Tatort Falschmeldung © Bild
Eine Premiere, die keine ist

Tatort "Bild": Eine Falschmeldung zieht Kreise

 

Am Donnerstag berichtet die "Bild" groß über den ersten "Tatort" der nicht zur Primetime laufen werde und mehrere Medien haben die Behauptung bereits übernommen. Doch schon 1998 durfte ein "Tatort" erst am späten Abend über den Sender...

von Thomas Lückerath
22.08.2013 - 11:46 Uhr

Am Donnerstag berichtet die "Bild" gedruckt und online über ein Novum für das deutsche Fernseh-Heiligtum "Tatort": Zum ersten Mal werde ein Film der Krimi-Reihe nach 22 Uhr gezeigt. Der nächste Kölner "Tatort" mit Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär sei zu hart für die beste Sendezeit. Eine WDR-Sprecherin erklärt gegenüber "Bild": "Die Zuschauer erwartet in jedem Fall ein ganz besonderer, äußerst gelungener, aber auch ‚harter Krimi‘. Redaktion und Jugendschutzbeauftragter des WDR haben gemeinsam entschieden, dass der ‚Tatort: Franziska‘ aus Jugendschutzgründen ab 22 Uhr ausgestrahlt werden soll." Festival-Premiere feiert der Film Ende September bei der Cologne Conference und im Fernsehen soll er dann im Dezember zu sehen sein.



Die "Bild"-Zeitung erinnert daran, dass es eine ähnliche Situation bereits vor zwei Jahren beim "Polizeiruf 110" gegeben hat. Damals durfte die Folge "Denn sie wissen nicht, was sie tun" auch erst nach 22 Uhr ausgestrahlt werden. Doch das war der "Polizeiruf 110". Beim "Tatort" habe es das laut "Bild" noch nie gegeben. Das liest sich natürlich gut. "Zum ersten Mal läuft ein 'Tatort' um 22 Uhr!", heißt es da groß in der gedruckten Ausgabe. Und online beginnt der Artikel mit der Feststellung: "Das hat es in über 40 Jahren und 879 Folgen 'Tatort' noch NIE gegeben."

Diese zunächst nett klingende Meldung haben am Donnerstagmorgen auch bereits mehrere andere Medien übernommen. Alle wiederholen dabei die Behauptung der "Bild", dass die späte Ausstrahlung ein einmaliger Vorgang in der "Tatort"-Geschichte sei. Doch das stimmt so nicht. Vor 15 Jahren wurde der vom RBB-Vorgänge SFB produzierte "Tatort" mit dem Titel "Ein Hauch von Hollywood" auf einen späten Sendeplatz verbannt. Der Grund damals: Für eine Primetime-Ausstrahlung wurde die Qualität des als eine Art Krimi-Satire gedachten Films ARD-intern als zu schlecht bewertet.

Das bezog sich sowohl auf die allgemein kritisierte Produktionsqualität der vom SFB produzierten "Tatorte" als auch die konkrete Geschichte dieses "Tatorts". Der SFB bezeichnete diese 390. "Tatort"-Folge mit den damaligen Berliner Kommissaren Roiter (Winfried Glatzeder) und Zorrowski (Robinson Reichel) im Nachhinein als "Experiment". Unter "Tatort"-Fans genießt Fall Nr. 390 als die vielleicht trashigste Folge der Krimireihe beinahe Kultstatus - und war 1998 die erste "Tatort"-Premiere außerhalb der Primetime.

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