Die Berliner Produktionsfirma Labo M übernimmt die Entwicklungspipeline der sendefähig GmbH, das hat das Unternehmen jetzt gegenüber DWDL.de bestätigt. Sendefähig ging vor wenigen Monaten in die Insolvenz und wird abgewickelt, einige vom Unternehmen angestoßene Formate dürften nun unter dem Dach von Labo M umgesetzt werden. Darüber hinaus wechseln auch die beiden ehemaligen Sendefähig-Geschäftsführer Christian Tipke und Manuel Möglich zu Labo M, wo sie als Entwickler und Executive Producer arbeiten werden. Tipke wird Teil des festen Teams, Möglich arbeitet als Freelancer. 

"Ausschlagend für uns waren ca. 8 Projekten in unterschiedlichen Reifegraden, von Pitches, die bereits auf Interesse bei Sendern gestoßen sind bis hin zu pilotierten oder bereits angefangenen Projekten, darüber hinaus gibt es noch eine Liste an Ideen, Pitches und ersten Gesprächen mit Sendern, die wir für erfolgsversprechend halten", sagt Martje Friedrich, Geschäftsführerin Labo M, im Gespräch mit DWDL.de zur Übernahme der Entwicklungspipeline. Die Produktionsfirma übernimmt die Projekte bzw. die Rechte daran aus der Insolvenzmasse. Über den Kaufpreis macht Labo M keine Angaben. 

Christian Tipke und Manuel Möglich verstärken bei Labo M unterdessen das Development-Team um Luise Hermann und Alexander Landsberger, das die Ressorts Politik, Gesellschaft und Investigation sowie History, Science und Current Affairs verantwortet. Die ersten Projekte, die von der ehemaligen sendefähig GmbH nun von Labo M verantwortet werden, sind ein "Y-Kollektiv"-Film (SWR), ein Doku-Projekt für den WDR und eine Pilotierung für ein ZDF-Format.

Labo M, Entwicklungsteam © Labo M Das erweiterte Entwicklungsteam von Labo M (v. l. n. r.): Christian Tipke, Manuel Möglich, Martje Friedrich, Florian Karpf, Luise Hermann, Alexander Landsberger

Die Insolvenz von Sendefähig und die nun erfolgte Übernahme von Formaten und Personal ist ein weiteres Zeichen für die andauernde Konsolidierung in der Branche. Während sich auch große Player im Zuge der veränderten Marktgegebenheiten (weniger Aufträge, Kostendruck) neu aufstellen, kommen kleinere Produktionsfirmen immer stärker unter Druck. Sendefähig und Labo M traten in den zurückliegenden Jahren häufig als Konkurrenten bei Pitches gegeneinander an. Das lag auch daran, weil man sich mit journalistischen Recherche-Formaten vorwiegend an öffentlich-rechtliche Sender als Abnehmer richtete. 

Sendefähig hat "Y-Kollektiv" erfunden

Sendefähig hat einst die Reihe "Y-Kollektiv" erfunden, diese startete man 2016 zum damaligen Launch von Funk. Auch die "Y-Kollektiv"-Erweiterung "Rabiat" wurde zu Beginn von der Produktionsfirma verantwortet und auch bei der ZDF-Reihe "Die Spur" war man, neben anderen Unternehmen, mit dabei. Diverse Filme von Sendefähig sind in den zurückliegenden Jahren für Preise nominiert worden. Labo M produziert unter anderem Formate wie "team.recherche" oder auch "ARTE Re:", seit 2025 setzt man auch Recherchen für "Y-Kollektiv" um. 

"Vielen kleineren und unabhängigen Produktionsfirmen fällt es zunehmend schwer, ihre Strukturen zu finanzieren. Ich würde sagen, dies ist Ausdruck eines strukturellen Problems: Auf der einen Seite stehen aufwändige Vorläufe mit teils mehrstufigen Bewilligungsstrukturen der Sender, nötige Vorfinanzierungen und kurzfristige Verschiebungen. Auf der anderen Seite müssen kontinuierlich Gehälter, Miete etc. gezahlt werden", sagt Martje Friedrich gegenüber DWDL.de. Den Sendern seien die Probleme durchaus bewusst, eine Lösung sei trotzdem nicht in Sicht. "Nicht ohne Grund arbeiten inzwischen viele ehemals unabhängige Produktionsfirmen unter dem Dach oder mit Beteiligung großer Medienkonzerne oder müssen aufgeben." 

Mit der Übernahme der Entwicklungspipeline von Sendefähig sendet Labo M nun ein Zeichen - und wächst gegen den Trend. "Die Nachfrage nach gut recherchierten, kreativ erzählten Stoffen ist nicht kleiner geworden – im Gegenteil, sie ist relevanter denn je", sagt Geschäftsführerin Friedrich. "Was sich verändert hat, ist der Weg dorthin. Darauf antworten wir: mit mehr Entwicklungskraft, mehr Recherchepower und mehr erfahrenen Leuten am Tisch. Wir denken groß und setzen darauf, dass wir mit unserem Spirit die besten Leute und Projekte anziehen."

"Vielen kleineren und unabhängigen Produktionsfirmen fällt es zunehmend schwer, ihre Strukturen zu finanzieren."
Martje Friedrich, Geschäftsführerin Labo M


Die Tatsache, dass aber auch Labo M ausschließlich öffentlich-rechtliche Auftraggeber hat, sorgt für ein gewisses Klumpenrisiko - schließlich müssen auch ARD und ZDF sparen. Inwieweit bemüht man sich also um private Auftraggeber? Egal ob TV-Sender oder Streamer. Martje Friedrich antwortet diplomatisch: "Wir wollen die Art von Journalismus machen, die Zeit, Sorgfalt und Unabhängigkeit braucht, und dafür sind ARD, ZDF und ARTE nach wie vor verlässliche Partner. Gleichzeitig beobachten wir den Markt bei Privaten und Streamern genau und wir führen derzeit einige vielversprechende Gespräche."

"Konnten es finanziell nicht mehr auffangen"

Dass es die sendefähig GmbH nicht mehr gibt, liegt nach Darstellung der Gründer derweil nicht an der vermeintlich fehlenden Nachfrage. "Der Markt ist umkämpfter als früher. Projekte verschoben sich kurzfristig oder platzten. Gleichzeitig verlangten Redaktionen mehr Vorrecherche und ausgefeiltere Exposés, bevor überhaupt ein Auftrag stand", sagt Manuel Möglich. "Irgendwann konnten wir das finanziell nicht mehr auffangen." Und Christian Tipke ergänzt: "Umso besser, dass unsere Projekte und Ideen jetzt mit Labo M weitergehen – mit Partnern, die wir lange kennen und mit denen wir viel vorhaben. Nach 20 Jahren Selbstständigkeit ist das ein glücklicher Neustart." 

Labo M existiert seit 2014 als inhabergeführtes Produktionsunternehmen und weist aktuell eine interessante Gesellschafterstruktur auf. Gründer und Geschäftsführer Florian Karpf hält 20 Prozent am Unternehmen, die restlichen 80 Prozent werden von der Gesellschaft selbst gehalten. Dabei handele es sich aktuell aber nur um einen Übergangszustand, heißt es vom Unternehmen. Offen bleibt, was das für die Zukunft bedeutet - und ob sich Labo M perspektivisch möglicherweise für weitere Gesellschafter öffnet.