Grimme Preis © WDR
Die Gewinner beim 50. Grimme-Preis stehen fest

"HalliGalli" und "Neo Magazin" unter Grimme-Gewinnern

 

Joko Winterscheidt, Klaas Heufer-Umlauf und Jan Böhmermann können sich über Grimmepreise im Bereich Unterhaltung freuen. Auch Martin Sonneborn erhält eine Auszeichnung, im fiktionalen Bereich machten nur ARD-Produktionen das Rennen.

von Uwe Mantel
19.03.2014 - 11:30 Uhr

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Der Grimme-Preis wird in diesem Jahr zum 50. Mal verliehen - und zwölf Produktionen gehören zu den Jubiläumspreisträgern. Grimme-Direktor Uwe Kammann zeigte sich bei der Bekanntgabe der Gewinner zufrieden: "Auch der Jubiläumsjahrgang bietet herausragende Fernsehproduktionen mit einer großen Bandbreite an Formen, Inhalten und ganz individuellen Handschriften."

Nur eine dieser Handschriften kommt dabei übrigens aus dem Privatfernsehen: Im Bereich Unterhaltung ging einer der Preise an Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf für die Endemol-Produktion "Circus HalliGalli". Und auch der zweite Gewinner aus diesem Bereich ist ein Format, das ein junges Publikum im Blick hat: Das bei ZDFneo laufende "Neo Magazin" mit Jan Böhmermann, das von Matthias Schulz und Philipp Käßbohrer von der Bildundtonfabrik produziert wird. Kammann erkannte bei den beiden Preisträgern "Ähnlichkeiten in einer ganzen Reihe von Punkten": "So setzen sie auf Grenzüberschreitungen und Unberechenbarkeit, sie wollen verblüffen und in schönster Systematik ganz schräge Elemente vermischen, zum großen Spaß eines Ironie-verliebten Publikums", so der Grimme-Direktor.

Es ist nicht die einzige Auszeichnung für ein Format von ZDFneo: In der Kategorie Information & Kultur geht einer der Grimme-Preise an die satirische Reihe "Sonneborn rettet die Welt" mit Martin Sonneborn. Das Format ist den meisten wohl durch den blamablen Auftritt der Deutschen Bank, die Sonneborn ein vorgefertigtes Interview führen ließ, bekannt, das letztlich auch durch die "heute-show" eine große Verbreitung fand. Daneben gibt es für das ZDF noch einen Preis für "Work Hard - Play Hard" von Carmen Losmann und Dirk Lütter, ansonsten finden sich unter den Grimme-Preisträgern diesmal ausschließlich ARD-Produktionen.

Zum Bereich Information und Kultur sagt Uwe Kammann: "Wir finden bei den Dokumentarfilmen beste Beispiele dafür, wie hervorragende Autoren mit sehr unterschiedlichen Ansätzen ihren Themen prägnante Konturen geben können, von spielerischen und satirischen Formen bis hin zu strenger Zurückhaltung, die gerade wegen der Reduktion der Mittel eine eindrückliche und nachhaltige Wirkung erzielt." Ausgezeichnet werden hier neben den bereits genannten der Film "Betongold" von Katrin Rothe für den RBB, in dem sie ihre eigenen Erfahrungen über den Verkauf eines Berliner Mietshauses schildert. "Ihr Film macht nicht nur Mut, sich gegen die Hydra der Immobilienspekulation zu wehren. Das ist Betroffenheitsjournalismus im besten Sinne." Auch der Dokumentarfilm "Restrisiko" vo Katrin Bülig über psychisch kranke Täter im Maßregelvollzug fand die Jury preiswürdig. Bühling habe es geschafft, "den Zuschauern einen großartigen, wenn auch immer wieder verstörenden Einblick in eine für viele sicher zu recht verschlossene Welt zu geben", heißt es in der Begründung der Jury. Der fünfte Gewinner in dieser Kategorie ist die NDR-Produktion "The Voice of Peace" von Eric Friedler über den Friedensaktivisten Abie Nathan. Ausführliche Begründungen zu allen Preisträgern finden Sie in einem eigenen Artikel.

Im Bereich Fiktion sieht Kammann die ausgezeichneten Filme als Beleg dafür, "dass auch und gerade über intensives fiktives Erzählen bedrängende gesellschaftliche Fragestellungen erhellt und existentielle Situationen in glaubwürdiger Verdichtung dargestellt werden können." Gelungen ist das beispielsweise mit dem Dokudrama "Eine mörderische Entscheidung", mit dem die Ereignisse in der Septembernacht 2009 nachgezeichnet werden, in der Bundeswehr-Oberst Klein den Befehl zu einem Angriff auf zwei Tanklaster gab, bei dem zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Die Jury attestiert dem Film, "so viel differenzierter zu sein als sein Titel". "Bei aller Vielschichtigkeit und Ambivalenz stehen am Schluss der Wahnsinn und die Absurdität des Krieges im Mittelpunkt", heißt es in der Begründung.

Auch der Film "Mord in Eberswalde", der den Fall des Sexualstraftäters und Kindesmörders Erwin Hagedorn in der DDR nacherzählt, erhält einen Grimme-Preis, ebenso der Film "Grenzgang" über die Beziehung zweier Menschen in der hessischen Provinz. Aus dem großen "Tatort"-Pool wurde ebenfalls ein Film ausgezeichnet - und zwar einer aus Österreich: "Angezählt" über den Tod einer Bulgarin im Wiener Prostituierten-Milieu. Ein besonderes Projekt war die SWR/Arte-Produktion "Zeit der Helden", eine Echtzeitserie. Das Lob der Jury an die Macher: Die Serie beweise "was das Fernsehen zustande bringen kann, wenn es in so guten Händen ist."

Verliehen wird der 50. Grimme-Preis am 4. April im Theater Marl. Die Verleihung wird ab 19 Uhr live bei 3sat übertragen. Als Moderator führt Michael Steinbrecher durch den Abend.

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