Conrad Albert © ProSiebenSat.1
ProSiebenSat.1-Interimschef

Albert: "Wir brauchen deutsche Alternativen zu Netflix"

 

ProSiebenSat.1-Interimschef Conrad Albert kann sich als Gegengewicht zu internationalen Playern eine Zusammenarbeit mit den Öffentlich-Rechtlichen vorstellen. Das Kartellamt sei in der Vergangenheit "übers Ziel hinausgeschossen".

von Alexander Krei
14.05.2018 - 00:02 Uhr

Conrad Albert, bis zum Amtsantritt von Max Conze am 1. Juni Chef von ProSiebenSat.1, kann sich eine engere Zusammenarbeit zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern gut vorstellen, wie sie der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm kürzlich anregte. "Ulrich Wilhelm ist ein echter Vordenker. Ich begrüße die Idee", sagte Albert in einem Interview mit dem "Handelsblatt", angesprochen auf die mögliche Schaffung eines gemeinsamen Videointernetportals. "Wir brauchen deutsche und europäische Alternativen zu Netflix, Amazon Prime oder Youtube. Wir müssen mehr gemeinsam Hand in Hand machen, gerade auf der Inhaltsebene. Hier liegt unsere Kraft."

Das Kartellamt sei diesbezüglich in der Vergangenheit "übers Ziel hinausgeschossen", meint der Interimschef mit Blick auf geplante, aber letztlich von den Wettbewerbshütern untersagte Plattformen wie Amazonas oder Germany's Gold. "Die negativen Effekte, vor denen wir gewarnt haben, sind eingetreten. Wir brauchen ein stärkeres Verständnis für die realen Marktbedingungen und eine Anpassung des Medienkonzentrations- und Kartellrechts, um Gegengewichte im Markt zu ermöglichen. Es muss denkbar sein, dass man zwischen großen Playern auch im Bewegtbild-Bereich verstärkt kooperieren kann."

Einmal mehr machte sich Albert im "Handelsblatt" für ein sogenanntes "Level Playing Field" stark. "Wir sind ungleichen Bedingungen unterworfen im Vergleich zu unseren internationalen Mitbewerbern", sagte er. "Wir werden jeden Tag von mehr als 20 Aufsichtsgremien kontrolliert. Die unzeitgemäßen Fußfesseln kommen noch aus dem vergangenen Jahrtausend, sie sind historisch gewachsen und stammen aus dem analogen Zeitalter. Sie gehören revolutioniert." Albert fordert in diesem Zusammenhang von der Politik eine "Struktur-Taskforce, die alle Beteiligten unseres Mediensystems an einen Tisch bringt und ergebnisverpflichtet eine neue Medienordnung für Deutschland definiert".

Wenn es Google oder Amazon morgen einfalle, die deutsche Medienindustrie zusammenzukaufen, "dann ist das dort ein Zucken hinter dem Komma", so Albert, den es nach eigener Aussage übrigens nicht stört, dass er bald den Staffelstab an Max Conze weitergeben muss. "Ich bin schon seit 13 Jahren bei ProSiebenSat.1 und kann Ihnen sagen, dass es in dieser Industrie nie langweilig wird. Auch in Zukunft gibt es viel zu gestalten. Ich übergebe am 1. Juni die Kapitänsbinde an Max Conze, aber ich spiele weiter im Sturm und freue mich auf die Zusammenarbeit mit Max."

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