Seit drei Monaten hat die "Tagesthemen"-Redaktion ihren Twitter-Account überarbeitet. Während man über den "Tagesschau"-Account weiterhin aktuelle Nachrichten zu lesen bekommt, überlassen die "Tagesthemen" wöchentlich einem Menschen aus der ARD-Welt den Account, "um ihn mit ihrer ganz persönlichen Handschrift zu bespielen", wie es heißt.

In den vergangenen Tagen twitterte nun WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich ihre persönlichen Anmerkungen zum Weltgeschehen - so auch am Sonntag, als sie eine Fotomontage kommentierte, die unter anderem den gerade vereidigten österreichischen Bundeskanzler zeigt. "Warum sieht der da vorne wie ein Pimpf aus?", fragte Mikich - und erwartungsgemäß dauerte es nicht lange, bis wütende Antworten eingangen.

Der Begriff "Pimpf" wird vor allem in Österreich im Scherz, aber auch abwertend für einen Jungen verwendet. Zudem fand er in der Zeit des Nationalsozialismus als Dienstgrad für 10- bis 14-jährige Mitglieder der Hitlerjugend Verwendung. Mikich versuchte die Lage zu beruhigen und wandte sich wenig später noch einmal an die Follower. "Liebe alle!", schrieb sie. "So viel Leidenschaft wegen Frisurkritik. Von Politik oder Erfolg oder Alter war garnicht die Rede. Keep cool, es ist dritter Advent."

Beendet war die Diskussion um den "Pimpf"-Tweet aber auch damit nicht. Noch am Sonntagabend sich die WDR-Chefredakteurin dazu gezwungen, ein weiteres Mal auf Kritik einzugehen. "Ohje, ich merke: Ironie funktioniert garnicht. Darum tut es mir leid, wenn jemand jetzt beleidigt ist", so Sonia Mikich, die zugleich betonte, dass mit kein Nazivergleich gemeint gewesen sei. "Gleichzeitig verzeihe ich auch alle Beleidigungen gegen eigene Person, Journalismus, Merkel, Tagesthemen, die ich gelesen habe."