eoTV © eoTV
Gespräche mit Investoren laufen

In der Insolvenz: Seriensender eoTV kämpft um seine Zukunft

 

An Leidenschaft mangelte es nicht, aber der Versuch war von Anfang an riskant: eoTV, der vom früheren ProSiebenSat.1-Manager Jürgen Hörner gegründete Seriensender, ist insolvent. Der Sendebetrieb geht vorerst weiter. Es gebe Gespräche mit Investoren.

von Thomas Lückerath
08.05.2019 - 14:19 Uhr

Laut Mitteilung des Amtsgerichts München wurde am 1. Mai wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung das Insolvenzverfahren über das Vermögen der eo Televison GmbH eröffnet. Das Unternehmen ist Veranstalter des Fernsehsenders eoTV, gegründet vom ehemaligen ProSiebenSat.1-Manager Jürgen Hörner. Der bestätigt am Mittwoch gegenüber DWDL.de schweren Herzens den notwendig gewordenen Schritt, betont gleichzeitig aber: Der Sendebetrieb läuft weiter, auch weil über Insolvenzverwalter Henrik Brandenburg (Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen) noch Gespräche mit möglichen Investoren laufen.



Als Sender für Serien und Filme aus Europa, eben European Originals, startete eoTV im Dezember 2015 zunächst als Primetime-Programmfenster beim Familiensender RiC, legte dann aber eine bemerkenswerte Entwicklung hin. Ende 2016 startete man als 24 Stunden-Programm zunächst beim IPTV-Anbieter waipu.tv on air. Mit einer eigenen Sendelizenz folgte seit 2017 sukzessive der Ausbau zur Vollverbreitung als FreeTV-Sender auch über Satellit und Kabel.

eoTV zeigte in den vergangenen Jahren diverse europäische Produktionen, teils als Deutschland- oder Free-TV-Premiere, darunter die französische XXL-Produktion „Versailles“, auch dank Deal mit BBC Studios britische Produktionen wie „Ashes to Ashes“, „Mistresses“ oder „A young doctor’s notebook“ mit Jon Hamm und Daniel Radcliffe sowie zum Beispiel die finnische Serie „Black Widows“, die nach eigenen Angaben im ersten Sendejahr die meistgesehene Serie war. Zuletzt punktete die französische Agatha-Christie-Serie.

Jürgen Hörner, eoTV© eoTV
Der April 2019 war nach Angaben von Senderchef Jürgen Hörner (Foto) auch der erfolgreichste Monat seit Sendestart. Auf bescheidenem Niveau habe der Sender seine Reichweiten steigern können, doch zum Problem sei die Refinanzierung des Programms durch die TV-Werbung geworden. Die häufiger schon von kleineren Sendern kritisierte Ungenauigkeit der AGF-Einschaltquoten wird dem Versuch, sich selbst zu vermarkten, sicherlich nicht zuträglich gewesen sein.

Im vergangenen Jahr hatte Hörner zur Realisierung der Wachstumspläne von eoTV im Zuge einer Kapitalerhöhung neue Gesellschafter mit an Bord geholt. Bis dato war der frühere ProSiebenSat.1-Manager über seine Euvid One GmbH mit 85 Prozent am Sender beteiligt, die Capitol GmbH von Medienunternehmer Bernd Schlötterer mit 15 Prozent. Unter den neuen Investoren und Gesellschaftern sind auch ehemalige Weggefährten aus Hörners Zeit bei ProSiebenSat.1. Er selbst hält seit der Kapitalerhöhung noch gut 43 Prozent der Anteile am Sender.

Neun Monate später, im Februar diesen Jahres, führte die finanzielle Situation offenbar zum Insolvenzantrag, der in der Branche zunächst nicht durchsickerte. Erst die Eröffnung des Insolvenzverfahrens und die Veröffentlichung des Amtsgerichts München offenbarten die Situation. Im Gespräch mit DWDL.de zeigt sich der Gründer von eoTV zweckoptimistisch. Eine Eigenschaft, die man in 20 Jahren ProSiebenSat.1 mit einigen Höhen und Tiefen sicher gut gelernt hat. Hörner begann 1993 als Spielfilmredakteur bei ProSieben und war vor seinem Ausscheiden im Herbst 2013 Geschäftsführer der ProSiebenSat.1 TV Deutschland.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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