Cirkus © Cirkus
Bastian Pastewka, aufgepasst!

Britisches Krimi-SVoD Cirkus ab November auch bei Vodafone

 

Mit Serien wie „Der junge Inspector Morse“ und „Lewis“ will der britische SVoD-Service Cirkus ab November dank neuer Vertriebspartnerschaft auch Vodafone-Kunden für sich gewinnen. DWDL.de traf die Cirkus-Gründer zum Gespräch über die Deutschland-Expansion.

von Thomas Lückerath , Cannes
24.10.2018 - 10:00 Uhr

Die Chancen stehen gut, dass Sie noch nie von Cirkus gehört haben. Der britische SVoD-Service ist zwar schon seit 2017 auch in Deutschland verfügbar, aber zunächst nur über die Plattform Amazon Channels. Ab November baut Cirkus seine Reichweite nun massiv aus: TV-Kunden von Vodafone (ehemals Kabel Deutschland), können für 3,99 Euro pro Monat bei monatlicher Kündbarkeit, den relativ jungen SVoD-Service zweier alter Fernsehliebhaber aus Großbritannien über die GigaTV-Plattform bzw. Giga-TVApp abonnieren. Zum Einstieg gibt es auch einen Gratismonat. Die Geschichte von Cirkus, sie hat etwas von David gegen Goliath, wenn man den beiden vielleicht zunächst leicht zu unterschätzenden Gründer zuhört, die sich als das Gegenkonzept zum Brexit verstehen: Sie sind, könnte man sagen, britische TV-Botschafter.



Hugh Williams© Cirkus
„Vor fünf Jahren hatten Mark und ich die Idee, einen SVoD-Service für britische Fernsehprogramme aufzusetzen, der Produktionen der vielen britischen unabhängigen TV-Produzenten vereint, um dieses Angebot dann - zum damaligen Zeitpunkt - vorrangig skandinavischen Plattformen anzubieten, um einen Mehrwert für ihre Abonnenten zu haben. 2016 kam ITV als Gesellschafter an Bord, worauf hin wir die Rückendeckung hatten, um im Mai 2017 nach Deutschland zu expandieren“, sagt Hugh Williams (Foto) beim Gespräch über die Deutschland-Strategie am Rande der Fernsehmesse MIPCOM in Cannes.

Für den deutschen Markt habe man das Portfolio von Cirkus allerdings angepasst. Williams: „Während wir in Skandinavien unter dem Motto „The Best of British TV“ operieren, haben wir uns für den deutschen Markt auf das Genre der britischen Krimis sowie weiter europäische Krimi-Produktionen konzentriert.“ Zu den Programmhighlights von Cirkus gehören Exklusivtitel wie die britischen Krimireihen „Der junge Inspektor Morse“  und „Lewis“. Prominentester Fan erstgenannter Serie in Deutschland ist zweifelsohne Bastian Pastewka. Weitere Serien-Highlights und Klassiker: „The Fall – Tod in Belfast“ mit Gillian Anderson und Jamie Dornan, das norwegische Drama „Lifjord – Der Freispruch“, die britische Krimi-Serie „No Offence - Nichts für ungut“, die dänisch-schwedisch-deutsche Kriminalreihe „Die Brücke – Transit in den Tod“ sowie „Agatha Christie’s Poirot“ und „Prime Suspect“ mit Oscar-Preisträgerin Hellen Mirren.

Mark Bradford© Cirkus
Hugh Williams und sein Partner Mark Bradford haben sich bewusst dafür entschieden, mit Cirkus nicht direkt an die Konsumenten zu gehen, sondern in Deutschland - wie auch in Skandinavien - mit Verbreitungspartner zu arbeiten. „VoD ist ein Milliarden-Spiel der großen Jungs. Wir wollen uns auf das Kuratieren des Inhalts konzentrieren. Cirkus hat nur ein halbes Dutzend Mitarbeiter. Deswegen macht es Sinn für uns, das Produkt mit Partnern an die Zuschauerinnen und Zuschauer zu bringen“, erklärt Bradford. Mit dem Einstieg von ITV vor zwei Jahren sei ihr Traum Wirklichkeit geworden, sich noch ein bisschen mehr auf das Kuratieren der Inhalte zu konzentrieren.

Nach dem Start im deutschsprachigen Raum via Amazon Channels in Deutschland und Österreich, kam im Sommer einen Vertriebspartnerschaft mit Teleclub in der Schweiz sowie A1 in Österreich dazu. „ Jetzt legen wir nach mit einem Telekommunikationsschwergewicht wie Vodafone. Die Partnerschaft mit Vodafone Deutschland bringt den ‚Pure Crime‘-Serienkatalog von Cirkus nun auch auf Vodafones GigaTV-Plattform. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit“, sagt Mark Bradford, der wie Kollege Hugh Williams keine Sorge hat vor Netflix und Co.. Ganz im Gegenteil sogar.

"Wir sehen Cirkus also auch nicht als Ersatz für etwas, sondern als Ergänzung zum Medienkonsum"

Cirkus-Gründer Hugh Williams

Zum Einen waren sie in Skandinavien vor knapp fünf Jahren - im Herbst 2013 - sogar schneller als Netflix. „Damals waren alle noch sehr in lineares Pay-TV verliebt, aber Hugh und ich hatten schon viel Erfahrungen im VoD-Bereich gesammelt und sahen die Verlagerung der TV-Nutzungsverhalten kommen. Das war kurz bevor Netflix nach Europa kam und wir wollten denen zuvor kommen, was uns in Skandinavien auch gelungen ist. Wir konnten den Netzbetreibern mit Cirkus einen wertvollen Mehrwert geben, um gegen den bevorstehenden Markteintritt von Konkurrenz wie Netflix mit einem exklusiven VoD-Angebot zu punkten. Damals war ja noch die Sorge, dass bei neuen Angeboten eine Entweder-Oder-Situation entstehen würde", so Mark Bradford.

Doch genau das habe sich aus Sicht der beiden Cirkus-Gründer ja inzwischen als falsch erwiesen. Hugh Williams: „Wir sehen weder lineares Fernsehen noch Angebote wie Netflix als Konkurrenz. Sehen Sie, lineares Fernsehen produziert den Content, den wir gerne lizenzieren für Cirkus. Und Netflix hat, zusammen mit Amazon, weltweit dafür gesorgt, dass Menschen bereits sind, für Content zu zahlen. Diese Stärkung des Pay-Marktes hilft allen, auch uns. Wir sind überzeugt davon, dass die meisten Haushalte mehr als ein SVoD-Angebot abonnieren. Die Annahme, es werde einen Anbieter geben, der alles hat, war noch nie marktwirtschaftlich nachvollziehbar. Wir sehen Cirkus also auch nicht als Ersatz für etwas, sondern als Ergänzung zum Medienkonsum für Fans starker britischer und europäischer Krimiserien. Und davon soll es in Deutschland ja eine Menge geben.“

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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