Thomas EbelingNachdem die ProSiebenSat.1 Media AG am gestrigen Mittwoch die neue Struktur für die German Free-TV Holding, in der die Sender ProSieben, Sat.1, Kabel eins und N24 zusammengefasst sind, bekannt gegeben hat, steht dem Konzern auch weiterhin ein großes Stück Arbeit ins Haus. Fraglich ist derzeit unter anderem, wie es personell im Bereich Diversifikation weitergeht. Nachdem kürzlich spekuliert wurde, dass Marcus Englert, Vorstand für diesen Bereich, vor dem Absprung stehen könnte, sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling in einem Interview mit der Fachzeitung "Horizont": "Der Aufsichtsrat wird in naher Zukunft mit Marcus Englert diskutieren, welches der beste Weg ist. Ich denke, dass dieser Prozess bis spätestens Ende Februar abgeschlossen ist, und wir dann kommunizieren können, wie es weitergeht".

Sollte Englert das Unternehmen tatsächlich verlassen, ist fraglich, ob der Posten im Vorstand neu besetzt wird. Ebeling dazu: "Sicher ist es einfacher, wenn man jemanden im Vorstand hat, der das kompetent macht. Aber wichtig ist auch, dass die Leute in der zweiten Reihe gut sind. Denn sie machen das Geschäft". Der Bereich Diversifikation ist in Zeiten schwindender Werbeeinnahmen von besonderer Bedeutung für den Konzern. Bis zum Jahr 2014 sollen 30 Prozent der Umsätze aus den Geschäften abseits der bislang klassischen TV-Werbung kommen. Derzeit liegt der Anteil, den ProSiebenSat.1 unter anderem mit Gewinnspielen und im Musikbereich umsetzt, bei 13 Prozent.
 

 

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Als weitere wichtige Neuerung steht beim Konzern im zweiten Quartal die Etablierung des neuen frei empfangbaren Senders Fem TV auf der Agenda. Der Kanal soll sich vornehmlich an Frauen richten. Um die Umsetzung kümmert sich die ehemalige Discovery-Managerin Katja Hofem-Best, die künftig auch als Senior Vice President Factual die nicht-fiktionalen Programme der German Free-TV-Holding verantwortet. Der Launch von Fem TV als frei empfangbares Angebot erschien bei seiner Ankündigung zunächst als gewagt. "Man könnte natürlich versuchen, diesen Sender von Anfang an als Pay-Angebot aufzusetzen. Aber wir finden es smarter, den Kanal erstmal im Free-TV zu etablieren und später zu entscheiden, ob er dort bleibt, oder aber zu überlegen, ihn in ein Pay-Angebot umzuwandeln, wenn er eine gewisse Anhängerschaft hat", erklärte Ebeling gegenüber "Horizont" die Strategie.

Johannes KernerNach dem Abgang von Guido Bolten als Sat.1-Geschäftsführer zum  Februar steht auch beim einstigen Flaggschiff der Gruppe weitere Programmarbeit an. Die schlagzeilenträchtig verpflichteten Neuzugänge Oliver Pocher und Johannes B. Kerner bleiben mit ihren eigenen Formaten bilsang hinter den Erwartungen zurück. Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" bekannte sich Andreas Bartl, Chef der deutschen Sender,  erneut zu den neuen Aushägeschildern: "Ja, das sind Top-Moderatoren. Wir arbeiten an den Formaten, wir sehen eine positive Entwicklung", sagte er.

Im Interview mit "Horizont" ließ Vorstandschef Ebeling jedoch durchscheinen, dass es in den kommenden Monaten Korrekturbedarf gibt. So wolle er Kerner nicht auf sein Magazin reduzieren, das dem Sender zu neuer journalistischer Strahlkraft verhelfen sollte. Möglich, dass man im Konzern bereits über Kurskorrekturen nachdenkt. Ebeling dazu: "Wir werden weiter mit Johannes B. Kerner daran arbeiten, neben dem Sport und den einzelnen Shows ein Format zu finden, das optimal zu ihm passt. Das ist eine unserer Aufgaben für 2010".