Eurovision Song Contest © EBU
Neuer Modus

Die ARD schickt 2016 Xavier Naidoo zum ESC

 

Nach dem bitteren 0-Punkte-Ergebnis für Ann Sophie im vergangenen Jahr ändert der NDR den Modus des deutschen Vorentscheids zum Eurovision Song Contest und legt sich von Vornherein auf Xavier Nadioo als Vertreter fest. Abgestimmt werden darf trotzdem...

von Uwe Mantel
19.11.2015 - 06:54 Uhr

Seit die Kooperation mit Stefan Raab endete, verließ die ARD auch der Erfolg beim Eurovision Song Contest: In den letzten drei Jahren belegten die deutschen Vertreter nur einen der hinteren Ränge, im vergangenen Jahr gab es keinen einzigen Punkt für "Black Smoke" von Ann Sophie. Vor diesem Hintergrund ändert der zuständige NDR in diesem Jahr mal wieder den Modus des deutschen Vorentscheids und legt sich diesmal von vornherein auf einen Künstler fest: Der deutsche Vertreter beim ESC 2016 in Stockholm heißt Xavier Naidoo.

Trotz dieser Vorfestlegung will der NDR aber auch das deutsche Publikum beteiligen und richtet am 18. Februar einen Vorentscheid aus. Dort wird Xavier Naidoo sechs Songs zum Besten geben, aus denen das Publikum dann einen auswählen darf. Zwar werden die Songs im Studio auch von drei Experten bewertet - darunter Lena als ESC-Gewinnerin - ausschlaggebend ist aber allein das Ergebnis des Televotings.

Ziel sei es, so "die Auswahl der Lieder stärker in den Vordergrund [zu] stellen und weniger die Sympathien für einzelne Kandidaten entscheiden [zu] lassen", erklärt ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber den Grund für den neuen Modus auf eurovision.de. "Wir wussten, was wir nicht mehr wollen: Bands oder Künstler, die den deutschen Vorentscheid im Wesentlichen als Promotionfläche genutzt haben. Wir wollten jemanden finden, der sehr gut singen kann, eine authentische Bühnenpräsenz hat und der mit seiner Ausstrahlung die Fernsehzuschauer in Europa verzaubern kann."

Im Vorfeld des Vorentscheids wird die ARD nun renommierte Komponisten und Produzenten bitten, Songs für diesen Vorentscheid beizusteuern. Die sechs Songs, die es in den Vorentscheid schaffen, wählt eine Jury, der auch Xavier Naidoo selbst angehört, bis Mitte Dezember aus. Um auch eine optisch gelungene Präsentation auf der Bühne zu gewährleisten, gibt es im Anschluss noch einen Inszenierungs-Wettbewerb: Voraussichtlich am 16. Dezember werden Studierenden von Film- und Kunsthochschulen die Songs und die Voraussetzungen beim ESC vorgestellt. Sie haben dann bis zum 12. Januar Zeit, Inszenierungsvorschläge einzureichen.

Das letzte Mal, dass sich die ARD im Voraus auf einen Vertreter festgelegt hatte und das Publikum über einen Song abstimmen ließ, war im Jahr 2011. Damals ging Lena als Titelverteidigerin erneut ins Rennen. Auch 1971 gab es ein ähnliches Verfahren schon einmal, damals mit Festlegung auf Katja Ebstein. Die Wahl von Xavier Naidoo polarisiert allerdings schon in ersten Reaktionen - schließlich war Naidoo in der Vergangenheit nicht nur mit großen musikalischen Erfolgen, sondern auch mit teils fragwürdigen politischen Äußerungen und Auftritten vor Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretikern aufgefallen. Thomas Schreiber verteidigt ihn aber: "Xavier Naidoo ist weder rechtspopulistisch noch homophob oder antisemitisch. (...) Seit Jahren setzt er sich für die deutsch-israelische Freundschaft ein, engagiert sich für Flüchtlinge (ohne jedes Mal darüber zu reden), arbeitet mit zahlreichen Menschen zusammen, die in den unterschiedlichsten Lebensentwürfen leben. Xavier Naidoo steht seit Langem für Werte wie Frieden, Toleranz, Liebe."

Und was sagt Xavier Naidoo selbst? "Ich hab richtig Lust auf den ESC! Dieser völkerverbindende Wettbewerb ist für mich etwas ganz Besonderes:. Und klar, ich trete an, um das Ding nach Hause zu holen. (...) Ich will in den drei Minuten auf der Bühne zeigen, dass wir auch in Deutschland Musik mit Leidenschaft machen. Und zeigen, wofür ich stehe - für Liebe, Freiheit, Toleranz und Miteinander. Diesen Auftrag will ich mit meinem Herzen und mit meinem Gesang ausführen, mit allem, was wir aufzubieten haben."

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