Time Battle © ProSieben
DWDL.de-TV-Kritik zur neuen ProSieben-Show

"Time Battle": Dreistündiger Unfall am Samstagabend

 

Zwischen Idee und Umsetzung hätte kaum mehr schief gehen können bei „Time Battle“: Die von UFA Show & Factual für ProSieben entwickelte Gameshow mit Janin Ullmann und Christian Düren war beinahe grotesk schlecht umgesetzt. Annäherung an ein Scheitern.

von Thomas Lückerath
26.08.2018 - 09:30 Uhr

Als „Time Battle“ im Sommer bei den Screenforce Days in Köln vorgestellt wurde, klang die vage Grundidee noch recht vielversprechend: Kandidatenpaare müssen sich in einer Kombination aus Quiz- und Aktionsspielen bewähren und dabei Zeit für jeweils kommende Aufgaben erspielen. Man hätte sich also spannende Wettkampf vorstellen können, in denen es darum geht, ob die Paare sich ihre Zeit zwischen Quiz und Aktionsspiel klug aufteilen oder die Fähigkeiten des Partners doch falsch einschätzen. Doch es sollte ganz anders kommen.



Es gebe heute ordentlich etwas zu gewinnen, ließ Moderatorin Janin Ullmann das Publikum zur Begrüßung der dreistündigen Show wissen. 50.000 Euro winkten dem Gewinner-Paar des Abends, oder anders gesagt: Ein Zehntel dessen, was es in einer besseren Samstagabendshow von ProSieben zu gewinnen gibt. Witzig, wenn Co-Moderator Christian Düren dazu urteilt: „Hier wird heute an nichts gespart.“ Wobei es das geringste Übel gewesen wäre, wenn nur am Preisgeld gespart worden wäre. Leider fehlt es „Time Battle“ noch an so viel mehr: Ideen, Atmosphäre, Dramaturgie und guter Moderation.

Dabei war der Einstieg flott: „Die Uhr tickt“, so Ullmann. Keine zwei Minuten vergingen, da stand das erste Kandidatenpaar schon auf der Bühne. Wie auch vier weitere Paare nach ihnen, hatten sie - je nach Erfolg -  maximal fünf Spielrunden vor sich, in denen kleines Geld erspielt werden konnte. Wichtiger aber war es, Zeit fürs Finale zu erspielen, in das am Ende der Show nur die beiden besten Teams einziehen. Hätte man vorher gewusst, wie langatmig der Abend noch werden würde, hätte Ullmann und Düren zur Begrüßung zurufen wollen: Lasst Euch Zeit und interessiert das Publikum für die Kandidatenpaare, denn je länger sich der Abend zog, desto häufiger stellte man sich die Frage: Wozu gucke ich eigentlich?

Man wusste fast nichts über die Kandidatinnen und Kandidaten und weil mit jedem Kandidatenpaar die fünf Einstiegsspiele wieder neu begannen, war auch von einer Dramaturgie keine Spur. Merkwürdig ebenso: Die fünf Einstiegsspiele waren mal gleich, mal anders. Das System dahinter? Undurchsichtig. Gleich hingegen war den ganzen Abend lang der Ablauf: Zunächst ein von Christian Düren moderiertes Aktionsspiel, bei dem Zeit zu erspielen war, die dann bei jeweils einer (!) Quizfrage mit Janin Ullmann genutzt werden konnte. Je schneller diese beantwortet wurde, desto mehr Restzeit ging aufs Konto für das mögliche Finale. Tempo kam so aber nicht in die Show: Viel Drumherum für wenig Spiel.

Man fragt sich: Wäre es nicht dramatischer und emotionaler gewesen, den Kandidaten in der von ihnen erspielten Zeit in jeder Runde so viele Fragen wie möglich zu stellen? Das hätte mehr Tempo gehabt und den Wert der erspielten Zeit nicht in ein mögliches Finale ausgelagert. Das Ungewöhnlichste an „Time Battle“ ist das moderne Setdesign, doch in Kombination mit minimalsten Emotionen und dem Abspulen einer sich immer mit jedem Kandidatenpaar wieder von vorn wiederholenden Abfolge, wirkt es im Laufe der Show immer kühler. Und leider können Ullmann und Düren die Bühne auch nicht füllen.

Bei den Aktionsspielen agiert Düren (moderiert seit letztem Jahr „taff“) völlig farblos und Ullmann fehlt beim Quiz leider Timing und Sinn für Spannung, besonders im vermeintlich spannenden Finale. Das Duo scheitert auch kläglich daran, seine Rolle zu finden: Einerseits will man den Kandidatinnen und Kandidaten beweisen, was für eine knallharte Show das hier sei, aber verliert sich dafür zu oft in höflicher Schönrederei. Einem Paar, das schon im ersten Vorrundenspiel ausscheidet, bescheinigt Ullmann: „Ihr habt das ganz toll bis hierhin gelöst.“

Das knackigste an diesem Fernsehabend mit ProSieben waren die Chips und das flüssigste das Glas Wein bei der Sichtung. Je später es wurde, desto größer wurde das Mitleid mit dem Studiopublikum: Ohne Chips und Wein, ohne klare Sicht auf die eher überschaubar großen Aktionsspiele, ohne schwungvolle Moderation oder jede Form von Auflockerung der zähen Routine, muss es furchtbar langweilig gewesen sein. Zur Langeweile stieß im Laufe der Show dann auch noch Irritation. Die voraufgezeichnete Show war anstrengend geschnitten. Immer mal wieder ein Applaus drin, wo gar keiner war. Dazu unsaubere Schnitte, die ihren Teil beitrugen zur Künstlichkeit des ausgestrahlten Werks.

Nach dem Ausscheiden beim zweiten Vorrundenspiel sagte Kandidat Christian: „Jetzt schauen wir mal was der Tag noch bringt - vielleicht sehen wir uns heute Abend nochmal“  Ich frage mich: Wie lange muss eigentlich diese Aufzeichnung gedauert haben? Je aufmerksamer man in Folge dessen zuschaute, desto deutlicher fiel auf: Die Moderationen von Ullmann und Düren bauen im Laufe des Abends gar nicht aufeinander auf. Es wird nicht Bezug genommen auf das, was schon passiert ist. Allein ein Off-Sprecher verbindet und vergleicht bei Einblendung des Spielstands nach jedem Kandidatenpaar die Leistungen der bisherigen Kandidaten.

„Time Battle“ - ein einziger, aber dafür drei Stunden langer Unfall. Sowohl ProSieben als auch UFA Show & Factual können es besser. Es wird also intern zu klären bleiben, wie am Ende so ein Werk entstehen konnte. Neue Show-Ideen braucht das Land, aber wenn das Handwerk nicht stimmt, wird nichts daraus. Perfide übrigens, dass ProSieben gestern Abend gleich im Anschluss die Wiederholung der sehr launigen „Schlag den Star“-Ausgabe mit Pietro Lombardi und Gil Ofarim zeigte - wo man dann sehen konnte, wie eine Gameshow in gut geht.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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