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Uneins

ARD bläst Fusion von Eins Plus und Einsfestival ab

 

Die Fusion von Eins Plus und Einsfestival zu einem schlagkräftigeren Sender für ein jüngeres Publikum ist gescheitert. Nun wursteln WDR und SWR weiter getrennt. Bei Eins Plus setzt man auf Kooperation mit dem Hörfunk, Einsfestival will einen neuen Namen.

von Uwe Mantel
11.03.2011 - 10:56 Uhr

Im September vergangenen Jahres verkündete der damalige ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust einen so einleuchtenden wie sexy erscheinenden Plan: Weil man eigentlich zu wenig Geld zur Verfügung habe, um die drei vom Gesetz zugebilligten Digitalkanäle mit einem ordentlichen Budget auszustatten, überlege man, zwei der Sender zusammenzulegen. Konkret ging es um das beim SWR angesiedelte Eins Plus und das vom WDR betreute Einsfestival.

Beide Sender versuchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein etwas jüngeres Publikum anzusprechen. Dabei stößt die ARD aber auf mehrere Probleme. So verstecken sich wenige neu produzierte Formate zwischen allerlei Wiederholungen, die finanziell bedingt das Programm prägen. Dazu kommt, dass schon die Namen Eins Plus und Einsfestival für die Zuschauer wenig aufschlussreich sind, die Sender aber trotzdem auf bestimmte Themengebiete festgelegt sind. Eins Plus muss sich um Service- und Wissensthemen, Einsfestival um Kultur und Unterhaltung kümmern.

 

 

Durch eine Fusion hätte man diese Einschränkungen galant umgehen und mit größerem Budget einen attraktiveren Sender auf die Beine stellen können - doch daraus wird nun nichts, wie Peer Schader in der "Berliner Zeitung" schreibt. Obwohl Ende des Jahres ein fertiges Konzept vorlag, konnten sich WDR und SWR nicht auf eine Zusammenlegung einigen. Laut SWR-Intendant Boudgoust seien daran "vor allem finanzielle Gründe" schuld. "Wir haben erkennen müssen, dass wir auch wenn wir die Etats beider Kanäle zusammenlegen, weit davon entfernt sind, einen Jugendkanal realisieren zu können."

Eine Erklärung, die nicht nur Peer Schader wenig einleuchtend findet - schließlich hätten sich durch eine Fusion Kosten etwa bei der Verbreitung sparen lassen, was letztlich bei gleichen Ausgaben mehr Geld fürs Programm bedeutet hätte. Nun ist jeder einzelne der beiden Sender noch weiter davon entfernt, ein wirklich attraktives Programm auch für jüngere Zuschauer zusammenstellen zu können.

Und so dürfte der eigentliche Grund für das Scheitern in einem anderen Wort in Boudgousts Statement liegen: "Jugendkanal". Die neue ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin Monika Piel machte nämlich schon bei ihrem Antritt klar, wie wenig sie von einem solchen Vorhaben hält. Während man beim SWR die 14- bis 29-Jährigen auch mit frischen, neuen Formaten im Fernsehen erreichen will, glaubt man beim WDR eher, dass diese mit vertretbarem Aufwand eigentlich für die ARD nur noch im Internet und Radio zu erreichen sind und will sich im TV lieber auf die 30- bis 59-Jährigen konzentrieren. Diese beiden unterschiedlichen Zielrichtungen waren offenbar nicht zusammenzubringen.

Nun wursteln der SWR bei Eins Plus und der WDR bei Einsfestival also erstmal weiter mit beschränkten finanziellen Mitteln allein weiter. Bei Eins Plus setzt man auf der Suche nach einem jüngeren Publikum auf eine Kooperation mit den Radiokollegen. So trifft sich laut "Berliner Zeitung" in dieser Woche erstmals die neue "Arbeitsgruppe Programmwerkstatt", in der sich die Eins Plus-Entwickler mit den Hörfunkwellen SWR 3 und Das Ding treffen, um neue Sendungen zu ersinnen. Den Verdacht, Eins Plus "heimlich" doch zu einem Jugendsender umzuwandeln, weist man beim SWR aber als "grobes Missverständnis" zurück. Der Sender solle seinen gegenwärtigen Charakter behalten, man wolle aber "Spielflächen", auf denen Programme für Jüngere ausprobiert werden sollen. Mehr Geld als bislang gibt es dafür nicht.

Die Kollegen von Einsfestival dürfen sich immerhin darüber freuen, dass ihnen der von WDR-Intendantin Piel jüngst angekündigte "Innovationstopf" finanziell zugute kommt. Zudem will man an der Außendarstellung arbeiten: Einsfestival-Chef Spitra plant zur IFA nicht nur einen umfangreichen Relaunch des Senders, sondern denkt auch über einen neuen Namen nach. "Der Name Einsfestival ist zwar historisch gewachsen, aber nicht optimal", so Spitra in der "Berliner Zeitung".

Zudem setzt man künftig mehr auf Kooperationen mit anderen Landesrundfunkanstalten. Derzeit würden "Gesprächssendungen mit unterhaltsamen Elementen" gemeinsam mit dem BR und dem RBB pilotiert. Bei Erfolg könnten diese dann ja auch wieder in den Hauptprogrammen der Sender laufen, was der ARD insgesamt helfen könnte. Dennoch: Die Chance, künftig mit einer starken Marke um jüngere Zuschauer zu werben, wie es das ZDF bei ZDFneo vorgemacht hat, hat man erst einmal vergeben.

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