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Wirtschaftskrimi in den USA

Rebellion gegen Mutterkonzern: CBS will Unabhängigkeit

 

Die CBS-Führung um Leslie Moonves will mit aller Macht verhindern, dass die Redstone-Familie, die das Unternehmen bislang kontrolliert, ein Zusammengehen mit deren anderer Medienbeteiligung Viacom erzwingt. Mit einem Winkelzug soll ihr Stimmrechtsanteil von 79 auf 17 Prozent gedrückt werden.

von Uwe Mantel
14.05.2018 - 17:05 Uhr

Das Verhältnis zwischen der CBS-Führung um den langjährigen CEO Leslie Moonves und der Redstone-Familie, die mit ihrer Holding National Amusement bislang fast 80 Prozent der Stimmrechtsanteile an der CBS Corporation hält und das Unternehmen damit kontrolliert, scheint nicht mehr zu kitten zu sein. Hintergrund ist der Plan von Shari Redstone, die CBS Corporation wieder mit der anderen National-Amusment-Beteiligung Viacom zu einem gemeinsamen Konzern zu verschmelzen. Die beiden Unternehmen waren vor 2005 schon einmal ein gemeinsames Unternehmen und dann aufgespalten worden.

Während sich die CBS Corporation, zu der neben CBS beispielsweise auch Showtime gehört, in den letzten Jahren unter Leslie Moonves sehr gut entwickelt hat, ist Viacom mit seinem breiten Portfolio an Kabelsendern wie MTV, Comedy Central, Nickelodeon sowie den Paramount Studios unter Druck geraten. Die CBS-Führung verspürt angesichts dessen offenbar wenig Lust, sich Viacom ans Bein zu binden. Auf Druck der Redstones laufen nun zwar schon seit einigen Monaten erneute Übernahme-Verhandlungen, bislang aber ohne Ergebnis. CBS bot für Viacom weniger als die aktuelle Marktkapitalisierung und besteht zudem darauf, dass das komplette CBS-Führungsteam auch das kombinierte Unternehmen führen würde, während Viacom-Boss Bob Bakish keine große Rolle mehr spielen solle - das wenig verlockende Angebot darf wohl vor allem als Ausdruck des Unwillens von CBS gelesen werden.

Dass die Redstones damit wiederum nicht zufrieden sind, liegt auf der Hand - zuletzt machten schon Gerüchte die Runde, dass man Möglichkeiten prüfe, wie man CBS-Chef Leslie Moonves loswerden könnte. Der hat allerdings einen noch so lange laufenden und so hoch dotierten Vertrag, dass das überaus teuer werden würde. Im Gegenzug versucht nun die aktuelle CBS-Führung ihrerseits, die Redstones loszuwerden. Dazu will man sich eines Kniffs bedienen: Die Redstones halten mit National Amusement zwar 79 Prozent der Stimmrechtsanteile, allerdings insgesamt deutlich weniger Anteile am gesamten Unternehmen. Möglich ist das, weil die meisten Aktien als Klasse-B-Aktien ohne Stimmrecht ausgegeben sind (ähnlich den deutschen Vorzugs- gegenüber den voll stimmberechtigten Stammaktien). CBS will nun eine Dividende beschließen, die an alle Aktionäre in Klasse-A-Aktien ausgezahlt werden soll - was dazu führen würde, dass plötzlich deutlich mehr Stimmrechte auf dem Markt sind und der Stimmrechtsanteil von National Amusement von 79 auf 17 Prozent absacken würde.

Um zu verhindern, dass die Redstones wiederum dieses Manöver mit der Einberufung einer Sondersitzung verhindern, hat CBS nun eine Klage gegen National Amusement eingereicht, in der dem eigenen Mutterkonzern die Verletzung treuhänderischer Pflichten vorgeworfen wird. Man sei überzeugt, dass der Schritt notwendig sei, um die Interessen aller Aktionäre zu schützen. Klappt das Manöver, dann könnte CBS fortan als unabhängiges Unternehmen agieren und strategische Alternativen prüfen, ohne von den Redstones in die ungewollte Übernahme von Viacom gezwungen zu werden. Eine dieser Alternativen wäre eine Fusion mit einem anderen Konzern. Aus den Gerichtsakten geht bespielsweise hervor, dass vor den neuerlichen Viacom-Verhandlungen auch Verizon Interesse bekundet hatte.

National Amusement hat sich unterdessen in einem Statement empört über das Vorgehen der CBS-Führung gezeigt und generell bestritten, jemals die Ablösung des CBS-Managements geplant zu haben noch eine Zusammengehen von CBS und Viacom erzwingen zu wollen, wenn die beiden Managements damit nicht einverstanden seien. Der Gerichtsverhandlung sieht man jedenfalls siegessicher entgegen. Diese wird bereits am Mittwochnachmittag stattfinden.

Geht das Manöver der CBS-Führung schief, dann stellt sich hingegen um so mehr die Frage, wie Les Moonves und Shari Redstone künftig noch zusammenarbeiten sollen. Dass sich die Redstones mit der Führung einer ihrer Beteiligungen überwerfen, ist dabei übrigens nichts Neues. 2016, als es schon einmal den Versuch einer Fusion von CBS und Viacom gab, überwarf sich der damalige Viacom-Chef Philippe Dauman mit den Redstones und wurde schließlich gefeuert. Um das zu verhindern, wollte Dauman dem 93-jährigen Sumner Redstone, der das operative Geschäft inzwischen an seine Tochter Shari abgegeben hat, vor Gericht sogar die Geschäftsfähigkeit absprechen lassen. Letztlich entschieden die Redstones den Machtkampf damals aber für sich, Dauman wurde durch Bob Bakish ersetzt.

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