Foto: NDR © NDR
PR-Aktion

Fernsehkritiker vs. NDR: Schmierenkomödie im Norden

 

Mit seiner Kino-Werbekampagne "Dafür zahl' ich nicht" hat Fernsehkritiker Holger Kreymeier auch den NDR, für den er vereinzelt tätig war, auf sich aufmerksam gemacht. Dort will man offenbar künftig nicht mehr mit ihm arbeiten. Für ihn ist das eine Kündigung und Kritikunfähigkeit. Der NDR schüttelt den Kopf und schmunzelt.

von Thomas Lückerath
04.03.2009 - 17:07 Uhr

Dafür zahl ich nichtWenn zwei sich streiten, freut sich der Leser: Irgendwie kommt man um ein Schmunzeln nicht herum, wenn man das heutige Fernduell zwischen Fernsehkritiker Holger Kreymeier und dem NDR verfolgt. Anlass der heute vom Zaun gebrochenen Auseinandersetzung ist die Kino-Werbekampagne "Dafür zahl ich nicht", welche die zunehmende inhaltliche Verflachung bei ARD und ZDF hinterfragt. Kreymeier ist verantwortlich für die Kampagne. Schon seit 2007 setzt er sich unter www.fernsehkritik.tv mit bemerkenswertem Engagement in monatlichen WebTV-Sendungen von je gut einer halben Stunde sehr kritisch mit dem deutschen Fernsehen auseinander.

Jetzt also die Kinokampagne, die man offenbar auch beim NDR zur Kenntnis genommen hat. Beim NDR war Kreymeier nach Angaben des Senders als freier Mitarbeiter "in geringem Umfang tätig. Sein Einsatz wurde jeweils fallweise für einzelne Schichten vereinbart." In einer Mitteilung von Kreymeier vom Mittwochmorgen heißt es, er sei vom NDR gefeuert bzw. entlassen worden. Doch ein festes Arbeitsverhältnis, aus dem er hätte entlassen werden können, existierte nicht. Allerdings könnte der Sender ihn künftig natürlich einfach nicht mehr beauftragen. Davon ist wohl auch auszugehen. 
 

 
In einer amüsierten Pressemitteilung teilt der Sender am Nachmittag mit, man habe Kreymeier vor dem Hintergrund der Kino-Werbekampagne "Dafür zahl ich nicht" um ein klärendes Gespräch mit dem für ihn zuständigen Programmbereichsleiter im NDR gebeten. Dieses Gesprächsangebot lehnte Herr Kreymeier jedoch schriftlich ab. Stattdessen verkündete er von sich aus, er wolle sich künftig auf seine Arbeit als Filmproduzent konzentrieren und nicht mehr für den NDR tätig sein.

Dies verkündete Kreymeier am Morgen auch schon von seiner Seite aus - allerdings ohne Erwähnung des vom NDR erbetenen Gesprächs. Stattdessen deftige Worte gegen den Sender: "Der Norddeutsche Rundfunk erweist sich als vollkommen kritikresistent (...) die Entscheidung des NDR vom Dienstag zeigt mir, dass das öffentlich-rechtliche System am Ende ist." Auch sehe er sich ein bisschen wie die Elke Heidenreich des Norddeutschen Rundfunks - in Anspielung auf ihre kritischen bis beleidigenden Aussagen über das ZDF, die sie letztlich den Job gekostet haben.

Gerade zu diesem Vergleich konnte sich der NDR am Nachmittag einen Kommentar nicht verkneifen: "Nicht ohne Schmunzeln haben wir zur Kenntnis genommen, dass sich Herr Kreymeier offenbar als die Elke Heidenreich des NDR sieht. Soweit wir wissen, hat Frau Heidenreich nie Videotext-Untertitel für ZDF-Sendungen geschrieben, und auch sonst gibt es keine Parallelen", sagte NDR-Sprecher Martin Gartzke. Am Ende des Tages bleibt die vermeintliche Entlassung eine PR-wirksame Aktion für die Firma Alsterfilm, dessen Geschäftsführer Holger Kreymeier die heutige Pressemitteilung gleich zum Werben um neue Kunden nutzte. 
 
Am Abend legt Fernsehkritiker Kreymeier nach und kontert auf die Darstellung des NDR mit einem weiteren Statement: „Mit sehr viel Schmunzeln, aber auch Wut im Bauch, habe ich die Äußerungen des NDR-Sprechers Martin Gartzke zur Kenntnis genommen. Ich bin entsetzt, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender derart dreist lügt. Ich bin allein für den Monat März insgesamt 18 Arbeitstage vorgesehen gewesen – dies ist wohl ein bisschen mehr als ein „geringer Umfang“. Dass ein festes Arbeitsverhältnis bestand, habe ich nie behauptet. Dies ging schon aus meiner Pressemitteilung hervor."
 
Weiter heißt es: "Besonders erstaunt bin ich aber über die Behauptung, der NDR habe mich zu einem klärenden Gespräch gebeten. In Wahrheit war es so, dass mir, nachdem das Arbeitsverhältnis telefonisch definitiv beendet und die vereinbarten Arbeitstage für nichtig erklärt wurden, mein Bereichsleiter Herr Brackmann ein Gespräch anbot, um sich nach Jahren guter Zusammenarbeit persönlich zu verabschieden. Darauf habe ich dankend verzichtet."

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