In diesen Tagen blickt die deutsche Medienbranche mal wieder nach München - nicht nur wegen der Medientage, die noch bis Freitag stattfinden, sondern auch wegen des Blauen Panthers, der am Mittwochabend bereits zum fünften Mal in der BMW Welt verliehen wurde. Dabei wurde Derya Akyol von der Jury als beste Schauspielerin für ihre Rolle in der RTL+-Serie "Euphorie" geehrt - eine Auszeichnung, die sich wahraft euphorisch entgegennahm. Als bester Schauspieler wiederum ging an Johannes Hegemann, der für seine Rolle als Olivia Jones im ZDF-Film "Olivia" zu sehen war - und die Auszeichnung dafür nutzte, konservative Politiker zu einer Abgrenzung von der AfD aufzurufen. "Ich hab' die Hoffnung, dass es mehr Menschen gibt, die lieben wollen als hassen", so Hegemann.
Starke Worte fand auch Schauspieler Jonathan Berlin. Er nutzte seine Laudatio, um vor dem Hintergrund der jüngsten AfD-Wahlerfolge Parallelen zu ziehen zum Schrecken der Nazizeit, deren Folgen im ausgezeichneten Dokudrama "Nürnberg 45 - Im Angesicht des Bösen" eindrucksvoll thematisiert wurden. Geehrt wurden hierfür die beiden Produzenten Michael Souvignier und Till Derenbach.
Zwei Bayerische Fernsehpreise wurden unterdessen am Mittwochabend durch Publikumsvotings entschieden. Auf diese Weise wurde Marcant, der bei seinen mehr als zwei Millionen Instagram-Followern mit Videos über rechtsradikale Kreise regelmäßig für Aufsehen sorgt, als "beliebteste Social-Media-Persönlichkeit" geehrt. Ein Preis ging auch an "Ein sehr gutes Quiz (mit hoher Gewinnsumme)" mit Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf als beliebteste Familienshow - überreicht von Johannes B. Kerner, der schon früher am Abend mit dem Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten geehrt worden war. Die Vorarbeit dafür leistete Markus Söder bereits einige Wochen zuvor, als er den Moderator während einer Aufzeichnung des ZDF-"Quiz Champions" überraschte. In München trafen beide nun persönlich aufeinander. Söder würdigte Kerner unter anderem für dessen Wertschätzung, die er seinen Gästen seit Jahrzehnten entgegenbringt. Kerner erwiderte wenig später mit einem Augenzwinkern: "Vielen herzlichen Dank, dass ich dieser harten Ein-Mann-Jury standgehalten habe."
Ebenso wie Kerner und die "Nürnberg 45"-Produzenten standen auch die meisten anderen Preisträger des Abends bereits im Vorfeld fest - was zwar für eine hohe Anwesenheitsquote und bisweilen ungewöhnliche Inszenierungen sorgte, dem Abend aber freilich auch über weite Strecken hinweg die Spannung nahm. Und so nahm Andreas Bareiss den Preis für die Netflix-Serie "Unfamiliar" entgegen,
Markus Brauckmann und Christian Twente wiederum bekamen einen Panter für den Sky-Dokumentarfilm "Die Nacht von Paris - Terror im Stade de France. Das war auch deshalb ein besonderer Moment des Abends, weil Matthias Opdenhövel den Preis überreichte - und noch einmal an jenen Abend im November 2015 erinnerte, an dem er im Pariser Stadion auch deshalb noch "Zusammenfassungen von unwichtigen Freundschaftsspielen ansagen" musste, "obwohl wir uns in Lebensgefahr befanden", nur weil die "Tagesthemen"-Crew "schon im Feierabend war".Der Film habe "aus diesem Trauma kein Spektakel gemacht, sondern ein bleibendes Mahnmal", so Opdenhövel.
