Absolute Mehrheit mit Stefan Raab © ProSieben/Willi Weber
Mal nachgefragt

Wo stecken die Polittalks mit Raab und Strunz?

 

Im Vorfeld der Bundestagswahl wurde ProSiebenSat.1-Boss Ebeling nicht müde zu betonen, wie wichtig ihm politische Formate sind. Nun, knapp ein Jahr später, ist davon im Programm nicht mehr viel zu spüren. DWDL.de hat nachgefragt...

von Alexander Krei
07.08.2014 - 08:33 Uhr

Es liegt knapp eineinhalb Jahre zurück, dass ProSiebenSat.1 eine Nichtwählerstudie veröffentlicht hat. "Die Studie zeigt, dass gerade die steigende Zahl der Nichtwähler zur Sprache der Politik oft keinen Zugang hat", sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling damals, der in der Vergangenheit durch den Verkauf von N24 und der gesamten Nachrichtenproduktion nicht gerade den Ruf hatte, die Informationsprogramme seines Konzerns stärken zu wollen. Doch mit Blick auf die Bundestagswahl schien es, als habe so etwas wie ein Umdenken stattgefunden.

"Es ist auch die Verantwortung der privaten TV- Sender, hier zur Vermittlung beizutragen und diese Kommunikationslücke zu schließen", so Ebeling damals. "Die Ergebnisse sind für uns ein Ansporn, mit innovativen Formaten wie 'Absolute Mehrheit', 'TV Total Bundestagswahl' oder 'Eins gegen Eins' vor allem junge Menschen für politische Themen zu begeistern." Das war im Februar 2013. Nun, knapp 18 Monate später, lässt sich erahnen, wie ernst es Ebeling wirklich war. Am 1. September jährt sich die vorerst letzte Ausgabe von "Absolute Mehrheit" zum ersten Mal - und auch "Eins gegen Eins" ging in Sat.1 immerhin schon seit Ende Oktober vorigen Jahres nicht mehr auf Sendung.

Nicht, dass die Ausstrahlung beider Sendungen zwingend notwendig wäre; ein Polittalk-Zwang ist nicht vorhanden. Doch gerade angesichts der vollmundigen Versprechungen, sowohl "Absolute Mehrheit" als auch "Eins gegen Eins" fortsetzen zu wollen, verwundert die lange Pause in beiden Fällen dann doch, zumal sie auch zum Start in die neue Saison erst mal nicht im Programmablauf auftauchen. "Wir sind bereits in Gesprächen mit Moderator und Produktion, wie und in welcher Form wir nach dem Wahljahr mit 'Eins gegen Eins' in 2014 weitermachen", hieß es von Sat.1 im vorigen Jahr - verbunden mit der Aussage, an der Marke weiter festhalten zu wollen.

Inzwischen ist klar, dass zumindest "Eins gegen Eins" in diesem Jahr nun doch nicht mehr zurückkehren wird. "Wir haben uns gemeinsam mit Produzent und Moderator auch aufgrund der neuen Aufgaben von Claus Strunz darauf verständigt, in diesem Jahr keine Fortführung von 'Eins gegen Eins' umzusetzen", erklärte Sat.1-Sprecherin Diana Schardt jetzt gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de. Gemeint ist der Einstieg von Claus Strunz in die Geschäftsführung von MAZ&More. In dieser Position verantwortet er seit Juli das Programm der Produktionsfirma, die das "Sat.1 Frühstücksfernsehen" herstellt.

Vom Tisch ist eine Fortsetzung von "Eins gegen Eins" damit zwar nach wie vor nicht. Und doch dürfte eine derart lange Pause das Vorhaben, einen aktuellen Polittalk dauerhaft im Programm zu etablieren, erheblich erschweren - sofern das überhaupt jemals das Ziel gewesen ist. Und was ist mit Stefan Raab? Dessen Versuch, mit "Absolute Mehrheit" einen Polittalk bei ProSieben an den Start zu bringen, war Ende 2012 kritisch beobachtet worden. Nach quotenstarkem Start sank das Interesse zuletzt massiv ab - die fünfte Ausgabe verzeichnete nur knapp mehr als fünf Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen.

Auf Nachfrage erfährt man von ProSieben, dass sich "TV total" und das gesamte Team derzeit in der Sommerpause befinden, der Sender das Format aber fortführen möchte -  allerdings "in Absprache mit Stefan Raab und abhängig von der polititischen Themenlage". Nun stellt sich in diesem Zusammenhang durchaus die Frage, wie die politische Themenlage aussehen soll, damit Raab tatsächlich noch einmal mit "Absolute Mehrheit" auf Sendung gehen wird. Mit der Europawahl hätte es vor wenigen Wochen beispielsweise einen guten Anlass gegeben. Und mit Blick auf seit Monaten angespannte Situation in der Ukraine mangelt es auch an internationalen Themen keineswegs. Fraglich ist allerdings, ob man ein solch brisantes Thema diskutieren kann, wenn die Gäste gleichzeitig um ein Preisgeld in Höhe von 100.000 Euro spielen. Hier wäre das Raab-Konzept vermutlich ohnehin an seine Grenzen gestoßen.

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