Wenn man es als Qualitätssiegel begreift, kann man wohl sagen: Es gibt eigentlich nichts, was Kay Siering in 23 Jahren bei Spiegel TV Studios nicht schon gemacht hat: Redaktion, Moderation und Produktion bis zur Geschäftsführung war alles dabei. Mit seiner analytisch-diplomatischen Art wurde Siering außerdem Vorstand der Sektion Dokumentation in der Produktionsallianz und damit in den vergangenen Jahren medienpolitisch sichtbar engagiert.

Bei Spiegel TV Studios, wo er seit 2019 in der Geschäftsführung war, ist seine Reise jetzt aber beendet. Darüber berichteten am Montag zuerst die Kollegen von Medieninsider. Schon vergangenen Freitag teilte Siering seine Entscheidung intern mit. Thomas Hass, Vorsitzender der Geschäftsführung der Spiegel Gruppe, informierte außerdem im Intranet über das Ausscheiden Sierings.

„Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte Euch mitteilen, dass Kay Siering sich entschieden hat, die Geschäftsführung der Spiegel TV Studios spätestens zum 30. Juni 2027 niederzulegen, um sich einer neuen beruflichen Herausforderung zu widmen. Darüber haben wir heute die Kolleginnen und Kollegen von Spiegel TV und die Bereichsleitenden informiert. Ich bedaure sein Entscheidung - für Spiegel TV und auch persönlich. Gleichzeitig freue ich mich, dass Kay uns in den kommenden Monaten bei der Transformation der Spiegel-TV-Gruppe weiterhin tatkräftig unterstützen wird. Die Nachfolge werden wir in Ruhe regeln und zu gegebener Zeit darüber informieren.“

Der Abschied kommt überraschend, weil Siering selbst vor weniger als einem Jahr den internen Umbau und das Rebranding von Spiegel TV in Spiegel TV Studios vorangetrieben hat. Mit Abspaltung des eigentlichen "Spiegel TV Magazin" sollte die Produktionsfirma offener positioniert werden für Auftragsproduktionen verschiedenster Abnehmer und jüngerer Zielgruppen. So produziert man ohnehin schon den "Sat.1-Check", "Arte Re" und "Hartes Deutschland" für RTLzwei sowie "Terra X", "Terra X History" und "plan b" für das ZDF. Auch weiterhin aber seien, so hieß es, "große historische Stoffe" wie zuletzt etwa "Stammheim - Zeit des Terrors" für die ARD geplant.

"Wir sind überzeugt, dass uns die neue Konstellation die Freiheit gibt, um uns im sich wandelnden Bewegtbild-Markt noch besser als attraktiver Produzent zu platzieren", erklärte Kay Siering vergangenes Jahr. "Den Ansprüchen an Seriosität und Qualität der Spiegel-Gruppe bleiben wir selbstverständlich verbunden. Wir können diese nun aber noch breiter für Produkte einsetzen, die nichts mit der Marke Spiegel zu tun haben. Mit unserer agilen Mannschaft werden wir hervorragende Produktionen für unsere Auftraggeber herstellen und so in der Ko- und Auftragsproduktion profitabel wachsen."

Dieser Weg wurde im September 2025 eingeschlagen, jetzt der Abschied von Siering. Das Statement im Intranet macht deutlich: Er hat etwas Neues. Nur was, das ist noch unklar. Offenbar war für baldige Kommunikation die frühzeitige Kündigung (und Kommunikation) bei der Spiegel-Gruppe nötig. Unwahrscheinlich jedoch, dass Siering seine gesamte, noch recht lange Restvertragslaufzeit bei Spiegel TV Studios erfüllen wird. Dazu dürften in den kommenden Wochen Gespräche geführt werden. Die Karten dürften schon bald auf dem Tisch liegen.