Foto: 9Live © 9Live
Zu komplex?

Call-In-Macher ächzen unter Gewinnspielregeln

 

Nachdem ProSiebenSat.1-Boss Ebeling unter anderem wegen des schwerer werdenden Call-In-Geschäfts eine Neuausrichtung für 9 Live angekündigt hat, beklagt nun auch der VPRT die neue Gewinnspielsatzung, die seit Feburar in Kraft ist. Bei 9 Live geht man auch gerichtlich gegen das Regelwerk vor.

von Jochen Voß
04.08.2009 - 14:10 Uhr

Logo: VPRTSeit Ende Februar hat die neue Gewinnspielsatzung Gesetzeskraft und erstmals haben die Medienwächter Instrumente an der Hand, um allzu dreistes Vorgehen von Veranstaltern von Gewinnspielsendungen mit Geldbußen zu ahnden. Gleichzeitig wurden die Verpflichtung zur Transparenz in Sachen Teilnahmeregeln und Altersbegrenzung verschärft. Nicht zuletzt darauf führen die Macher der Gewinnspiele nun den Rückgang an Anrufen zurück, der das einst so lukrative Geschäft immer schwerer macht. Seit Ende Februar müssen die Sender in regelmäßigen Abständen auf die Teilnahmeregeln hinweisen und entsprechende Einblendungen vornehmen.

Bereits in der vergangenen Woche beklagte Thomas Ebeling, Boss der ProSiebenSat.1-Gruppe, zu der auch 9 Live gehört, die neuen Regeln stünden einem erfolgreichen Anruffernsehen im Weg und kündigte eine Neupositionierung des Senders an. Nun äußerte sich Tobias Schmid, Leiter Medienpolitik bei RTL  Zwar betrifft das Thema  Gewinnspielsendungen à la 9 Live RTL weniger als die Kollegen von ProSiebenSat.1, da die Kölner Mediengruppe kaum Formate dieser Art anbietet, doch Schmid ist zugleich Vizepräsident im Verband der privaten Rundfunk und Telemedien und dort auch für diese Fragen zuständig.
 

 
Im Gespräch mit der "Frankfurter Rundschau" bestätigte Schmid den Rückgang der Einnahmen bei den Call-In-Sendungen. "Es gibt da einen unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang. Die Einführung der Hinweispflichten und die Intensität dieser Hinweise sind zweifelsohne eine der Hauptursachen", sagte er der Zeitung. Mit Inkrafttreten der neuen Regeln sei auch bei 9 Live ein steiler Einbruch der Anruferzahlen zu verzeichnen gewesen, mittlerweile hätten sich die Teilnahmezahlen jedoch wieder auf einem niedrigerem Niveau als zuvor stabilisiert, heißt es bei 9 Live auf DWDL.de-Nachfrage.
 
Doch warum eigentlich? Schließlich könnten klare Regeln und ein regelmäßiges Durchstellen potentieller Kandidaten für die Teilnehmer doch durchaus attraktiv sein, sollte man meinen. Bei 9 Live sieht man dies allerdings anders: "Die Komplexität der Regeln wirkt sich negativ auf den Unterhaltungswert aus. Die Zuschauer sind mit den vorgegebenen Erklärungen und festgelegten Einblendungen überfordert", sagte ein 9 Live-Sprecher gegenüber DWDL.de.

Doch bei dieser Feststellung belässt es das Fernsehunternehmen nicht. Bereits im Juni hat 9 Live vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof Antrag auf einen Normenkontrolle gestellt. Das heißt, es soll  gerichtlich geprüft werden, ob die neue  Gewinnspielsatzung seitens der Medienwächter zulässig ist.

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