Joko und Klaas Live © ProSieben
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Ganz stark: Joko und Klaas nutzen ihre 15 Minuten perfekt

 

Teil des Konzepts von "Joko und Klaas gegen ProSieben" ist, dass das Duo im Fall des Sieges 15 Minuten Live-Sendezeit am Tag danach um 20:15 Uhr bekommt. Die haben sie in überraschender Art und Weise genutzt - nämlich für "Menschen, die mehr zu sagen haben als wir"

von Uwe Mantel
29.05.2019 - 21:28 Uhr

Am Dienstagabend holten sich Joko und Klaas in der ersten Ausgabe ihrer neuen Show "Joko und Klaas gegen ProSieben" den Sieg - und damit als Belohnung 15 Minuten Live-Sendezeit am Tag danach, für die der Sender den Beginn der normalen Primetime-Programmierung kurzerhand verschiebt. Die beiden können demnach völlig frei entscheiden, wie sie diese Zeit nutzen - und ProSieben kündigte das um 20:15 Uhr auch entsprechend an. Auf Hinweistafeln war zu lesen: "Nachdem unsere Angestellten Winterscheidt und Heufer-Umlauf die gestrige Ausgabe der Show 'Joko und Klaas gegen Prosieben' für sich entscheiden konnten, hat sich ProSieben bereit erklärt, ihnen die kommenden 15 Minuten zur freien Verfügung zu stellen. ProSieben hat keinerlei Einfluss auf die Gestaltung der gewonnenen Sendezeit. Hoffen wir das Beste."

Was folgt war ein quietschbunter Vorspann, der den Eindruck erwecken sollte, von den beiden selbst aus Cliparts zusammengeklickt worden zu sein, und "Entertainment mit Niveau" ankündigte. Und auch die Begrüßung "Hallo ihr Pissnelken" von Klaas Heufer-Umlauf deutete darauf hin, dass die beiden ihre Sendezeit für neue Verrücktheiten nutzen werden. Doch dann kam alles ganz anders - denn nachdem sie einige Ideen aufgezählt hatten, kündigte Klaas an, dass man die Sendezeit nun zumindest beim ersten Mal stattdessen Leuten zur Verfügung stellen wolle, die "mehr zu sagen haben" - und wie Joko ergänzte "die vor allem sinnvollere Sachen zu sagen haben" und Themen ansprechen, die ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Und so verschwanden die beiden nach kurzer Zeit wieder aus dem Bild. Stattdessen war nur noch ein Stuhl zu sehen, auf dem nacheinander drei Personen Platz nahmen. Zuerst kam Pia Klemp, die Kapitänin des Rettungschiffs iuventa10 im Mittelmeer war, das im August 2017 beschlagnahmt wurde, wie sie ausführt. Sie berichtet in eindrücklichen Worten, was sie an Bord dieses und anderer Schiffe erlebt und gesehen hat - und sie wirken vor allem deshalb so wuchtig, weil es einfach nur das gesprochene Wort von ihr gibt - ohne Unterbrechungen, ohne Moderator, ohne Einspieler, ohne Nachfragen. Sie schließt mit dem Appell: "Wir brauchen Solidarität mit Asylsuchenden und Migranten, wir brauchen Solidarität mit allen Helfern und Crews der zivilen Seenotrettung und wir brauchen Solidarität mit denen, denen jetzt ein Schauprozess gemacht wird."

Als nächstes nahm Dieter Puhl auf dem Stuhl Platz, Sozialarbeiter der Berliner Stadtmission im Bereich der Obdachlosenhilfe. "Ich kenne nicht einen obdachlosen Menschen, dem es auf den Straßen Berlins oder im Bundesgebiet wirklich gut geht", beginnt er seinen Monolog und macht das auch an konkreten Beispielen deutlich. Er könne den Satz "In Deutschland muss doch niemand obdachlos sein" nicht mehr hören, weil es "theoretisches Gewäsch" sei. Sein Appell: "Wenn ihr die Möglichkeit habt, auf obdachlose Menschen zuzugehen, macht das bitte. Blendet sie nicht aus in eurer Wahrnehmung."

Und schließlich bekommt auch noch die Schriftstellerin Birgit Lohmeyer die Möglichkeit, sich auf großer Bühne an die Öffentlichkeit zu wenden. Sie zog 2004 ins Dorf Jamel in Mecklenburg-Vorpommern, das in den Jahren danach sukzessive zum "Nazi-Dorf" wurde. Sie erzählt ihre Geschichte, wie sie über die Jahre bedroht wurde, wie sogar eine Scheune auf ihrem Hof angezündet wurde - aber dann auch die Geschichte, wie sie sich zur Wehr gesetzt hat und nun große Feste und Konzerte auf dem Hof veranstaltet. Ihre Botschaft: "Wehrt euch, lasst euch nicht einschüchtern, es lohnt sich."

Nach diesen eindringlichen Auftritten endete die Sendung, ohne dass Joko und Klaas noch einmal zu sehen waren. Es waren die vielleicht 15 überraschendsten Minuten, die das Fernsehen in diesem Jahr zu bieten hatte. Und die mutmaßlich zumindest in der jüngeren Zielgruppe ein richtig großes Publikum erreicht haben dürfte - und zwar gerade auch die, die sich vielleicht nicht unbedingt mit solchen Themen beschäftigen wollen. Eigentlich hatte der Sender angekündigt, diese 15 Minuten auch nur live auszustrahlen und nicht nachträglich online zur Verfügung zu stellen. Inzwischen hat man sich kurzfristig umentschieden. "ProSieben liegt es am Herzen, dass diese Geschichten über die Live-Sendung hinaus gehört werden und entschied sich deshalb als Ausnahme für die zusätzliche Online-Bereitstellung", teilt man am Abend mit.

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