Vulva“ (Bayerischer Rundfunk) ausgezeichnet wurde. Sie „verbinde persönliche Erfahrungen mit journalistischer Einordnung und schafft so einen Beitrag, der informiert, unterhält und zum Nachdenken anregt. Ob im Selbstversuch, im Gespräch oder in der Begegnung mit anderen Menschen – die Moderatorin agiert souverän, glaubwürdig und nahbar. Dadurch gelingt ihr ein ebenso persönlicher wie professioneller Zugang zu einem sensiblen Thema“, so die Jury.

Regine Steffens © Martin Raunecker
Doch zur Überraschung der Nominierten und Gäste der Verleihung in Stuttgart, war danach noch nicht Schluss: Die Jury entschied sich in diesem Jahr für zwei Gewinnerinnen in dieser Kategorie, so dass auch Regina Steffens für ihre Moderation im „Spiegel Shortcut“, im konkreten Fall „White Tiger: Die investigative Recherche zum Netzwerk 764.“ ausgezeichnet wurde. Eine bewusste Entscheidung, heißt es vom Institut für Moderation. Beide Beiträge stehen exemplarisch für unterschiedliche Formen herausragender journalistischer Moderation und konnten die Jury gleichermaßen überzeugen. 

„Regina Steffens besticht mit einer ruhigen, präzisen und journalistisch souveränen Moderation. Sie führt durch ein komplexes und sensibles Thema, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen, und schafft zugleich Raum für die Expertise ihrer Gesprächspartner“, so das Jury-Urteil. „Mit ihrer klaren Sprache, einer angenehmen Präsenz und hoher Aufmerksamkeit für Details gelingt es ihr, Orientierung zu geben und auch anspruchsvolle Inhalte verständlich zu vermitteln. So entsteht eine Moderation, die durch Ausgewogenheit, Professionalität und journalistische Präzision überzeugt.“

Zur interdiszplinären Jury am Donnerstag zum viertel Mal vergebenen Stuttgarter Moderationspreis gehörten in diesem Jahr in alphabetischer Reihenfolge DWDL.de-Chefredakteur Thomas Lückerath, Aycha Riffi (Leitung Grimme-Akademie), Prof. Dr. Eva Stadler (Studiendekanin Hochschule der Medien Stuttgart), Laura Terberl (Leitung Audio & Video, Süddeutsche Zeitung) und Manuela Weyh (Stv. Redaktionsleiterin Innovation und Digitale Projekte Rheinland-Pfalz beim SWR).

Die Preisverleihung will journalistische Kompetenz in moderierten Audio- und Videoformaten auf allen Plattformen in den Mittelpunkt stellen. Prof. Stephan Ferdinand, Direktor des Institut für Moderation bilanziert: „Allen nominierten und ausgezeichneten Moderationen gelingt es, uns Zuhörerinnen und Zuhörern beziehungsweise Zuschauerinnen und Zuschauern eine glasklare journalistische Orientierung zu geben. Sie stellen Vertrauen her – das mittlerweile wichtigste Gut im Journalismus." Ein Wunsch fürs kommende Jahr: Mehr Einreichungen aus der Radio-Branche. Audio sei schließlich mehr als Podcast.