Bernd Fritz © ZDF
Er legte ein Millionen-Publikum rein

Gottschalks Buntstift-Schummler ist gestorben

 

Bernd Fritz, ehemaliger Chefredakteur und Mitherausgeber von "Titanic", ist mit 71 Jahren gestorben. Mit seiner geschummelten Buntstift-Wette bei "Wetten, dass..?" brannte sich der Journalist Ende der 80er ins kollektive Gedächtnis ein.

von Alexander Krei
18.04.2017 - 18:51 Uhr

Mit seiner legendären Buntstift-Wette führte er einst die halbe Fernseh-Nation an der Nase herum: Jetzt ist Bernd Fritz im Alter von 71 Jahren gestorben. Wie das "Titanic"-Magazin auf seiner Website mitteilte, starb Fritz am Ostersonntag im Alter von 71 Jahren. 1985 kam Fritz zu dem Satiremagazin, dessen Chefredakteur er von 1987 bis 1990 war. Seit 2006 war der Journalist, der auch für den "Spiegel", die "FAZ" und den "Feinschmecker" schrieb, zudem Mitherausgeber von "Titanic". "Wir trauern um einen geschätzten Kollegen, akribischen Autor und eine besondere Persönlichkeit", schrieb die "Titanic"-Crew am Dienstag in einer kurzen Mitteilung.

Bundesweit bekannt geworden war Bernd Fritz durch seinen Auftritt bei "Wetten, dass..?". Im September 1988 hatte er bei Thomas Gottschalk unter dem Pseudonym Thomas Rautenberg gewettet, die Farben von Buntstiften am Geschmack erkennen zu können - noch während der Show gab er sich allerdings als "Titanic"-Redakteur zu erkennen. "Ich kann's nicht - ganz einfach", räumte Fritz damals vor 18 Millionen Zuschauern ein, als Gottschalk ihn fragte, wie genau er das denn eigentlich mache. Erst in der nächsten "Titanic"-Ausgabe - jener mit der bis heute höchsten Auflage - verriet Fritz den Lesern schließlich, dass er die Wette nur deshalb gewann, weil die Brille schief saß.

"Ich hatte damit gerechnet, dass die Fachleute fragen, ob es überhaupt möglich ist, Buntstifte am Geschmack zu erkennen. Oder dass sie Faber-Castell anrufen. Deren Chemiker hätte ihnen sofort gesagt: Man schmeckt nur das Leinöl, das dem Tonmehl beigemischt wird, und das ist bei allen Farben gleich", erinnerte sich Fritz später bei "Spiegel Online". "Aber die Redaktion prüfte das offensichtlich nicht weiter. Da realisierten wir, dass das große ZDF im Detail eigentlich armselig, unprofessionell und unbedarft war."

Während das Publikum mit Pfiffen und Buhrufen reagierte, rief Thomas Gottschalk am Tag nach der Sendung in der "Titanic"-Redaktion an, um der Mannschaft des Satiremagazins zum Coup zu gratulieren. "Der hatte Sportsgeist", sagte Fritz vor einigen Jahren über den Moderator der Show. "Das ist übrigens das Einzige, was ich wirklich bedauert habe: Die Öffentlichkeit nahm es so wahr, dass ich ihn bloßgestellt hatte. Mein primäres Interesse war es aber, das ZDF vorzuführen." Viel lieber hätte Bernd Fritz übrigens Frank Elstner reinlegt: "Den konnte ich nie besonders leiden."

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