Jörg Schönenborn auf dem Medienforum NRW © Medienforum NRW/Heike Herbertz
Sexuelle Belästigung

Endgültige Klärung nicht möglich? Der WDR wehrt sich

 

Immer neue Vorwürfe werden derzeit gegen den WDR laut. Nun wehrt sich der Sender und sagt, die Vorwürfe sexueller Belästigung ließen sich vor Jahren nicht konkretisieren. Sie hätten damit nicht entkräftet oder belegt werden können. Auch Jörg Schönenborn und Tina Hassel melden sich zu Wort.

von Timo Niemeier
13.04.2018 - 16:30 Uhr

Erst am Mittwoch ist ein neuer Fall von angeblichem Machtmissbrauch im WDR bekannt geworden (DWDL.de berichtete). Nun berichtet der "Spiegel", dass der heutige WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn bereits 2011 von Belästigungsvorwürfen gegen einen bestimmten Mitarbeiter wusste, diese aber nicht ernst genug nahm und den betroffenen Mitarbeiter später sogar beförderte. Beim WDR betont man weiterhin, sich nicht "im Detail zu Angelegenheiten einzelner Mitarbeiter" öffentlich äußern zu können. Dennoch hat der Sender unter der Überschrift "Klarstellung zur aktuellen Berichterstattung über den WDR" einige Themen aufgegriffen.

In dem Fall von 2010, der in dieser Woche bekannt geworden war, hätten sich die Vorwürfe gegen den Mitarbeiter nicht konkretisieren lassen, so der Sender. "Insofern konnten die Anschuldigungen weder entkräftet noch belegt und somit nicht abschließend aufgeklärt werden." Jörg Schönenborn habe die Ergebnisse der Untersuchung als damalige Chefredakteur gekannt und tauschte sich daraufhin auch mit der zuständigen Abteilungsleiterin Tina Hassel und der Ombudsperson aus.

Tina Hassel, heute Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios, sagt: "Damals wie heute habe ich keine verwendbaren Erkenntnisse gehabt, die gerechtfertigt hätten, dass ich gegen den Kollegen konkrete Maßnahmen ergreife. Die Sache blieb immer im Ungefähren, was für mich als Vorgesetzte bis heute unbefriedigend ist. Auch in meiner Funktion als Leiterin des ARD Hauptstudios halte ich fest, dass mir und meinem Stellvertreter - und auch meinem langjährigen Vorgänger und seinen Stellvertretern - bislang keine derartigen Vorkommnisse bekannt sind. Als Frau in einer Führungsposition unterstreiche ich deutlich: Ich dulde keine sexuellen Übergriffe und keinen Machtmissbrauch."

In dem anderen Fall, über den "Stern" und Correctiv bereits in der vergangenen Woche berichteten, sei Schönenborn nach seinem Amtsantritt aktiv ihm bekannten Gerüchten, die sich auf die Zeit um 1990 bezogen, nachgegangen. Auch hier konnte man die entsprechenden Gerüchte nicht nachweisen. Erst 2016 gab es dann konkrete Vorwürfe, diesen sei die heutige Chefredakteurin Sonia Mikich nachgegangen. Dazu sagt Schönenborn jetzt: "Ich habe damals Personalentscheidungen auf der Grundlage der mir vorliegenden Fakten getroffen. Ich hätte mir gewünscht, dass ich die Informationen, die uns heute vorliegen, schon damals gehabt hätte. Denn mit dem Wissen von heute hätte man damals andere Entscheidungen getroffen." Inzwischen hat der WDR auch eine externe Rechtsanwaltskanzlei engagiert, die bei der Aufklärung der Vorwürfe helfen soll.

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