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"Keine politischen Vorgaben"

Freie beim WDR wehren sich gegen Unterstellungen

 

Nach der Debatte um die Unabhängigkeit der Öffentlich-Rechtlichen haben zahlreiche freie WDR-Mitarbeiter einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie sich gegen die Behauptung, es gäbe politische Vorgaben, deutlich zur Wehr setzen.

von Alexander Krei
21.01.2016 - 10:53 Uhr

Die umstrittenen Aussagen einer WDR-Journalistin, wonach der WDR als öffentlich-rechtlicher Sender ehe eine "Regierungsstimme" als eine "Oppositionsstimme" habe, sorgten in den vergangenen Tagen für viele Diskussionen - diese ließen auch nach ihrer Entschuldigung nicht nach. Nun haben zahlreiche freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WDR Stellung bezogen und zum Ausdruck gebracht: "Wir bekommen keine politischen Vorgaben!"

Auf den Seiten des "WDR-Dschungelbuchs", das sich als "Handbuch für Freie Mitarbeiterinnen beim WDR" versteht, unterzeichneten Redakteure, Autoren, Moderatoren und viele weitere Fernseh- und Radiomacher ein Schreiben, in dem sie sich "ausdrückblick von der aktuell öffentlich diskutierten Behauptung, es gäbe im WDR Vorgaben oder Anweisungen für eine politisch ausgerichtete Berichterstattung" distanzieren. Wörtlich heißt es: "Niemand schreibt uns einen einseitigen oder parteipolitischen Inhalt vor."

Man werde "weder vom Rundfunkrat, noch von 'Kommissionen', Regierungsstellen oder von Redaktionen dazu angehalten, in unseren Berichten einer bestimmten Richtung zu folgen", betonen die Freien. "Themen werden in den Redaktionen kontrovers diskutiert, so wie es sich für eine Demokratie und einen demokratisch kontrollierten Sender gehört. Dazu zählen auch Gestaltungsfragen wie Dreh, Schnitt usw…, denn die Erstellung eines Radio- oder Fernsehbeitrags ist immer auch Teamarbeit. Niemand gibt uns aber politische Inhalte vor." Dagegen würde man sich auch im Falle eines Falles "energisch wehren", weil die Neutralität ansonsten nicht mehr gewährleistet sei. "Und daran wollen wir nicht beteiligt sein!"

Viel mehr leide der öffentlich-rechtliche Rundfunk unter dem "Diktat des Sparzwangs". Es gebe "immer weniger Geld für guten, unabhängigen und investigativen Journalismus", kritisieren die Freien. "Die wahren Feinde der Pressefreiheit sind diejenigen, die Kritik an ihren Positionen nicht gelten lassen wollen und sich nur allzu sehr freuen würden, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk abgeschafft würde", heißt es sehr deutlich in dem Offenen Brief, den nach der Veröffentlichung inzwischen bereits zahlreiche weitere freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterzeichneten.

Dazu passt eine Mitteilung der AfD, die am Donnerstag verschickt wurde. Weil die Elefantenrunden im Vorfeld der Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ohne Vertreter der AfD stattfinden werden, sprach die Partei davon, dass der SWR "vor der Erpressung durch SPD und Grüne eingeknickt" sei. "In Deutschland ist es also offenbar doch möglich, dass sich die Regierung ihr Wunschprogramm beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk bestellt. Dieser ganze Vorgang verdeutlicht, wie berechtigt die AfD-Forderung nach Abschaffung der Rundfunk-Zwangsgebühren ist", sagte AfD-Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel.

Ganz anders sehen das unterdessen die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WDR, die in ihr Schreiben mit einem Appell beendeten: "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss gestärkt werden. Er ist ein Gegenpol zu einer einseitigen, populistischen Berichterstattung. Und das sollte auch so bleiben."

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