Verafake © Screenshot ZDFneo
"Schwiegertochter gesucht"

Nach "Verafake": Neue Regeln, kein Prüfverfahren

 

Als "Beispiel für zwielichtige Produktionspraktiken bei sogenannten Reality-Formaten" geiselt die LfM die vom "Neo Magazin Royale" aufgedeckten Vorgänge bei "Schwiegertochter gesucht". Ein offizielles Prüfverfahren leitet die NLM aber nicht ein.

von Uwe Mantel
12.07.2016 - 10:31 Uhr

Im Frühjahr hatte das "Neo Magazin Royale" unter dem Titel "Verafake" den überaus fragwürdigen Umgang von Warner Bros. und RTL mit den Kandidaten beim Kuppel- und Menschen-Vorführ-Format "Schwiegertochter gesucht" entlarvt. Am Tag danach räumten Sender und Produktionsfirma gleichermaßen "Fehler im Bereich der redaktionellen Sorgfaltspflicht" ein und kündigten ein paar wenige sanfte Konsequenzen an. So versprach man, dass die aktuelle Staffel von einem anderen Team als bislang produziert werde und dass man Sorge dafür tragen wolle, dass sich solche Fehler nicht wiederholen.

Böhmermanns "Verafake" hatte im Anschluss auch die für RTL zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt auf den Plan gerufen. Sie ließ eine "Vorprüfung" einleiten, sich die Verträge vorlegen und forderte Aufklärung über die Erfüllung der Aufsichtspflicht seitens RTL über die Redaktionspraktiken von Warner. Zur Einleitung eines offiziellen Prüfverfahrens kommt es nun allerdings nicht, wie NLM-Direktor Andreas Fischer gegenüber dem epd sagte.

Jedoch habe man sich mit dem Sender auf eine Reihe neuer Regeln geeinigt, was Auswahl und Präsentation der Teilnehmer angehe. So solle verhindert werden, dass Kandidaten mit geistiger Beeinträchtigung in der Sendung vorgeführt werden, ohne dass diese die Folgen ausreichend absehen können. Wie genau diese Vorgaben aussehen, ist allerdings nicht bekannt.

Im Prüfreport der nordrhein-westfälischen Landesanstalt für Medien LfM wird der Vorfall unter der Überschrift: "#Verafake - Deppen gesucht. Wo bleibt die redaktionelle Sorgfaltspflicht" ebenfalls nochmal angesprochen und als "Beispiel für zwielichtige Produktionspraktiken bei sog. Reality-Formaten" bezeichnet. Weiter heißt es darin: "Auch wenn Verträge rechtmäßig geschlossen werden, so ist nicht davon auszugehen, dass Teilnehmende wissen, worauf sie sich einlassen und vor allem, was mit dem Bildmaterial im Nachhinein geschieht. Immer wieder appellieren Istitutionen wie die Landesmedienanstalten an die Verantwortung der Veranstalter." Wie "Verafake" zeigt bislang allerdings offenbar mit sehr überschaubarem Erfolg. Und so rettet man sich abschließend angesichts der stumpfen Waffen, mit denen die Medienhüter kämpfen, in einen Appell an die Zuschauer: "Neben der Verantwortung der Medienschaffenden ist auch an die Verantwortung der Mediennutzenden zu appellieren: Es wird nur das produziert, was die Zuschauerinnen und Zuschauer sehen wollen."

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