ZDF und BBC Studios © ZDF/Ralph Orlowski/BBC Studios/DWDL.de
"Nächste Stufe"

ZDF und BBC Studios planen engere Zusammenarbeit

 

Schon seit Jahrzehnten arbeitet das ZDF mit der BBC zusammen, jetzt ruft ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler die nächste Stufe aus. Künftig will sich der Sender mit BBC Studios frühzeitiger auf gemeinsame Projekte verständigen als bisher.

von Alexander Krei
18.04.2019 - 09:30 Uhr

Zwei große öffentlich-rechtliche Anstalten rücken näher zusammen: Das ZDF und die BBC haben sich auf eine engere Zusammenarbeit verständigt. Durch eine strategische Partnerschaft mit BBC Studios soll der ZDF-Programmfamilie ein umfangreicher Zugang zu den Programmen der Produktions- und Distributionstochter der britsichen BBC ermöglicht werden. Dabei geht es um Kooperationen im fiktionalen und non-fiktionalen Bereich. So ist etwa ein frühzeitiger Austausch über neue Konzepte geplant, aber auch die gemeinsame Entwicklung und Umsetzung von Stoffen.

Neu ist die Verbindung zwischen Mainz und London nicht. "Das ZDF und die BBC arbeiten schon seit 1963 eng und äußerst erfolgreich zusammen. Dies reicht vom Kinderprogramm über große Dokumentationen bis hin zum Nachrichtenaustausch", sagt ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler zu DWDL.de und ruft jetzt die "nächste Stufe in einer über 50-jährigen Beziehung" aus. "Wir wollen uns noch frühzeitiger auf gemeinsame Projekte verständigen und europäische Koproduktionen realisieren. Außerdem möchten wir, dass die wichtigen BBC-Programme in Deutschland beim ZDF zu Hause sind. Diese Kooperation stärkt unsere Position im wachsenden Wettbewerb trotz begrenzter finanzieller Mittel."

Vertragsunterzeichnung BBC / ZDF

Fred Burcksen (ZDF Enterprises), Nick Percy (BBC Studios), Till Hoffmann (ZDF), Simone Emmelius (ZDF), Norbert Himmler (ZDF), Florian Kumb (ZDF), Peter Arens (ZDF), Charlotte Moore (BBC Content), Philipp Schmid (BBC Studios Germany), Kristina Hollstein (ZDF Enterprises), Jeffrey Haverkamp (ZDF), Paul Dempsey (BBC Studios), Tim Davie (BBC Studios), Adam Bishop (BBC Studios)

Paul Dempsey, Generaldirektor Global Markets bei BBC Studios, betont, dass die Produktion von "ambitioniertem, hochqualitativem Fernsehen" erst durch Partnerschaften ermöglicht werde. "Deshalb ist dieser Deal, der zwei Giganten des öffentlich-rechtlichen europäischen Fernsehens zusammenbringt, eine wichtige und aufregende Chance." Bereits konkret in Planung ist die neue Dramaserie "The Mallorca Files", die als Koproduktion von ZDFneo und BBC entsteht. "Das Ziel soll es sein, weitere europäische Koproduktionen zu entwickeln und zu produzieren", erläutert Philipp Schmid, Managing Director Germany bei BBC Studios, auf DWDL.de-Nachfrage. Allzu viele konkrete Projekte nennen die Unternehmen bislang aber nicht.

Abseits der Fiktion wird das ZDF allerdings schon im Herbst die Doku-Reihe "Planet Earth - Seven Worlds" ausstrahlen - und das ist mit Blick auf die weltweit beachteten BBC-Naturdokumentationen erst der Anfang. "Die Partnerschaft baut die existierenden, engen Koproduktionsbeziehungen im Bereich Doku und Naturfilm aus", sagt Schmid. So werde das ZDF in den kommenden fünf Jahren der exklusive Koproduktionspartner für alle Reihen der "Planet"-Franchises sein. Daneben erhält das ZDF außerdem einen First Look auf den Vertriebskatalog von BBC Studios in den Doku-Genres.

Tatsächlich geht es also bei der Kooperation vor allem um Fiction und Dokus - und weniger um Show-Formate, bei deren Entwicklung die BBC ja bekanntermaßen auf emsig ist. Daher wird die Partnerschaft auch keine Auswirkung auf die deutsche BBC-Produktionstochter Tower Productions haben, wie Schmidt erklärt. "Lokale Produktionen und Formatadaptionen sind nicht Teil der Partnerschaft." Das ZDF-Publikum wird dafür an einer anderen Stelle von dem Deal profitieren: "Unsere Nutzerinnen und Nutzer bekommen eine größere Anzahl hochkarätiger Dokumentationen und Serien auf unseren Sendern und für einen längeren Zeitraum als bislang in der ZDF-Mediathek", so Programmdirektor Norbert Himmler.

Bleibt noch die Frage, ob der drohende Brexit die jetzt beschlossene Zusammenarbeit gefährden könnte. Himmler wiegelt ab: "Sollte Großbritannien die Europäische Union verlassen, hat dies keine Auswirkungen auf unsere Kooperation", betont er gegenüber DWDL.de und verweist darauf, dass das ZDF schon jetzt eng mit Nicht-EU-Ländern wie der Schweiz zusammenarbeite. "Die kulturelle Nähe des deutschen und des britischen Fernsehmarktes, mit der BBC als wichtigstem Akteur, bleibt bestehen."

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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