Ján Kuciak © aktuality.sk
Ján Kuciak

"Sind entsetzt": Slowakischer Springer-Journalist ermordet

 

Der slowakische Springer-Journalist Ján Kuciak und seine Lebensgefährtin sind am Sonntag in ihrem Haus im Westen des Landes erschossen worden. Der Mord steht offenbar in Zusammenhang mit Kuciaks Arbeit. Bei Springer zeigt man sich entsetzt.

von Timo Niemeier
26.02.2018 - 14:35 Uhr

Der bekannte slowakische Investigativjournalist Ján Kuciak und seine Lebensgefährtin sind am Sonntag erschossen worden. Kuciak arbeitete seit 2015 für Aktuality.sk, ein Online-Portal von Ringier Axel Springer Slovakia. Die Polizei hält es für wahrscheinlich, dass der Doppelmord mit Kuciaks journalistischer Tätigkeit zusammenhängt. Auch bei Springer und Ringier geht man davon aus: Auch wenn die Hintergründe noch nicht vollständig aufgeklärt seien, liege dieser Verdacht nahe, so die beiden Unternehmen in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Kuciak war auf große Recherchen zu Korruption und Steuerhinterziehung spezialisiert. Im vergangenen Herbst erhielt er erstmals Drohungen und erstattete daraufhin Anzeige bei der Polizei. In seinem letzten Artikel ging es um Marián Kocner, einen slowakischen Geschäftsmann mit kontroversen Verbindungen zu mehreren Politikern. Wie mehrere Medien berichten, soll Kuciak auch über mutmaßlich krumme Geschäfte von Unternehmen berichtet haben, die der Partei Smer von Ministerpräsident Robert Fico nahestehen.

Laut dem slowakischen Polizeipräsident würden die Journalisten von Aktuality.sk nun unter Polizeischutz gestellt. "Wir sind entsetzt und fassungslos über die Nachricht, dass Ján Kuciak und seine Lebensgefährtin offenbar Opfer eines grausamen Attentats geworden sind", heißt es in einer Mitteilung von Springer und Ringier. Man werde alles tun, um die Ermittlungsbehörden bei der Suche nach den Tätern zu unterstützen. "Sollte das Attentat ein Versuch sein, einen unabhängigen Verlag wie Ringier Axel Springer Slovakia davon abzuhalten, Missstände aufzudecken, werden wir dies zum Anlass nehmen, unseren journalistischen Auftrag noch gewissenhafter und konsequenter auszuüben."

Reporter ohne Grenzen fordert derweil eine schnelle Aufklärung des Falls: "Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Monaten ist in einem Land der Europäischen Union ein Journalist ermordet worden", sagte Geschäftsführer Christian Mihr. Am 16. Oktober wurde in Malta die Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia ermordet. "Die slowakischen Behörden müssen jetzt schnell aufklären, wie es zu dieser schockierenden Tat kommen konnte, obwohl Ján Kuciak schon vor Monaten bedroht wurde."

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