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Abo-Modell mit Schlupflöchern

Löchrig: So sieht das Bezahlmodell der "Welt" aus

 

Wie angekündigt ist "Die Welt" online ab morgen nicht mehr unbegrenzt frei zugänglich. Wer mehr als 20 Artikel pro Monat lesen will, wird zur Kasse gebeten. Doch auch künftig kann man problemlos um die Bezahlschranke herumspazieren.

von Uwe Mantel
11.12.2012 - 10:20 Uhr

Bevor Springer im kommenden Jahr auch "Bild.de" schrittweise kostenpflichtig machen will, wird am Mittwoch schonmal bei welt.de die Bezahlschranke herunter gelassen. Wie angekündigt hat man sich dabei am Modell der "New York Times" orientiert - blieb aber wohl nicht zuletzt aus Angst vor dem drohenden Reichweitenverlust weniger konsequent als das amerikanische Vorbild.

Im Einzelnen sehen die Regelungen nun so aus: Während die Startseite und damit die Übersicht grundsätzlich frei nutzbar bleiben, lassen sich künftig nur noch 20 Artikel pro Monat frei abrufen. Ab dem 21. Artikel erscheint die Aufforderung, ein Abonnement abzuschließen. Wer bereits ein "Welt"-Produkt in gedruckter Form abonniert hat, erhält unbegrenzten Zugang zu allen digitalen Angeboten, also sowohl zur Website als auch zu allen Apps.

Für alle anderen werden drei unterschiedliche Abo-Pakete angeboten. Das Basis-Paket umfasst Zugang zur Online-Ausgabe und zur Smartphone-App und schlägt mit 6,99 Euro pro Monat zu Buche. Wer zusätzlich auch die Tablet-App nutzen will, muss das Komplett-Paket buchen und dafür 12,99 Euro pro Monat auf den Tisch legen. Wer noch 2 Euro mehr zahlt, erhält zusätzlich noch jede Woche die "Welt am Sonntag" in gedruckter Form - was allerdings etwa 70 Cent teurer ist als das reguläre "WamS"-Abo, das ja ebenfalls den Zugang zu den digitalen Angeboten umfasst. Alle neuen Pakete können im ersten Monat zum reduzierten Preis von 99 Cent erst einmal getestet werden.

Doch wer nicht bereit ist, zu zahlen, der kann auch künftig ohne Probleme außen um die Bezahlschranke herumspazieren. Denn während Springer sich gerade darüber empört, dass Google Links auf das Angebot der "Welt" setzt, ohne dafür zu zahlen, bleiben alle Artikel, die man über diese oder eine andere Suchmaschine aufruft, grundsätzlich und - anders als bei der "New York Times" - ohne Beschränkung kostenfrei abrufbar. Will man einen Artikel kostenfrei lesen, genügt es also, dessen Überschrift bei Google einzugeben, um an ihn heranzukommen. Und nicht nur das: Immer, wenn man durch einen Link von außen - sei es aus sozialen Netzwerken oder jeder beliebigen anderen Seite - auf einen Artikel stößt, ist auch dieser generell frei verfügbar.

Romanus Otte, General Manager Digital der "Welt"-Gruppe, erklärt das Modell so: "Wir sind überzeugt, dass ein nutzungsabhängiges Bezahlmodell ideal zum Angebot der 'Welt' passt. Wir wollen unsere Leser mit guten Angeboten zu fairen Preisen und einem guten Service überzeugen. Im Internet sind aber auch Auffindbarkeit und Vernetzung essenziell. Daher bleiben wir bewusst offen für Suche und Verlinkung." Jan Bayer, Vorstand der "Welt"-Gruppe: "Wir sind fest davon überzeugt, dass ein nachhaltiges Geschäftsmodell für journalistische Angebote in der digitalen Welt ebenso wie in der analogen Welt auf Vertriebs- und Werbeerlösen basieren sollte." Und er kündigt einen langen Atem an: "Für die Webseite ist uns klar, dass wir Geduld brauchen, um eine nachhaltige Abonnenten-Basis aufzubauen."

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