Entertain TV © Telekom
Neue IPTV-Features für Telekom-Kunden

"Entertain TV": Live und On-Demand verschmelzen

 

Mit dem Relaunch ihres Entertain-Angebots verspricht die Telekom ihren Kunden mehr Flexibilität und will ihnen die Inhaltssuche erleichtern. On-Demand-Inhalte, auch von kostenpflichtigen Streaming-Diensten, sind tief in die neue Plattform integriert.

von Peer Schader
28.04.2016 - 14:37 Uhr

Mit der Ansage "20.15 Uhr war gestern" will die Telekom ihr IPTV-Angebot stärker mit On-Demand-Inhalten verknüpfen und verpasst ihrem bisherigen "Entertain"-Angebot im Mai deshalb einen umfassenden Relaunch. Unter dem Namen "Entertain TV", mit neuem Design und veränderter Benutzeroberfläche will das Unternehmen seinen IPTV-Kunden ein fokussierteres TV-Erlebnis bieten. Und die klassischen Sender müssen sich daran gewöhnen, auf neuen TV-Plattformen nicht mehr automatisch Vorrang zu haben.

"Auf der neuen Startseite geben wir Empfehlungen zu Sendungen, die jetzt gerade aktuell sind, und nehmen dem Zuschauer die Suche ab", sagte Michael Hagsphil, Geschäftsführer Privatkunden Telekom Deutschland, bei der Produktvorstellung in Berlin (Foto unten). Die Besonderheit: Das gilt nicht nur fürs lineare TV, sondern schließt auch Video-on-Demand-Inhalte ein, zum Beispiel von Diensten, die ein Kunde separat abonniert hat. Unter anderem holt die Telekom Sky on Demand auf ihre Plattform. Anders formuliert: Die Empfehlung der neuen "Game of Thrones"-Folge kann künftig auf dem Empfehlungsbildschirm direkt neben der "Tagesschau" stehen.

Weitere verfügbare Dienste sind – wie bisher – Maxdome und der Telekom-Ableger Videoload, Watchever kommt ebenfalls neu hinzu. Netflix hingegen steht zum Start noch nicht zur Verfügung – das habe technische Gründe, hieß es am Rande der Pressekonferenz, weil es sich bei Entertain TV um eine technisch völlig neu aufgesetzte Plattform handele. Die übergreifende Suche zeigt über sämtliche Dienste hinweg, wo und in welcher Form ein Film oder eine Serie verfügbar sind.

Präsentation Entertain TV
© DWDL

Fürs lineare Fernsehen ist die Funktion "Restart" als Ergänzung des klassischen "Timeshift" (mit dem sich Sendungen anhalten und später fortsetzen lassen) hinzu gekommen. Sie ermöglicht, die aktuelle Sendung vollständig von Anfang an zu sehen, selbst wenn erst mittendrin eingeschaltet wurde. Wer also sonntags zu spät zum "Tatort" heimkommt, braucht nicht in die Mediathek auszuweichen. "Mit Restart bestimmen Sie künftig selbst, wann viertel nach acht ist", meint Hagsphil. "Keiner möchte einen Krimi sehen, wenn die Leiche schon weg ist." In der klassischen EPG-Sendungsübersicht können Kunden zwischen den Optionen "Ansehen", "Neu Starten" und "Aufnehmen" wählen.

Über "7 Tage Replay" bündelt Entertain TV zudem Inhalte der integrierten Mediatheken (derzeit von ARD, ZDF und ProSiebenSat.1), die sich aus der Programmübersicht aufrufen lassen. Sendungen der Mediengruppe RTL Deutschland sind derzeit nicht als "Restart" oder On-Demand-Abruf verfügbar. (Dort setzt man weiterhin auf das eigene Angebot "TV NOW"; DWDL.de berichtete.)

Entertain TV Menü
© DWDL

Eine interessante Ergänzung ist die Option "Jetzt im TV", die dem Zuschauer in einem Programmfenster Sendungen anzeigt, die zu diesem Zeitpunkt von den meisten anderen Entertain-Zuschauern gesehen werden. Bei der Demonstration in Berlin lag am Donnerstagvormittag eindeutig Das Erste mit "Giraffe, Erdmännchen & Co." vorn (vor "Soko Wismar" im ZDF und "Die Trovatos" bei RTL). Hagsphil ist überzeugt: "Die Kunden ersparen sich das Zappen."

Weitere Neuerungen: Für lineare Sender gibt es nur noch einen Kanal, der abhängig von der zur Verfügung stehenden Bandbreite ein Bild in SD- oder HD-Qualität liefert. Auch die Hardware verändert sich. Der neu designte Media-Receiver MR 400 erlaubt es, Sendungen auf einer 500 GB großen Festplatte zu speichern und soll über eine stärkere Prozessorleistung verfügen.

Entertain TV HD-Receiver MR 400
© Telekom

"Mehr Komfort, mehr Freiheit, mehr Orientierung", versprach Niek Jan van Damme, Telekom Vorstand Deutschland, in Berlin. Entertain TV solle "die zentrale Plattform für alle Inhalte" sein. Dafür muss man als Kunde freilich erst einmal das Paketsystem durchblicken. Starten wird "Entertain TV" nämlich mit der Variante "Entertain TV Plus", in der alle zuvor genannten Features enthalten sein werden (100 Sender, 47 in HD). Die Basis-Version "Entertain TV" soll mit eingeschränkten Funktionen zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung stehen – wann, ist noch unklar.

Zugleich will die Telekom das "alte" "Entertain" mit der bisherigen Hardware parallel dazu weiterbetreiben, das heißt: die bisherigen Pakete "Comfort" und "Premium" können weiterhin gebucht werden. (Was zumindest bei "Premium" kaum Sinn ergibt, weil das neue Angebot mit besseren Features lockt.)

Will ein Kunde zu "Entertainment TV Plus" wechseln, kann er seinen alten Receiver einschicken und kriegt die neue Hardware zugesandt. "Entertainment TV Plus" soll zum selben Preis angeboten werden wie das bisherige "Premium"-Paket: für 14,95 Euro im Monat. (Mobile Nutzung kostet nach drei Monaten nochmals extra.

Bereits seit zehn Jahren positioniert sich die Telekom als Wettbewerber unter anderem der Kabel-TV-Anbieter und nennt 2,7 Millionen Kunden, die Entertain bislang abonniert haben. "Das hat dazu geführt, dass wir unsere Marktanteile im Festnetz weitgehend stabilisiert haben", sagte van Damme. Der Relaunch jetzt kommt zur rechten Zeit. Zum einen, weil die sich die Nutzergewohnheiten verändert haben: 35 Prozent der Telekom-Kunden nutzten bereits On-Demand-Inhalte, 47 Prozent Mediatheken: "Diese Produkte sind mittlerweile auch in Deutschland keine Nische mehr", so van Damme.

Zudem hat auch das klassische IPTV Konkurrenz bekommen. Anbieter wie Zattoo und Magine TV liefern längst ein vergleichbares TV-Erlebnis über ihre Apps, die das TV-Programm zum Beispiel über Amazons Fire TV oder Googles Chromecast auf den Fernseher bringen (ebenfalls kostenpflichtig für HD-Qualität und den Empfang der großen Privatsender). Im Gegensatz zum Fire TV gibt's bei der neuen "Entertainment TV"-Plattform aber zum Beispiel (noch) keine sprachgestützte Suchfunktion. An einer 4K-Implementierung werde derzeit gearbeitet, hieß es in Berlin.

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