Als sogenannter Energie-Experte der ARD tritt Jürgen Döschner häufig in Erscheinung, doch mit einem Tweet zum Diesel-Skandal hat sich der Journalist jetzt im Ton vergriffen. "Wo drastische Taten fehlen, müssen wenigstens drastische Worte her", leitete er am Sonntag einen Tweet ein und schrieb: "Deutsche Automafia vergast jedes Jahr 10.000 Unschuldige." Wenige Zeichen, die für viel Zündstoff im Netz sorgten, weil zahlreiche Nutzer in der Äußerung einen Vergleich mit der Ermordung von Millionen Menschen durch die Nationalsozialisten sahen.

So sah etwa "Handelsblatt"-Chefredakteur Sven Afhüppe in dem Tweet eine Entgleisung. Als die Kritik nicht abnahm, ging Döschner schließlich zunächst zur Verteidigung über: "Mein Tweet zum Dieselskandal war provokant, aber kein Vergleich mit Holocaust. Vergasen steht laut Duden für Toten durch Giftgas - hier: Abgas", schrieb der ARD-Journalist, der in der Chefredaktion des WDR arbeitet, in einer weiteren Nachricht.

Erst später am Abend ruderte er langsam zurück und ersetzte das Wort "vergast" durch "tötet". In der Nacht folgte schließlich ein weiterer Tweet: "Für die Verwendung des Wortes 'vergasen' entschuldige ich mich ausdrücklich", erklärte Döschner nun und betonte, dass es nicht seine Absicht gewesen sei, den Abgas-Skandal in Beziehung zum Holocaust zu setzen. Inzwischen hat der Energie-Experte den ursprünglichen Tweet komplett gelöscht.

Das dürfte ganz im Sinne seines Haussenders sein. "Unser Kollege hat sich für seine Äußerung öffentlich entschuldigt, was mehr als angebracht war", erklärte der WDR. "Sein ursprünglicher Tweet hat zu deutlicher Kritik geführt. Das können wir sehr gut nachvollziehen. Wir bitten um Entschuldigung."