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Berufsbilder (2)

Location Manager: Fahnder nach passenden Drehorten

 

Also Location Manager ist Dragan Micakovic maßgeblich dafür verantwortlich, welche Orte wir Zuschauer später in der fertigen Produktion zu sehen bekommen. DWDL.de hat er verraten, was alles getan werden muss, um den perfekten Drehplatz zu finden.

von Kevin Hennings
14.03.2017 - 14:15 Uhr

Wenn der Zuschauer in die neue Episode seiner Lieblingsserie schaltet oder den neuen Blockbuster im Kino betrachtet, hat er vor allem ein Auge für die Schauspieler, die ihrer Arbeit omnipräsent vor der Kamera nachgehen. Ebenfalls im Blick haben sie dann jedoch auch den Star im Hintergrund, für den der Location Manager verantwortlich ist. Denn ohne passende Grundstücke, Landschaften und Wohnungen, könnte ein Regisseur seine Geschichte nur zur Hälfte erzählen. Doch wie genau findet ein Location Manager die perfekten Drehorte und hat er sonst gar keine Aufgaben, die in seinem Arbeitsalltag vorkommen? Im Gespräch mit DWDL.de verrät Location Manager Dragan Micakovic, dass noch etwas mehr dazu gehört.

"Jedes neue Projekt beginnt erst einmal damit, dass ich im Büro sitze, die Drehbücher auswerte und mir einen groben Plan mache, welche Szenerien überhaupt benötigt werden", beginnt er. "Dann verschaffe ich mir mittels Recherche und Luftbildern einen Überblick darüber, wo ich die gewünschten Locations finden kann." Hat man noch kein Portfolio von Locations, die in das Muster des Drehbuchs passen, kann es hier schon knifflig werden.

Was folgt, ähnelt dem Job des Staubsaugervertreters. "Wenn wir in fremden Häusern drehen wollen, was oft der Fall ist, fahre ich von potenziellem Drehort zu potenziellem Drehort, klingele, trage mein Anliegen vor und lasse, falls die Zusage, Teil einer Fernsehproduktion sein zu wollen, nicht direkt kommt, meine Visitenkarte da. Man muss energisch sein, euphorisch von dem Projekt erzählen." Wenn diese Laufarbeit erledigt ist und Micakovic Erfolg hatte, geht es in die nächste Instanz: Nun werden Fotos der Locations an die Regie und das Kamerateam geschickt, um sich weitere Meinungen einzuholen. Ziel der Sache ist es natürlich, dass jedermann mit den Locations zufrieden ist. Wenn Micakovic nicht gerade in Privatwohnungen nach Erlaubnissen fragt, sondern Landschaften oder andere öffentliche Plätze für einen Dreh entdeckt, muss er Genehmigungen, Verträge und Absperrmaßnahmen organisieren.

"In Hinsicht auf den Stressfaktor ist es ein angenehmer Job", verrät Micakovic. "Bis zu dem Moment, wenn ein Drehort platzt." Dann muss nämlich schleunigst ein Ersatz her, damit der Drehplan eingehalten werden kann. Wirklich nerven tut es ihn jedoch nur, dass er ab und zu Absagen bekommt, für die er eigentlich nichts kann: "Manche Städte oder Privatpersonen wollen nicht mit uns arbeiten, da sie bereits schlechte Erfahrungen mit anderen Filmteams hatten. Da ist es natürlich schade, dass man diesen Eindruck nicht korrigieren kann." Auf der anderen Seite sind solche Reaktionen aber auch gut verständlich, möchte nicht jedermann regelmäßig ein 30 bis 50 köpfiges Drehteam in den eigenen vier Wänden haben.

Diese Auseinandersetzungen mit anderen Menschen sei aber auch das, was er so an diesem Job liebe: "Man trifft eine Menge verschiedener Persönlichkeiten und lernt von Dreh zu Dreh mehr, wie man mit den Leuten umzugehen hat. Manchmal findet man sogar richtige Freundschaften." Das Entdecken von verschiedenen Orten sei ihm auch nicht ganz unrecht. Dabei zieht er es jedoch vor, nicht regelmäßig in andere Länder reisen zu müssen: "Ich bin seit 17 Jahren bei der von der UFA Fiction produzierten Serie 'SOKO Leipzig' beschäftigt, wobei ich die erste Zeit als 1. Aufnahmeleiter tätig war. Ich muss mich deswegen meistens nur im Umland umschauen. Es gibt aber auch Kollegen, die regelmäßig durch Deutschland pendeln." Nicht zu verachten sei auch das Privileg der freien Zeiteinteilung.

In Micakovic's Augen sollte jeder Location Manager die Eigenschaften haben, nett, flexibel, charmant – und ganz wichtig: ehrlich, zu sein. "Wenn man einmal beim Lügen erwischt wird, ist die Location 'verbrannt'. Schließlich hat man durchgehend mit vielen fremden Menschen zu tun, die durch tägliche Berichte in der Presse misstrauisch geworden sind." Neben einem sympathischen Auftreten sollte auch das allgemeine Interesse an Filmarbeiten nicht fehlen, sowie gutes Allgemeinwissen.

Eine feste Ausbildung muss man nicht durchlaufen, um sich selbst Location Manager nennen zu können. Es gibt nicht mal eine. Es sind heutzutage noch Quereinsteiger, die in den Beruf starten. Die meisten von ihnen, so auch Micakovic, haben bereits vorher in der Filmindustrie gearbeitet, oder sind Fotografen. "Man hat es entweder drauf, oder nicht", stellt er klar. "Es ist nicht jedermanns Sache an fremden Türen zu klingeln und die Leute dazu zu überreden, eine 'Leiche' in ihrem Keller platzieren zu wollen." Die Leute werden dafür zwar auch bezahlt. Doch bei manchen ist es der Fall, dass sie so oft angefragt werden, dass sie lieber dafür bezahlen würden, in Ruhe gelassen zu werden.

Über die eigene Bezahlung könne Micakovic übrigens nicht klagen: "Nach einer gewissen Zeit, hat man einen gewissen Ruf. Dann kommt es auf das Verhandlungsgeschick an." Eine Fähigkeit, die den Beruf des Location Managers durchweg begleitet.

In unserem Karriere-Special "Vitamin D" beleuchten wir an dieser Stelle bestimmte Berufsbilder der Branche. Die ausgewählten Berufe sind entweder solche, die in der DWDL.de-Jobbörse besonders häufig gesucht werden oder solche, die wir für ungewöhnlich und deshalb beachtenswert halten.

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