ProSiebenSat.1 TV Deutschland © ProSiebenSat.1
Hierarchien ab- und Eigenproduktionen ausbauen

So will P7S1 sein angeschlagenes TV-Geschäft stärken

 

Auf seinem Capital Markets Day hat ProSiebenSat.1 auch einen Einblick in die künftige Ausrichtung des schwächelnden TV-Geschäfts gegeben. Neben Optimierungen der Hierarchien sollen die Deals mit den US-Studios verbessert und die Bemühungen im Bereich der Eigenproduktionen verstärkt werden.

von Uwe Mantel / Timo Niemeier
06.12.2017 - 16:45 Uhr

Dass ProSiebenSat.1 das Sendergeschäft mit dem Bereich Digital Entertainment zusammenlegen will, war bereits bekannt und wurde von Thomas Ebeling beim Capital Markets Day nun auch noch einmal unterstrichen. Allzu viele Details zur damit fälligen Reorganisation, die immerhin 50 Millionen Euro bis 2019/2020 sparen soll, gab’s noch nicht. Der Vorstandsvorsitzende kündigte aber an, dass man Hierarchien abbauen wolle. Von Wolfgang Link als Chef des deutschen Sendergeschäfts bis hinunter zu den Executive Producern gebe es zu viele Ebenen - und alle wollen mitreden. Dass allzu viele Köche den Brei nicht nur teuer machen, sondern im Zweifel auch verderben, gilt eben auch im Fernsehen. Gerade hier hat man durch die komplexe Struktur der ProSiebenSat.1 TV Deutschland und auch dem noch darüber residierenden TV-Vorstand sowie des Vorstandschefs in der Vergangenheit immer weiter draufgesattelt. Das soll sich nun wieder ändern.

"Optimieren" will man zudem die Deals mit den Hollywood-Studios. Zunächst mal beteuerte Ebeling, dass US-Ware noch immer erfolgreich bei ProSiebenSat.1 läuft, was sich auch durch den wachsenden Erfolg von Amazon und Netflix nicht ändere. Die würden vor allem mit ihren Eigenproduktionen punkten, ansonsten gebe es nur minimale Überlappungen mit dem eigenen Serien-Angebot. Trotzdem ist augenscheinlich, dass die US-Fiction längst nicht mehr so gut läuft wie in früheren Jahren. Die Konsequenz: Nachdem mit der Mediengruppe RTL Deutschland inzwischen fast vollständig aus dem Geschäft mit Output- bzw. Volumen-Deals ausgestiegen ist, will man auch bei ProSiebenSat.1 seltener die Katze im Sack kaufen.

Um sich einen Vorteil zu verschaffen, hatten die großen Sendergruppen in der Vergangenheit Deals abgeschlossen, in denen sie sich über Jahre im Voraus zur Abnahme eines Großteils der Produktionen eines Studios verpflichtet haben - ohne zu wissen, welche Serien eigentlich produziert werden. Künftig will man hier selektiver vorgehen und am liebsten nur die Serien auswählen, die man auch wirklich für erfolgsträchtig erachtet. Die Deals wolle man nur verlängern, wenn das Abnahme-Volumen reduziert werde, zudem will man sich bessere Möglichkeit der Sublizenzierung an andere deutsche Sender oder Plattformen ausbedingen, falls eine Serie nicht ins ProSiebenSat.1-Portfolio passen will. Auch wolle man sich das Recht verschaffen, aus einer Serie aussteigen zu können, falls sie hierzulande gefloppt ist. Bislang werden in der Regel Lifetime-of-Series-Rechte erworben - auch wenn nach wenigen Folgen schon klar ist, dass eine Produktion hierzulande nicht funktioniert, müssen die Sender dann alle weiteren Staffeln kaufen.

Wenn weniger US-Inhalte abgenommen werden, dann folgt daraus zwingend auch ein anderer Schritt: In den nächsten Jahren soll der Anteil an lokalen Eigenproduktionen gesteigert werden. Ebeling sieht keineswegs eine generelle Abkehr von zugekauften Inhalten und verweist auf die so häufig zitierten Wellenbewegungen im Fernsehen, zudem müsse man beobachten, wie stark etwa Wettbewerber wie Netflix oder Amazon in deutsche Produktionen investieren - doch zunächst folgt man der Strategie der Mediengruppe RTL Deutschland, den Bereich der Eigenproduktionen zu stärken.

Um dabei weniger Flops zu produzieren, will man verstärkt auf Line-Extensions bereits erfolgreicher Formate setzen, Formate rund um bereits bekannte und bewährte Sendergesichter bauen, sich bei der Entwicklung und Pilotierung mehr Zeit lassen und Formate nicht zu schnell auf Sendung schicken. Deutliche Kritik äußerte er an der Programmplanung seiner Sender, indem er in diesem Bereich von "low hanging fruits" zur Verbesserung der Performance sprach. Neue Shows müsse man in "sicheren" Slots mit einem bereits bewährten, starken Lead-In starten, so Ebeling.

Ein besonderes Augenmerk will die Sendergruppe auf den Vorabend von Sat.1 legen, hier macht vor allem die "Ruhrpottwache" große Probleme. So wurde bereits im Sommer im Rahmen der Screenforce Days angekündigt, im kommenden Frühjahr am Vorabend ein neues Format zu starten, das an das sehr erfolgreiche "Frühstücksfernsehen" angelehnt sein soll. Außerdem denkt man bei Sat.1 auch wieder an tägliche Serien und Telenovelas, auch das wurde nun von Ebeling noch einmal bekräftigt. Bei ProSieben wird es am Vorabend auf absehbare Zeit dagegen keine Änderungen geben.

Neben dem Bereich Addressable TV, der künftig stark ausgebaut werden soll, und den Kooperationen mit anderen, deutschen und europäischen Medienunternehmen will ProSiebenSat.1 aber auch noch weitere kleine Sender starten. Man müsse sich genau überlegen, für welche Kunden und Zielgruppen man einen solchen Kanal starte. "Wir haben genügend Ideen", sagte Ebeling jedenfalls am Mittwoch. Details gab es keine, aber der Plan, neue Sender zu starten, ist nicht neu. Bereits vor einiger Zeit angekündigt waren ja auch mal zwei weitere Free-TV-Sender in den Bereichen Kinder und Luxus-Lifestyle, im Pay-Bereich wurden 2013 ein Sportsender, ein Wissenskanal und ein Film- und Seriensender in Aussicht gestellt.


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