Der Schriftsteller und Journalist Ralph Giordarno ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Der gebürtige Hamburger arbeitete nach dem Krieg als Journalist und kam 1961 zum NDR. Drei Jahre später wechselte er zum WDR, wo er sich als Dokumentarfilmer einen Namen machte. Bis zu seiner Pensionierung 1988 drehte Giordarno mehr als hundert Filme. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit bildete die Aufklärung über Nationalsozialismus, Faschismus und Stalinismus. Darüber hinaus beschäftigte er aber auch mit den Problemen der so genannten Dritten Welt. Für "Hunger - Herausforderung auf Leben und Tod" und "Camilo Torres - Rebell des Kreuzes" erhielt er jeweils einen Grimme-Preis.

"Wir werden Ralph Giordano als leidenschaftlichen Aufklärer, engagierten Journalisten und kritischen Menschen in Erinnerung behalten; ein Kämpfer, der uns immer wieder dazu getrieben hat, unbequeme Themen zu diskutieren und eigene Standpunkte zu hinterfragen", sagte WDR-Intendant Tom Buhrow. "Er hat genau da hingeschaut, wo die Ideale von Freiheit und Humanität mit Füßen getreten wurden oder bedroht waren. Unermüdlich hat er gegen das Vergessen angeschrieben; wo er konnte, hat er an die Gräuel des Nationalsozialismus und die Folgen des Antisemitismus erinnert. Auch deshalb war Ralph Giordano für viele ein großes Vorbild. Er wird uns fehlen."

Lutz Marmor, NDR-Intendant und ARD-Vorsitzender: "Ralph Giordano war ein engagierter Streiter für Freiheit und Menschlichkeit. Was neben seinem literarischen und journalistischen Werk bleibt, ist der Bertini-Preis. Er würdigt junge Menschen, die couragiert gegen Unrecht, Ausgrenzung und Gewalt eingetreten sind, so wie es Ralph Giordano Zeit seines Lebens getan hat." Namensgeber für den Preis war Giordanos autobiografische Familien-Saga "Die Bertinis" von 1982, die zugleich sein berühmtestes Werk ist.