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"Große Hoffnung"

Sat.1-Arbeitskampf: Wie geht's weiter nach dem Streik?

 

Der Streik der ProSiebenSat.1-Mitarbeiter in Berlin ging ohne größere Beeinträchtigungen des Sendebetriebs über die Bühne und ist vorerst beendet. Nun hoffen beide Seiten auf eine baldige Wiederaufnahme der Verhandlungen. Das Fazit des Arbeitskampfes fällt auf beiden Seiten äußerst moderat aus.

von Jochen Voß
22.01.2009 - 13:19 Uhr

Sat.1 Magazin Gaby PapenburgDer Streik der ProSiebenSat.1-Mitarbeiter am Standort Berlin ist seit Mitternacht beendet.  Unklarheit herrscht immer noch darüber, wie viele Mitarbeiter dem Aufruf der Gewerkschaften Ver.di und DJV gefolgt sind und die Arbeit von Dienstag-Mittag 12 bis Mittwoch-Nacht 24 Uhr niedergelegt haben. Am Mittwoch taxierte der Betriebsrat die Zahl für den gesamten Standort auf rund 300 von insgesamt knapp 1.000 Mitarbeitern.

Nach einer erneuten Schätzung des Betriebsrates habe die Zahl der Streikenden beim Sender Sat.1 - auf den sich der Arbeitskampf konzentrierte - rund 90 Prozent der knapp 600 Mitarbeiter betragen. Der Sender selbst setzt die Zahl deutlich tiefer an. Dort geht man von einer Zahl von "deutlich unter 60 Prozent" aus.  Klar ist: Für eine derartige Streikmaßnahme bei einem Sender fielen die Programm-Beeiträchtigungen äußerst moderat aus. Was nicht zuletzt auch daran liegt, dass der Anteil der tagesaktuell im Haus produzierten Sendungen überschaubar ist.
 

 
Während die Nachrichten nicht bedroht waren, da sie vom Schwestersender N24 zugeliefert werden, der nicht von den Maßnahmen betroffen war, standen die Sendungen "Sat.1 Magazin" und "Sat.1 Frühstücksfernsehen" am Dienstag und Mittwoch zwischenzeitlich auf der Kippe. Am Dienstag konnte "Das Magazin" nicht produziert werden. Statt dessen wurde eine bereits vor fast einem Jahr hergestellte Notfall-Ausgabe gezeigt. Dies war der einzige Ausfall. Alle weiteren Sendungen liefen wie geplant.
 
"Ehrenhafter" Streik-Verlauf
 
So ist man auf beiden Seiten mit dem Ausfall des Streiks zufrieden. "Wir haben die Hoffnung, dass die Signale in München angekommen sind und man auf uns zukommt, um weiter zu verhandeln", sagte Katrin Schulze vom ProSiebenSat.1-Betriebsrat in Berlin dem Medienmagazin DWDL.de. Mit der Beteiligung der Mitarbeiter und dem Zusammenhalt der Belegschaft während des 36-stündigen Streiks sei man "ausgesprochen zufrieden".

Auch im Konzern selbst hinterlässt der Streik offenbar keinen schalen Nachgeschmack. Konzernsprecher Julian Geist sagte auf DWDL.de-Nachfrage: "Der Streik ist für beide Seiten ehrenhaft über die Bühne gegangen. DIe streikenden Kollegen konnten ein Zeichen setzen, und den Kollegen die sich nicht an dem Streik beteiligen wollten, ist es gelungen, den Sendebetrieb fast vollständig aufrecht zu erhalten. Dafür gebührt ihnen höchste Anerkennung".

Unklar ist derzeit, wie es bei ProSiebenSat.1 in Berlin weitergeht. Der Streik war eine Reaktion der Belegschaft, nachdem die Verhandlungen über einen Sozialplan für den Umzug großer Teile des Standortes nach Unterföhring ins Stocken geraten waren. Uneinigkeit herrscht darüber, ob die Verhandlungen abgebrochen wurden - und falls ja, von wem.
 
Wer hat die Verhandlungen abgebrochen?
 
In einer E-Mail an den Betriebsrat schrieb ProSiebenSat.1-Finanzchef Axel Salzmann am Dienstag: "Es ist keineswegs so, dass wir die Verhandlungen mit Ihnen abgebrochen haben. Sie haben den Verhandlungstisch verlassen und die Verhandlungen für gescheitert erklärt". Der Betriebsrat konterte tags darauf per E-Mail an Salzmann: "Der Betriebsrat hat die Verhandlungen nicht abgebrochen". Zuvor hatte der Konzern den Mitarbeitern ein Angebot vorgelegt, das deutlich über den gesetzlichen Mindestanforderungen lag und das vom Betriebsrat abgelehnt wurde. Die deutlich über dieses Angebot hinaus gehenden Forderungen des Betriebsrates indes sind vom Unternehmen abgelehnt worden.

"Die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit dem Betriebsrat ist davon abhängig, dass Sie uns ein substantiell besseres Angebot vorlegen. Unsere Forderungen sind Ihnen bekannt", schrieb der Betriebsrat weiter an Salzmann. Für das neue Angebot wurde ein Ultimatum für den kommenden Montag um 14 Uhr gesetzt. Beim bereits vorgelegten Angebot haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, sich bis zum 31. Januar für oder gegen den Umzug zu entscheiden und zudem eine Prämiere in Höhe von 10.000 Euro zu erhalten, sollten sie eines der Angebote annehmen. Wer alle angebotenen Möglichkeiten ausschlägt, fällt unter den noch zu verhandelnden Sozialplan.

Doch so verhärtet, wie die Fronten auf den ersten Blick scheinen mögen, sind sie offenbar nicht. Beide Seiten signalisieren Gesprächsbereitschaft. "Wir hoffen, dass wir bald an den Verhandlungstisch zurückkehren und gemeinsam mit den Betriebsräten eine Lösung finden", so ProSiebenSat.1-Sprecher Geist. Beim Betriebsrat steht man zwar nach wie vor in sehr engem Kontakt mit den Gewerkschaften, man blickt jedoch hoffnungsvoll darauf, dass der Konzern bald auf den Betriebsrat zukommt.

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