Jay LenoNoch moderiert Jay Leno beim amerikanischen Fernsehsender NBC werktags um 23.35 Uhr die traditionsreiche "Tonight Show". Im kommenden Jahr gibt er die Sendung allerdings ab, wie schon seit langer Zeit geplant. Sein Nachfolger wird dann Conan O'Brien, der bislang mit seiner eigenen LateNight-Show erst um halb eins, also nach Jay Leno, auf Sendung geht. In den vergangenen Wochen mehrten sich die Gerüchte über die berufliche Zukunft von Leno nach seinem Abschied bei der "Tonight Show". Besonders gefürchtet war bei NBC ein Wechsel Lenos zur Konkurrenz - ABC galt als heißester Kandidat. Mit einem spektakulären Plan hat NBC seinen Star jetzt an sich gebunden. Leno erhält im nächsten Jahr eine neue Show - täglich um 22 Uhr.

Was vielleicht zunächst einmal halb so bedeutend klingt, ist eine gravierende Änderung in der amerikanischen Fernsehlandschaft. Es verwundert so auch nicht, dass die "New York Times" das Thema auf die Titelseite der Dienstagsausgabe genommen hat.  Auch "Variety" und "The Hollywood Reporter" berichten, unabhängig voneinander mit eigenen Quellen. Mit einer offiziellen Bestätigung wird im Laufe des Dienstages gerechnet. Spektakulär ist die Entscheidung in zweierlei Hinsicht: Zum Einen erhält Jay Leno damit einen deutlich prominenteren Sendeplatz - in der Primetime. Zum Anderen - und das ist für die Branche bedeutender - kürzt NBC damit die Anzahl der zu bestückenden Primetime-Sendestunden pro Woche deutlich.

Mit Ausnahme von Fox füllen die großen TV-Networks die Stunden zwischen 20 und 23 Uhr mit Primetime-Programmen. In den USA bedeutet dies meist: Serien oder Reality TV. Davor bzw. danach ist das Programm meist den Lokalsendern überlassen, die die Primetime-Programme der großen Networks quasi als Programmfenster übernehmen - die besondere Eigenart des amerikanischen Fernsehgeschäfts. Mit der Entscheidung Leno im kommenden Jahr eine neue Show um 22 Uhr zu geben, bleibt bei NBC werktäglich eine Stunde Programm weniger zu füllen.
 

 
Eine Tatsache, die NBC sehr entgegen kommt. Erst am Montag hatte NBC Universal-Chef Jeff Zucker bei einem Branchengipfel in New York offen die Frage gestellt, ob die großen Networks nicht aus Kostengründen die Sendestunden für Primetime-Formate zurückschrauben müssten. Mit Lenos Show um 22 Uhr kürzt NBC jetzt die Anzahl der wöchentlichen Primetime-Stunden von 22 auf 17. Kein erfreuliches Signal für TV-Produzenten, die künftig mit ihren Projekten um deutlich weniger Sendeplätze kämpfen müssen.

Die neue Show von Jay Leno soll im kommenden Herbst starten - einige Monate nach seinem Abschied bei der "Tonight Show" im Mai. Die Zeit würde sich zum Entwickeln der neuen Sendung nutzen lassen, wobei die Sendung nach US-Medienberichten sowohl aus dem altbekannten Studio kommen wird als auch inhaltlich viele von Jay Leno bekannte Elemente wie "Headlines" und "Jay Walking" fortgeführt werden. Viel spricht dafür, dass die Sendung insgesamt sehr der heutigen "Tonight Show" ähneln wird. Für Conan O'Brien wäre das kein Problem. Leno als Vorprogramm sei besser als Leno in direkter Konkurrenz bei ABC, zitiert der US-Branchendienst "Variety" namenlos aus dem Umfeld O'Briens.

Grafik: NBC/DWDL.deEine tägliche Show um 22 Uhr, also ein regelmäßiges Daily-Stripping, gab es im Primetime-Geschäft in den USA noch nie. Leicht wird es für Leno mit Sicherheit nicht. Die Konkurrenz zeigt zur gleichen Zeit quotenstarke Serien wie "CSI: Miami". Wissentlich, dass die Quoten von fiktionalen Programmen kaum geschlagen werden können, liegt die Idee hinter dieser Umprogrammierung in erster Linie bei den deutlich geringeren Kosten. Auch wenn Leno für seine neue Show fürstlich entlohnt wird: Für NBC wird es deutlich billiger als neue fiktionale Produktionen, die, wie in diesem Herbst besonders schmerzhaft deutlich wurde, auch gerne mal reihenweise beim Publikum durchfallen.

Die "New York Times" nennt konkrete Zahlen: Während eine durchschnittliche Serien-Stunde die US-Networks 3 Millionen Dollar kostet, dürfte Lenos neue Show weniger als 400.000 Dollar pro Folge kosten. Zusammen mit der Tatsache, dass es keinem der großen Networks in den vergangenen Jahren gelang, um 22 Uhr Serien erfolgreich zu etablieren, scheint der spektakuläre Schritt von NBC eine logische Antwort auf die derzeitigen Herausforderungen im angespannten US-Fernsehmarkt zu sein. Und noch etwas zeigt die Entscheidung: In den USA geht die TV-Branche deutlich offensiver mit der Werbekrise um. Erst gestern kündigte NBC einen radikalen Umbau der Führungsspitze an. Amerikanische Revolution steht da deutschem "Weiter so" gegenüber.