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Mediensatire künftig im Netz

Walulis: "Die meisten glauben, wir machen Teletext"

 

Nach dem Ende von EinsPlus setzt Philipp Walulis für seine Mediensatire nun vorwiegend aufs Netz, wo er sich im Vergleich zur großen Bühne im Hauptprogramm nicht eingeengt fühlt. Dort sieht er zugleich "ein größeres Feld mit noch mehr Idioten".

von Alexander Krei
11.01.2017 - 08:27 Uhr

Dass Philipp Walulis neuerdings nicht nur das Fernsehen parodiert, sondern auch das Netz, hat für den Satiriker einige Vorteile. "Inhaltlich ist das viel dankbarer, weil es ein noch größeres Feld mit noch mehr Idioten und verrückten Sachen gibt", sagte der Satiriker in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". "Wir können alles behandeln, was im Internet stattfindet. Fernsehsachen in den Mediatheken, die Welt der Youtuber, der Blogger und aller, die im Internet publizieren." Hinzu komme die Erkenntnis, dass ein Thema besser aufgenommen wird, wenn es aktueller ist. "Die Aktualität hat man mit einer 30-minütigen Sendung, die auf EinsPlus läuft, deren Herstellung einen Monat braucht, natürlich nicht."

Und so arbeitet Walulis neuerdings für das öffentlich-rechtliche Jugendangebot funk, wo er zugleich mehr Freiheiten genießt. "Würde das Format im klassischen Fernsehen laufen, gäbe es bei der ARD Tausend Menschen und vordefinierte Prozesse, die einen einengen würden. Wohingegen sich jetzt, da die Sache 'nur' online läuft, weniger Menschen dazu äußern. Die meisten interessiert es nicht oder sie glauben, wir machen Teletext." In der Vergangenheit sei man jedoch "in der luxuriösen Situation" gewesen, dass EinsPlus unter dem Radar geflogen sei. Den Unterschied spürte Walulis, als er kurzzeitig mit "Die Fernseher" im Hauptprogramm zu sehen war. "Da hat man es schon gemerkt, dass auf dem Hochplateau der Abendunterhaltung im Ersten ein anderer Wind weht."

Walulis in der "SZ": Je höher man kommt, was die potenzielle Einschaltquote anbelangt, umso größer ist auch die Vorsicht, den Zuschauer bloß nicht aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit zu reißen. Außerdem konnten bestimmte Sachen aus rechtlichen Gründen nicht gemacht werden, weil Sender ihr Material nicht freigaben. Da waren wir fröhlich pfeifend in die Grabenkämpfe der einzelnen ARD-Anstalten gestolpert. In einem Segment von 'Die Fernseher' zum Beispiel ist Pierre M. Krause zum Musikantenstadl gegangen - daraus durften später bestimmte Sachen nicht gezeigt werden. Leider waren das die lustigeren."

Nun steht also das Netz im Vordergrund, auch wenn dort längst nicht nur Profis vor der Kamera stehen. "Wir müssen eine Grenze definieren, ab wann ein Youtuber hart rangenommen werden kann", so Philipp Walulis. "Wenn eine Person Werbung vors Video schaltet, ein Management und eine kommerzielle Absicht dahinterstecken, eine Professionalisierung stattgefunden hat, kann diese Person auch professionell einen auf den Deckel bekommen." Das Fernsehen will er jedoch nicht aus den Augen verlieren, wie er sagt. "Ich habe auch nie einen Unterschied zwischen Fernsehen und Internet gesehen. Es ist mehr so: Es wird Content erstellt - und Fernsehen und Internet sind für mich nur die Ausspielwege."

Auf die Frage, wie Medienkritik 2017 aussehen müsse, hat Philipp Walulis in der "Süddeutschen Zeitung" zudem eine klare Antwort parat: "Lustig. Es gibt schon genügend erhobene Zeigefinger. Und sachlich. Denn es gibt auch schon genügend ausgestreckte Mittelfinger im Internet."

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