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Von "Abendblatt" bis "TV Digital"

Funke-Gruppe übernimmt zahlreiche Springer-Titel

 

Springer will sich überraschend von seinen Regionalzeitungen sowie den Frauen- und Programmzeitschriften trennen - mit der Funke Mediengruppe hat man sich schon geeinigt. Betroffen sind u.a. das "Hamburger Abendblatt" und "TV Digital".

von Alexander Krei
25.07.2013 - 09:59 Uhr

Das ist ein echter Paukenschlag: Die Funke Mediengruppe wird die Regionalzeitungen sowie Programm- und Frauenzeitschriften von Axel Springer übernehmen. Damit sollen die "Berliner Morgenpost" und das "Hamburger Abendblatt", die Anzeigenblätter in Berlin und Hamburg sowie die fünf Programm- und zwei Frauenzeitschriften von Axel Springer - also "Hörzu", "TV Digital", "Funk Uhr", "Bildwoche", "TV Neu", "Bild der Frau" und "Frau von heute" - sowie die dazugehörigen Digitalmarken unter dem Dach der Funke Mediengruppe erscheinen. Sie trugen im Geschäftsjahr 2012 nach Angaben von Springer 512,4 Millionen Euro zum Umsatz des Konzerns bei. Der Kaufpreis beträgt nun 920 Millionen Euro - angesichts zahlreicher Sparmaßnahmen kommt die Übernahme durch die Funke Mediengruppe durchaus überraschend.

Springer und die Funke Mediengruppe, vormals WAZ-Mediengruppe, haben in diesem Zusammenhang außerdem vereinbart, Gemeinschaftsunternehmen für Vermarktung und Vertrieb von gedruckten und digitalen Medienangeboten zu gründen und damit ihre Aktivitäten, Ressourcen und ihr Know-how in diesen Bereichen zu bündeln. In beiden Gesellschaften wird Axel Springer in der unternehmerischen Führung sein und die Mehrheit halten, heißt es in einer Mitteilung. Beide Seiten haben dafür einen rechtsverbindlichen Vorvertrag geschlossen. Die Umsetzung des Deals ist mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1. Januar 2014 geplan. Zuvor bedarf es allerdings noch der fusions- und kartellrechtlichen Freigabe. Mit der Übernahme trennt sich Springer in gewisser Weise auch von seinen Wurzeln - immerhin legten einige der nun verkauften Titel, darunter das "Hamburger Abendblatt" und "Hörzu", einst den Grundstein zum Aufstieg des Verlags.

Doch wieso verkauft Springer überhaupt seine Blätter und Zeitschriften? Beide Medienhäuser wollen sich zukünftig noch konsequenter auf ihre jeweiligen strategischen Ausrichtungen konzentrieren, teilten Springer und Funke am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Axel Springer verfolgt eine stringente Digitalisierungsstrategie mit dem Ziel, das führende digitale Medienunternehmen zu werden. Dabei will man sich noch stärker auf seine multimedialen journalistischen Kernmarken Welt- und Bild-Gruppe mit den dazugehörigen Zeitschriftenmarken fokussieren. Zudem steht der Ausbau von Online-Rubrikenmärkten und digitalen Vermarktungsplattformen an. Funke will dagegen zum führenden nationalen Medienhaus werden und sich stärker auf Regionalmedien und Zeitschriften mit einer leserorientierten Verbindung von Print und Digital konzentrieren.

Fakt ist allerdings, dass insbesondere Frauen- und Fernsehzeitschriften, aber eben auch das "Hamburger Abendblatt" zuletzt überwiegend Leser einbüßten. Thomas Ziegler, Geschäftsführer Funke Mediengruppe, glaubt dennoch an den Erfolg: "Wir müssen unsere Kräfte bündeln - denn der Medienmarkt stellt uns vor
anspruchsvolle Aufgaben", so Ziegler. "Für unser Haus eröffnen sich neue Perspektiven: im Print- und im Online-Bereich. Hiermit erschließt sich für uns ein großes Potenzial, um neue Wege, etwa in der intelligenten Verzahnung beider Welten, zu gehen. Gemeinsam mit den zu uns kommenden Kolleginnen und Kollegen bauen wir ein nationales Medienhaus auf. Print und Online, erfolgreiche Regionalzeitungen und erfolgreiche Magazine, journalistische Qualität und wirtschaftlicher Ertrag - dafür wird die Funke Mediengruppe stehen."

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender Axel Springer AG: "Die Entscheidung, uns von einigen der traditionsreichsten Marken des Hauses zu trennen, ist uns nicht leicht gefallen. Wir sind jedoch sicher, dass die Bündelung in der Funke Mediengruppe, die sich im Kern auf regionalen Print- und Online-Journalismus sowie Magazine konzentrieren will, für eine langfristige Perspektive der Marken und deren Mitarbeiter das Beste ist. Die unterschiedlichen Strategien der beiden Häuser ergänzen sich hervorragend. Die Axel Springer AG wird den eingeschlagenen Weg zum führenden digitalen Medienunternehmen konsequent weitergehen, mit klarer Ausrichtung auf die Bild- und die Welt-Gruppe, in die wir journalistisch investieren werden und die auch sehr langfristig unverzichtbarer Kern des Unternehmens Axel Springer bleiben."

Mit dem Funke-Deal treibt Springer die Veränderungen im eigenen Haus weiter voran. Erst am Mittwoch hatte Springer angekündigt, die Redaktionen von "Bild"-Berlin und der "B.Z." zusammenlegen zu wollen - ein Schritt, den man vollmündig als "Schulterschluss" und "digitale Offensive" feierte. Zugleich erklärte "Bild", die regionalen Redaktionsstrukturen optimieren und anpassen zu wollen. In Hamburg, Essen, Frankfurt, München und und Leipzig sollen neue Redakteursstellen für die Online-Berichterstattung entstehen, die bisher hauptsächlich von "Bild.de" in Berlin umgesetzt wurden. Gleichzeitig konzentriert "Bild" zukünftig an diesen fünf Standorten alle redaktionellen und koordinierenden Aufgaben für sämtliche Regionalausgaben. Ohne einen Stellenabbau wird all das nicht über die Bühne gehen.

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