Ebenfalls mit dem Blauen Panther ausgezeichnet: Annette Frier und Sonja Schönemann für ihre Sat.1-Serie "Frier und Fünfzig - Am Ende meiner Tage", Arndt Stüve für die ARD-Serie "Hundertdreizehn" und Nathan Goldblat für die ProSieben-Doku "How to kill a puppy and get rich - Die Hunde-Mafia" sowie Philipp Dettmer für das YouTube-Format "Kurzgesagt". Und gleich zwei Blaue Panther gingen an Berg-Formate: So erhielten Franz Hinterbrandner und Max Reichel einen Panther für die ARD-Dokuserie "In höchster Not - Bergretter im Einsatz", während Andrea Lange die Auszeichnung für die Prime-Video-Show "The Summit" bekam. Den Nachwuchspreis erhielt Hanna Hribar, die zusammen mit Jonas Ems das Drehbuch für die ARD-Serie "Schattenseite" schrieb.
Die Gewinnerinnen und Gewinner
Bester Dokumentarfilm
- Markus Brauckmann und Christian Twente für "Die Nacht von Paris - Terror im Stade de France" (Leonine Documentaries für Sky Deutschland)
Bestes Dokumentationsdrama
- Michael Souvignier und Till Derenbach für "Nürnberg 45 - Im Angesicht des Bösen" (Zeitsprung Pictures in Koproduktion mit Spiegel TV im Auftrag von NDR, BR, SWR, WDR, MDR, HR, SR und Radio Bremen für die ARD)
Bestes Factual-Entertainment-Format
- Franz Hinterbrandner und Max Reichel für "In höchster Not - Bergretter im Einsatz" (Timeline Production im Auftrag des BR für die ARD Mediathek)
Beste investigative Leistung
- Nathan Goldblat für "How to kill a puppy and get rich - Die Hunde-Mafia" (Five Film im Auftrag von Joyn / ProSieben)
Beste Serie
- Andreas Bareiss für "Unfamiliar" (Gaumont für Netflix)
Bestes Drehbuch
- Arndt Stüve für "Hundertdreizehn" (Windlight Pictures und Satel Film in Koproduktion mit dem ORF, dem WDR und der ARD Degeto Film für die ARD)
Beste kreative Gesamtleistung
- Annette Frier und Sonja Schönemann für "Frier und Fünfzig - Am Ende meiner Tage" (Brainpool TV und Good Humor für Sat.1/Joyn)
Wegweisendes, digitales Wissensformat
- Philipp Dettmer, stellvertretend für das Team von "Kurzgesagt" für "Dinge erklärt- Kurzgesagt" und "Kurzgesagt - In a Nutshell" mit @KurzgesagtDE und @Kurzgesagt
Bestes Entertainment-Format
- Andrea Lange für "The Summit - Der steile Weg zur Million" (Banijay Productions Germany für Prime Video)
Jurypreis: Beste Schauspielerin
- Derya Akyol für "Euphorie" (RTL+)
- Magdalena Laubisch für "Die Nichte des Polizisten" (SWR / ARD)
- Via Jikeli für "High Stakes" (ZDF / ZDFneo)
Jurypreis: Bester Schauspieler
- Hendrik Duryn für "Der Lehrer" (RTL)
- Johannes Hegemann für "Olivia" (ZDF)
- Burghart Klaussner und Jean-Yves Berteloot für "An einem Tag im September" (ZDF / Arte)
Publikuspreis: Beliebteste Familienshow
- "Ein sehr gutes Quiz (mit hoher Gewinnsumme)" (Florida Entertainment im Auftrag von Joyn / ProSieben)
- "Klein gegen Groß - Das unglaubliche Duell" (i&u Studios im Auftrag des NDR für Das Erste)
- "Wer weiß wie wann was war?" (Raab Entertainment im Auftrag von RTL)
Publikumspreis: Beliebteste Social-Media-Persönlichkeit
- Sophie Breuer
- Marcant
- Denise Marko
Nachwuchspreis
- Hanna Hribar
Ehrenpreis
- Johannes B. Kerner
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