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Walt Disney / 21st Century Fox © Walt Disney / 21st Century Fox
Blick in die Zukunft

7 Fragen und Antworten nach dem Disney-Fox-Deal

 

Was passiert mit den Network Fox, wenn es kein angeschlossenes Produktionsstudio mehr gibt? Was passiert mit dem Studiogelände? Was bleibt von Fox noch übrig? Und wer hat's natürlich schon vor 20 Jahren gewusst?

von Uwe Mantel
15.12.2017 - 12:58 Uhr

Wie sieht das neue Fox nach dem Disney-Deal aus?

Der neue Fox-Konzern umfasst künftig noch das Broadcast-Network Fox, die lokalen TV-Stationen, die landesweiten Sportsender sowie Fox News und Fox Business. Dementsprechend sieht auch die künftige Ausrichtung des Konzerns aus: Man wolle sich auf Sport und Live-News konzentrieren. Eine Zusammenlegung mit Murdochs News Corp. ist aktuell trotzdem nicht geplant und sei höchstens eine Möglichkeit, die weit in der Zukunft liege, heißt es von Murdochs Seite. Das neue Fox macht übrigens noch einen Umsatz von rund zehn Milliarden Dollar und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von über zweieinhalb Milliarden - und die Murdochs sind gewillt, anzugreifen und zu expandieren.

Was passiert mit dem Network Fox?

In den vergangenen Jahren gab es einen großen Trend: Angesichts der sinkenden Zuschauerzahlen im linearen Fernsehen, setzten alle Networks darauf, fast nur noch Serien von Produktionsstudios aus dem gleichen Konzern zu bestellen. Hintergrund: Erlöse aus dem weiteren Verkauf auf dem internationalen Markt, an Streaming-Plattformen etc. fallen den Produzenten zu, nicht dem Network - und die werden in diesen Tagen immer wichtiger. Bei Fox kommen in diesem Jahr etwa vier von fünf Serien aus den eigenen Studios.

Dass Fox künftig kein eigenes Produktionsstudio mehr hat, lässt die Bestellung fiktionaler Serien für das Network also deutlich weniger attraktiv erscheinen. Allerdings gibt es mit Sony und Warner auch zwei Hollywood-Studios, die kein eigenes Network (bzw. im Falle von Warner nur die Hälfte am kleinsten Network CW) haben und die einen „freien“ Abnehmer wie das künftige Fox gut gebrauchen könnten. Auf diese Möglichkeit verwies auch Rupert Murdoch, der ankündigte, dass Fox nicht auf Entertainment-Programme verzichten wolle und dass er keine Probleme sehe, an die gewünschten Inhalte zu kommen. Es ist trotzdem zu erwarten, dass der Anteil an günstigeren non-fiktionalen Formaten aus dem Show- und Reality-Bereich oder auch Sport- und News-Sendungen künftig deutlich mehr Platz im Fox-Programm einnehmen werden.

Was passiert mit dem traditionsreichen Studiogelände von 20th Century Fox?

Disney übernimmt zwar das Produktionsgeschäft von Fox, nicht jedoch das dazugehörige Gelände mit seinen Studios. Da man selbst aber gar nicht genug Platz hat, um alle Mitarbeiter und Produktionen unterzubekommen, wird Disney für sieben Jahre das Studio-Gelände pachten - was dann darüber hinaus mit den traditionsreichen Studios passiert, steht aber in den Sternen.

Wieso hat Fox seine lokalen Sportsender verkauft?

Regionale Sportsender - das klingt zunächst mal nicht sexy. Mit einem Wert von fast 23 Milliarden US-Dollar ist dieser Teil aber quasi das Filet-Stück von 21st Century Fox gewesen. Zum Vergleich: Das Hollywood-Studio wurde mit knapp 14 Milliarden Dollar bewertet. Da Fox seinen Schwerpunkt künftig ja unter anderem auf Sport legen möchte, kann man den Verkauf durchaus kritisch sehen. Doch laut Murdoch habe man abgewogen, in welchem Konzern die Sender mehr Mehrwert bieten würden - und das sei bei Disney der Fall.

Disney will sich mit der Übernahme des Großteils von 21st Century Fo vor allem für den Aufbau von Streaming-Angeboten, die sich ohne Umweg über Kabelanbieter direkt an den Endkunden richten, rüsten. Die regionalen Sport-Sender von Fox besitzen im riesigen US-Sportmarkt beispielsweise Übertragungsrechte für über 50 Baseball-, Football- und Basketball-Teams, über 5.500 Live-Spiele werden im Jahr produziert und gezeigt. All das hilft, um den von der Disney-Tochter ESPN geplanten Streaming-Dienst deutlich aufzuwerten. Zudem bekommt ESPN nun gewissermaßen ein Rückgrat in wichtigen Sportmärkten. Und angesichts eins Abonnentenrückgangs von 100 Millionen auf 88 Millionen seit 2010 kann man bei ESPN Hilfe tatsächlich gebrauchen.

Was macht Disney mit einer „edgy“ Marke wie FX?

Muss sich ein Sender wie FX, der für Serien wie „American Horror Story“ oder „Fargo“ steht, der eher familienfreundlichen Ausrichtung von Disney fügen, wie das im Vorfeld des Deals von manchen orakelt wurde? Wohl kaum. Disney-Boss Bob Iger hat angekündigt, die Marke ausbauen zu wollen, Künftig könne man sich vorstellen, dass FX nicht nur im Kabelfernsehen eine Rolle spiele.

Was bedeutet die Übernahme für die Mitarbeiter?

Zunächst mal müsse kein Mitarbeiter befürchten, in Kürze seinen Job zu verlieren, beruhigte Disney-CEO Bob Iger. Ohnehin erwartet man, dass es durch die umfangreiche kartellrechtliche Prüfung wohl bis zu 18 Monate dauern wird, ehe der Deal letztlich abgeschlossen werden kann. Allerdings ist das Ziel bei einer solchen Übernahme natürlich auch, Synergien zu heben und Doppelstrukturen abzubauen. Disney-Boss Iger gab jedenfalls aus, bis zum Jahr 2021 2 Milliarden Dollar an Kosten sparen zu wollen - und das wird natürlich mit einem Stellenabbau verbunden sein.

Wer wusste es schon vor 20 Jahren?

Natürlich die "Simpsons".

Simpsons Disney Fox

Über den Autor

Uwe Mantel ist stellvertretender Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Schaut seit den 80ern Fernsehen und schreibt seit 2004 auch darüber. Kann sich sowohl in gute Serien als auch trockene Zahlen vertiefen. Und seine fränkische Herkunft nicht verleugnen.

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