Wolfgang Büchner © M.Kappeler/dpa picture alliance/Spiegel
"Intellektuelles Vakuum in der Chefredaktion"

"Spiegel"-Mitarbeiter werden mit Büchner nicht warm

 

Es hakt offenbar an allen Ecken und Enden in der "Spiegel"-Redaktion: Sowohl das "Projekt Eisberg" sowie das geplante Netzwelt-Ressort für das Heft machen Probleme. In der Mitarbeiter-KG schwindet die Zustimmung für Chefredakteur Wolfgang Büchner.

von Timo Niemeier
17.02.2014 - 11:21 Uhr

Die "Spiegel"-Redakteure werden einfach nicht mit Wolfgang Büchner warm. Ende Januar wurde bekannt, dass der seit September 2013 agierende Chefredakteur einige Neuerungen plant. So sollen Print und Online in Zukunft besser zusammen arbeiten, koordiniert wird das "Projekt Eisberg" in Zukunft von Rüdiger Ditz, der als geschäftsführender Redakteur zum "Spiegel" wechselt. Zuvor war er seit 2008 Chefredakteur von "Spiegel Online". Wirklich harmonisch ist die Wahl Ditz' aber offenbar nicht abgelaufen. 

"Handelsblatt"-Medienexperte Kai-Hinrich Renner berichtet, dass es in der Geschäftsführung der Mitarbeiter-KG "Vorbehalte" gegen den Plan Büchners gegeben habe. So ließ die KG prüfen, ob es sich bei der Personalie um eine "zustimmungspflichte Strukturänderung" handele. Ergebnis: nein. Anders beim geplanten Netzwelt-Ressort für den gedruckten "Spiegel": Hier braucht Büchner wohl die Zustimmung der Mitarbeiter-KG. Ausgang ungewiss.

Noch größer sind die Probleme aber an anderer Stelle: So wurde vor einem Monat bekannt, dass Martin Doerry seinen Job als stellvertretender Chefredakteur nach 16 Jahren aufgeben wird (DWDL.de berichtete). Inzwischen ist klar, dass er das wohl nicht ganz freiwillig gemacht hat. Kai-Hinrich Renner schreibt von einer "angeordneten Absetzung". Demnach sei das Verhältnis zwischen Doerry und Büchner schon länger gestört. Auslöser für Doerrys Absetzung sei seine "massive Kritik" an der "Spiegel"-Titelgeschichte vom 13. Januar ("Spielen macht klug") gewesen. Diese wurde von Wolfgang Büchner verantwortet. 

Doerrys Nachfolger, Clemens Höges, erwischte laut Renner einen denkbar schlechten Start: So soll er nur von vier der fünf Geschäftsführern der Mitarbeiter-KG bestätigt worden sein. Im "Handelsblatt" zitiert Renner einen "leitenden Redakteur" mit den Worten: "In der Chefredaktion herrscht ein intellektuelles Vakuum. Wir sind mitten in einer tiefen Depression."

Wolfgang Büchner sorgte schon vor seinem Amtantritt beim "Spiegel" für Verunstimmung in Hamburg. So war es sein ursprünglicher Plan, den ehemaligen "Bild"-Mann Nikolaus Blome zu seinem Vize zu machen. Nach viel Gegenwind aus der Redaktion wurde Blome "nur" Mitglied der Chefredaktion und Leiter des Hauptstadtbüros. 

Keine Probleme gab es übrigens bei dieser Personalie: Barbara Hans ist neue stellvertretende Chefredakteurin von "Spiegel Online". Wolfgang Büchner: "Gemeinsam wollen wir die Präsenz von 'Spiegel Online' in sozialen Netzwerken ausbauen, neue intelligente Erzählformen entwickeln und unseren Vorsprung als führendes Nachrichtenangebot für Nutzer von Smartphones und Tablets ausbauen." Jule Lutteroth, bislang in dieser Position tätig, übernimmt ein neues Aufgabengebiet. Sie wird sich künftig um die Koordinierung neuer multimedialer Erzählformen und Projekte kümmern.

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