Unsere Mütter, unsere Väter © ZDF/David Slama
Sender will Berufung einlegen

"Unsere Mütter, unsere Väter": ZDF in Polen verurteilt

 

Das ZDF ist in Polen wegen seines Dreiteilers "Unsere Mütter, unsere Väter" von einem Gericht verurteilt worden. Demnach muss der Sender einem KZ-Überlebenden ein Schmerzensgeld zahlen. Das ZDF will in Berufung gehen, Produzent Nico Hofmann kündigte zuletzt ähnliches an.

von Timo Niemeier
28.12.2018 - 18:25 Uhr

Der Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" sorgt in Polen weiter für Ärger. Nun hat das Bezirksgericht Krakau das ZDF zu einer Entschuldigung und einer Geldstrafe verurteilt. So muss der Sender dem KZ-Überlebenden und Heimatarmee-Kämpfer Zbigniew Radlowski rund 5.000 Euro zahlen. Die Zivilklage hatte der 94-Jährige zusammen mit dem Weltverband der Soldaten der Heimatarmee eingereicht.

Der zuständige Richter Kamil Grzesik erklärte in der Urteilsbegründung, es gebe in der Serie "eine einseitige und unwahre Darstellung von historischen Fakten". In "Unsere Mütter, unsere Väter" geht es auch um Mitglieder der polnischen Heimatarmee, in der Reihe sind sie zu sehen, wie sie die Juden ihrem Schicksal überlassen und abfällige Bemerkungen machen. Die Szene ist in Polen hochumstritten gewesen, weil Mitglieder der Heimatarmee während des Zweiten Weltkriegs auch Juden geholfen hatten. Polen sieht in der Szene aber einen pauschalen Vorwurf, die Heimatarmee sei antisemitisch gewesen.

Die Entschuldigung soll das ZDF nach dem Willen des Gerichts auf seiner Webseite öffentlich machen. Zudem soll bei künftigen Ausstrahlungen, auch in anderen Ländern, ein entsprechender Hinweis hinzugefügt werden, dass Deutschland Polen im Zweiten Weltkrieg besetzt habe und "die Ausrottung der Polen und Juden umsetzte". Ob es dazu aber tatsächlich kommen wird, ist offen. Das ZDF hat bereits angekündigt, in Berufung gehen zu wollen.

Produzent Nico Hofmann erklärte in Hinblick auf den Rechtsstreit bereits im vergangenen Jahr, dass er im Falle einer Niederlage weiterkämpfen würde. So sei er auch bereit, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen, so Hofmann damals. "Ich will dann geklärt haben, ob ein solches Urteil gegen europäische, rechtsstaatliche Grundsätze verstößt. Es geht dabei um das freiheitlich-demokratische Kunstverständnis schlechthin."

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