Thomas EbelingDie Zahlen, die ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling am Donnerstagmorgen für das zweite Quartal vorlegen konnte, fielen angesichts der deutlichen Rückgänge auf dem Werbemarkt erstaunlich gut aus. Zwar sackte der Umsatz im zweiten Quartal - bereinigt um den inzwischen veräußerten CMore-Anteil - deutlich um neun Prozent auf 694 Millionen Euro ab, doch der um CMore und weitere Einmaleffekte bereinigte operative Gewinn, das Recurring EBITDA, stieg dennoch um 6,6 Prozent auf nun 201,1 Millionen Euro sogar an.

Möglich machte es ein harter Sparkurs: Die operativen Kosten wurden im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um satte 17,6 Prozent unter die 500 Millionen-Marke gedrückt. Bereinigt um CMore ergibt sich immerhin noch ein Rückgang um 14,1 Prozent. Gespart wurde dabei vor allem im Programm durch den verstärkten Einsatz von Wiederholungen. Um so erstaunlicher, dass das offensichtlich keinerlei negative Auswirkungen auf die Marktanteile im Zuschauermarkt hatte: Im zweiten Quartal lag der Marktanteil der ProSiebenSat.1-Gruppe sogar um 1,5 Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor.

Einsparungen ergaben sich - allerdings nur wenn man die Einmalaufwendungen für den Umzug herausrechnet - in den operativen Kosten auch durch die Konzentration der deutschen Free-TV-Sender in Unterföhring und der damit verbundenen weitgehende Schließung des Standorts Berlin. Ebeling: "Die Zusammenlegung der Sender am Standort München erweist sich heute nicht nur aus Effizienzgründen als weitsichtige Entscheidung. Auch aus strategischer Sicht war die Bündelung der TV- und Vermarktungsaktivitäten ein wichtiger Schritt. Durch die engere Zusammenarbeit unserer Mitarbeiter können wir auf die Anforderungen unserer Werbekunden besser reagieren. Dank der gemeinsamen Entwicklung von Programmideen erhöhen wir unseren kreativen Output und schärfen unsere Senderprofile." Erstaunlich: Das im März verkündete, schon ambitioniert anmutende Ziel, die operativen Kosten in diesem Jahr um 100 Millionen Euro zu senken, könne man laut Ebeling nun sogar noch übertreffen. Die 100 Millionen wurden nämlich bereits im ersten Halbjahr erreicht.

Durch die Einsparungen ergab sich auch unter dem Strich wieder ein Gewinn. Immerhin 45,5 Millionen Euro blieben ProSiebenSat.1 als Konzernüberschuss übrig. Das waren zwar 14 Millionen weniger als im Vorjahresquartal, in den ersten drei Monaten des Jahres hatte ProSiebenSat.1 aber sogar noch rote Zahlen geschrieben. "Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass wir mit unserem Maßnahmen-Paket rechtzeitig und angemessen auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld reagiert haben. Das wirkt sich jetzt positiv auf unsere Ertragssituation aus", so ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling.

Während das Kerngeschäft deutsches Free-TV im vergangenen Jahr noch das große Sorgenkind war, so gibt es die größten Probleme inzwischen im zugekauften internationalen Bereich. Im Segment Free-TV-International gingen im zweiten Quartal die Umsätze um 13,9 Prozent zurück, in Deutschland nur um vergleichsweise moderate 6,1 Prozent. Angesichts der schwierigen Situation gerade in den eigentlich einst als Wachstumsmärkten ausgemachten Ländern stellt sich einmal mehr die Frage, ob die sehr teure Übernahme von SBS die richtige Entscheidung war. Immerhin konnte der riesige Schuldenberg, der dadurch angehäuft wurde, in den letzten Monaten ein klein wenig abgebaut werden. Die Netto-Finanzverschuldung sank im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 Prozent auf immer noch sehr stattliche 3,427 Milliarden Euro.

Eine Prognose für das Gesamtjahr traut man sich bei ProSiebenSat.1 übrigens auch nach der Vorlage der Halbjahreszahlen aufgrund der "geringen Marktvisibilität" nicht zu. "Das Umfeld bleibt auch in der zweiten Jahreshälfte sehr schwierig, zumal für unsere Jahresperformance vor allem das vierte Quartal 2009 ausschlaggebend ist", so Thomas Ebeling. "Aufgrund der nach wie vor rezessiven Wirtschaftslage in Europa und der damit verbundenen schwierigen Planung werden wir auch in Zukunft alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Ertragskraft der ProSiebenSat.1 Group zu sichern." In die Programme wolle man aber weiter "angemessen investieren", um die Wettbewerbssituation zu stärken.