Privat-HD-Panel auf der ANGA COM © DWDL
Diskussion auf der ANGA COM

HD im Privatfernsehen? Noch lange nicht Standard

 

Nur jeder fünfte TV-Haushalt ist aktuell bereit, für den Empfang der Privatsender in HD zu bezahlen - und bei HD+ räumt man erstaunlich offen ein, dass es schwieriger wird, neue Kunden zu gewinnen. Auf UHD-Inhalte sollte man vorerst nicht hoffen.

von Uwe Mantel , Köln
30.05.2017 - 16:31 Uhr

Auf dem Kongress der Infrastrukturmesse ANGA COM wurde am Dienstag über den Status Quo und die Potentiale von "Privat-HD" diskutiert. Denn während die Öffentlich-Rechtlichen ihre HD-Programme unverschlüsselt zur Verfügung stellen, sollen die Zuschauer für den Empfang von RTL, ProSieben und Co in hochauflösender Form bekanntlich einen kleinen zusätzlichen Betrag zahlen. HD+ ging dabei schon Anfang des Jahrzehnts an den Start und der Betreiber, hinter dem Astra steckt, zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung. Doch während die Geräteindustrie am liebsten schon über UHD diskutieren möchte, fällt die Bilanz in Sachen HD im Privatfernsehbereich auch im Jahr 2017 noch eher überschaubar aus.

"Von einem Standard würde ich an dieser Stelle noch nicht sprechen", räumten Andre Prahl von der Mediengruppe RTL Deutschland und Nicole Agudo Berbel von ProSiebenSat.1 unisono ein. Technisch sei HD zwar etabliert, die Bereitschaft der Kunden, dafür auch zu zahlen, habe aber noch viel Luft nach oben. "Es ist noch ein weiter Weg", hieß es auch von Martijn van Hout von M7. Und auch Georges Agnes von HD+ sagte, der Migrationsprozess werde "noch etliche Jahre dauern". Tatsächlich erreichen die privaten Sender derzeit nur jeden Fünften Haushalt mit ihren HD-Angeboten.

Weiteres Wachstum ist also dringend nötig, wenn man im Vergleich etwa zu den Öffentlich-Rechtlichen nicht weiter ins Hintertreffen geraten will. Doch das wird nicht ganz einfach, wie Georges Agnes von HD+ erstaunlich offen einräumte. "Wir werden weiter wachsen, aber es wird schwieriger, an Kunden heranzukommen", so Agnes. Problematisch sei, dass Kunden ihr Geld inzwischen auch für Angebote wie Netflix oder Amazon ausgeben würden, man müsse daher mehr Überzeugungsarbeit beim Kunden leisten als in der Vergangenheit.

Nicole Agudo Berbel von ProSiebenSat.1 hatte den Rat parat, dass es Plattformen, die sich auf ein singuläres Produkt stützen würden, schwer haben. Es gehe heutzutage darum, umfassende Angebote zu machen - etwa Free- und Pay-TV zu bündeln, zusätzlich eine Empfangbarkeit via App mobil zu gewährleisten, oder Komfortfunktionen wie Instant Restart anzubieten. "Der Kunde von heute ist anspruchsvoller als beim Start von HD+", erkannte auch der HD+-Chef an, daher arbeite man daran, das Kernprodukt - das weiterhin das lineare HD-Signal bleibt - mit weiteren Mehrwertdiensten anzureichern, um den Kunden mehr Flexibilität zu bieten. Neuigkeiten dazu seien im Lauf des nächsten Jahres zu erwarten.

Einen Wachstumsimpuls erhofft man sich bei HD+ zudem von UHD, das Agnes als "nächste Evolutionsstufe des Fernsehens" anpries. Mit UHD1 betreibt man schon seit einiger Zeit einen Demokanal, um den Zuschauern die noch hochauflösenderen Bilder schmackhaft zu machen. Doch einstweilen sollte man sich bei HD+ lieber auf andere Wachstumsfaktoren konzentrieren - denn von Senderseite gibt man sich doch sehr zurückhaltend, was UHD angeht. "UHD so herzustellen, dass der Kunde einen Mehrwert erkennt, ist nicht einfach", sagte etwa Andre Prahl von der Mediengruppe RTL Deutschland. "Da müssen sie schon ganz toll produzieren, dann wird’s teuer und dann stellt sich die Frage, wieviele Stunden Sie davon machen können." Und letztlich müsse die Sendung ja so sein, dass der Zuschauer dann sage: "Heiliger Bimbam, da mach ich jetzt aber die Geldbörse auf." Das könne er sich auf absehbare Zeit allenfalls eventbasiert vorstellen.

Nicole Agudo Berbel von ProSiebenSat.1 pflichtete bei. Auch dort experimentiere man durchaus mit UHD, aber sehe "im Moment noch gar keine Möglichkeit, das auf Produktionsseite wirtschaftlich tragbar auszugestalten." Auch bei den Hollywood-Studios, bei denen man Lizenzware einkaufe, gebe es aktuell keine Bereitschaft, komplett auf UHD umzustellen. Doch immerhin: Experimente bei Maxdome hätten zumindest gezeigt, dass es durchaus eine Zahlungsbereitschaft für UHD-Inhalte gebe. Doch auch dort wird es auf absehbare Zeit die Ausnahme bleiben.

Einen Zwangs-Umstieg auf HD gab's gerade bekanntlich bei der Umstellung von DVB-T auf DVB-T2, mit dem sich die Vertreter der beiden großen privaten Sendergruppen zufrieden zeigten. Wäre also eine SD-Abschaltung auch auf anderen Verbreitungswegen eine Möglichkeit, mehr Menschen zu zahlenden Privat-HD-Nutzern zu machen? Auf absehbare Zeit nicht: Bis Ende 2022 sind ProSiebenSat.1 und die RTL-Gruppe erstmal verpflichtet, auch in SD auszustrahlen. Und auch darüber hinaus gebe es keine Pläne, SD abzuschalten, so Andre Prahl. "Der Mehrwert muss überzeugend genug sein, die Leute von neuen Produkten zu überzeugen." Angesichts der Privat-HD-Marktdurchdringung von aktuell 20 Prozent wäre alles andere aber aus gegenwärtiger Sicht wohl auch wirtschaftlicher Selbstmord.

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