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Aus für SVoD-Dienst CanalPlay

Französische Canal+ Group kapituliert vor Netflix

 

Während sich die deutschen TV-Konzerne gerade mit verbesserten SVoD-Angeboten für den Kampf gegen die US-Konkurrenz wappnen wollen, gibt die französische Canal+ Group den Kampf verloren. Die Hauptschuld gibt man den Kartellwächtern

von Uwe Mantel
02.07.2018 - 15:38 Uhr

In den letzten Tagen schien es ganz so, als sei die deutsche TV-Branche kollektiv aufgewacht und habe wahrgenommen, dass man den US-Konkurrenten Netflix und Amazon mehr entgegensetzen muss als bislang. Die Mediengruppe RTL Deutschland hat angekündigt, ihren VoD-Dienst "TV Now" deutlich auszubauen und mit exklusiv dafür produzierten Inhalten anreichern zu wollen, ProSiebenSat.1 schwebt zusammen mit dem Partner Discovery der Aufbau eines ganz neuen Angebots vor, an dem bestenfalls auch die Konkurrenz mitarbeiten solle.

Während hierzulande also gerade eine eher kämpferische Stimmung auszumachen ist, gibt man sich bei den französischen Kollegen von Canal+ geschlagen: Die Canal+ Group hat angekündigt, ihren eigenen Streaming-Service CanalPlay sieben Jahre nach dem Start einzustellen. Vor dem Markteintritt von Netflix habe CanalPlay noch 800.000 Abonnenten gezählt, inzwischen sind es nur noch 200.000, begründete Maxime Saada, President der Canal+ Group die Entscheidung.

Die Hauptschuld an dieser Entwicklung gibt Saada dabei den französischen Aufsichts- und Kartellbehörden. Im Zuge zweier Übernahmen hatte das dortige Kartellamt dem Konzern zur Auflage gemacht, keine Inhalte exklusiv bei CanalPlay zeigen zu dürfen. Damit waren CanalPlay im Kampf mit den US-Konkurrenten quasi die Hände gebunden. Kürzlich wurden diese Regelungen nun gelockert, das komme nun aber zu spät, so Saada. "Innerhalb von zwei Jahren wurden wir aus einem Markt gedrängt, der nach und nach das lineare Fernsehen ersetzt", so Saadas bitteres Fazit.

Den Paukenschlag durch die Einstellung des Streaming-Dienstes will Canal+ nun aber zumindest nutzen, um anderweitige Verbesserungen durch den Gesetzgeber zu erreichen. "Erneut versetzt uns das Kartellamt in die groteske Situation, dass wir nach dreieinhalb Jahren die internationalen Rechte für unsere eigenen Produktionen verlieren. Wir müssen sie zurückkaufen, um sie international auswerten zu können." Damit sei man im Vergleich zu anderen Ländern deutlich im Nachteil. Gebe es keine Änderungen, werde französische Fiction eben verschwinden, so Saada.

Auch hierzulande sind die TV-Konzerne nicht gerade gut aufs Kartellamt zu sprechen. Die Kartellwächter haben in den vergangenen Jahren den Ansätzen, sich im Kampf gegen die US-Konkurrenz zusammenzutun, stets eine Absage erteilt, sowohl beim Projekt "Amazonas" der Privaten wie auch bei "Germany's Gold" bei den Öffentlich-Rechtlichen. Conrad Albert von ProSiebenSat.1 kritisierte erst vor wenigen Wochen erneut, dass das Kartellamt hier "übers Ziel hinausgeschossen" sei. "Die negativen Effekte, vor denen wir gewarnt haben, sind eingetreten. Wir brauchen ein stärkeres Verständnis für die realen Marktbedingungen und eine Anpassung des Medienkonzentrations- und Kartellrechts, um Gegengewichte im Markt zu ermöglichen", so Albert. Nun unternimmt man bekanntlich einen erneuten Anlauf, ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen. Der Verweis auf die negativen Auswirkungen der Kartellamts-Entscheidungen in Frankreich könnte den Konzernen in den Gesprächen mit dem Kartellamt dabei sogar zupasskommen.

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