KKR-Manager Philipp Freise © KKR
Freise erklärt die Einkaufstour

KKR-Manager vergleicht TV- mit Musikindustrie vor 10 Jahren

 

Der audiovisuelle Medienmarkt befinde sich in einer ähnlichen Situation wie die Musikindustrie vor zehn Jahren, sagt KKR-Manager Philipp Freise im "WamS"-Interview. Daher wolle man nun nochmal ähnlich vorgehen wie damals bei BMG.

von Uwe Mantel
14.04.2019 - 08:09 Uhr

Die Tele München Gruppe, Universum Film sowie die Produktionsfirmen i&u TV und Wiedemann & Berg Film - innerhalb weniger Wochen hat der Finanzinvestor KKR gleich vier große Übernahmen angekündigt und den deutschen Medienmarkt damit gehörig aufgemischt. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" hat Philipp Freise, der bei KKR den Bereich Technologie, Medien und Kommunikation leitet, nun erstmals ausführlich über die Gründe gesprochen, wieso man nun groß in diesen Markt in Deutschland investiert. Und immer wieder führt er darin den Vergleich mit der Musikindustrie an. Dort hatten sich die Umsätze halbiert, während zugleich trotzdem mehr Musik konsumiert wurde denn je. "Existenzielle Sorgen, aber gleichzeitig eine deutliche Zunahme des Inhaltekonsums" - das sei angesichts der neuen Konkurrenz durch die international tätigen Streaming-Riesen nun auch die Situation in der TV-Branche.

Damals habe KKR gemeinsam mit Bertelsmann das Joint Venture BMG gegründet und 15 Firmen aufgekauft und zusammengeführt, um so einen der größten Musikverlage der Welt zu schaffen. "Wir wollen diesen Weg mit Bewegtbildinhalten noch einmal gehen. Die Situation ist vergleichbar", so Freise. Mit den nun erworbenen Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette abdecken - von Produktion über Lizenzierung bis Verbreitung. "Wir wollen die Anlaufstelle für die besten Talente werden und Partner von allen Anbietern, also TV-Sendern und Streaminganbietern. Und das als unabhängiges Unternehmen, vielleicht so, wie die amerikanische MGM früher einmal war."

Während der Trend derzeit bei den US-Konzernen klar zum eigenen Streaming-Dienst geht, sieht der KKR-Manager das große Geschäft in der Produktion der Inhalte für andere. Dank der immer größer werdenden Zahl an Streaming-Diensten gebe es schließlich immer mehr Abnehmer. Dass hier bald eine Übersättigung des Marktes zu befürchten ist, glaubt er nicht. "Wir stehen erst am Anfang einer neuen Konjunktur für Inhalte." Die Auswahl werde sich innerhalb der nächsten zehn Jahre nochmal enorm erweitern, was dazu führe, dass "die Produktion von Inhalten ökonomisch sehr viel attraktiver wird", ist sich Freise sicher. Und in diesem Markt soll der neu geformte Konzern ganz vorne mitspielen: "Unser Ziel ist es, die Nummer eins für Inhalte in Deutschland und später in Europa zu werden."

Dabei macht er der Branche allgemein Mut: "Die deutsche Medienbranche unterschätzt tatsächlich, wie attraktiv ihre Inhalte sind." Und: "Ich bin davon überzeugt, dass es viele Gründe gibt, optimistisch zu sein." So optimistisch, dass man nun mit viel Geld in diesen Markt einsteigt und auch nicht den ganz kurzfristigen gewinnbringenden Wieder-Verkauf anstrebt. "In diesem Geschäft braucht es einen langen Atem", sagt Freise - was für Finanzinvestoren natürlich eine relative Aussage ist. Im Schnitt hält KKR seine Beteiligungen sieben Jahre lang.

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