Schon seit einigen Wochen wird sein Name genannt, wenn es um Spekulationen der Ablösung des SPÖ-Vorsitzenden Andreas Babler geht. Nun ist klar, dass Gerhard Zeiler wirklich Ambitionen auf den Posten hegt. In einem Interview mit der "Kronen Zeitung" sagte dieser, dass man es "weder anderen noch sich selbst zumuten [könne], nicht klar Stellung zu nehmen."

Also habe er sich folgende Fagen gestellt: "Bin ich in der Lage, das zu tun? Habe ich die Kraft dazu? Habe ich das Wissen dazu? Habe ich die Erfahrung dazu? Habe ich den notwendigen Mut, auch Dinge zu ändern? Meine Antwort lautet: Ja. Deshalb stehe ich zur Verfügung." Er glaube, dass er die richtige Person sei, um die SPÖ aus ihrem historischen Tief zu führen. Die Partie liegt laut Wahlumfragen derzeit nur noch bei 15,6 Prozent und damit deutlich unter dem Ergebnis der letzten Nationalratswahl 2024.

Zeiler plane aber keinen "Putsch" - er möchte schon von der Basis der Partei gebeten werden, den Posten zu übernehmen. "Ich habe noch nie in meinem Leben wo gearbeitet, wo ich nicht gewollt bin. Und jetzt muss die SPÖ sagen: Ist Gerhard Zeiler gewollt oder ist er nicht gewollt." Wer Zeiler nicht will, ist sicherlich Andreas Babler selbst, der erst im März für eine weitere dreijährige Amtszeit wiedergewählt wurde. Falls Babler also nicht freiwillig abtritt, dann bräuchte es zunächst zehn Prozent der Parteimitglieder, die für eine neue Direktwahl stimmen müssten. Erst dann könnte es zu einer Abstimmung kommen, für die es jeweils mehrwöchige Fristen einzuhalten gilt. 

Dass sich der mittlerweile 71-jährige Gerhard Zeiler nun akut für einen Wechsel in die Politik interessiert, fällt damit zusammen, dass es seinen bisherigen Posten in dieser Form bald nicht mehr geben dürfte: Zeiler verantwortet derzeit das internationale Geschäft von Warner Bros. Discovery. Das Unternehmen steht aber kurz vor der Übernahme durch Paramount Skydance. Vor seinem Wechsel in die Medien, wo er unter anderem Generalsekretär und Generalintendant des ORF, Geschäftsführer von Tele 5, von RTL Television und später der RTL Group war und seit 2012 für den Warner-Konzern tätig ist, war Zeiler schon in der österreichischen Politik als Pressesprecher des Ministers für Unterricht und Kunst tätig.