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Sender deckt Fehlverhalten auf

RTL-Reporter hat offenbar über Jahre Beiträge manipuliert

 

Ein RTL-Reporter hat offensichtlich über mehrere Jahre hinweg journalistische Beiträge manipuliert. Herausgekommen ist das jetzt, weil eine Kollegin Verdacht schöpfte und sich an die Unternehmensleitung wandte. Von dort heißt es, rote Linien seien überschritten worden.

von Timo Niemeier
14.06.2019 - 12:12 Uhr

In den vergangenen Monaten hat die Relotius-Affäre den "Spiegel" sowie die gesamte Branche auf Trab gehalten, nun hat auch RTL einen Manipulations-Skandal. Wie der Sender nun öffentlich machte, hat ein Reporter des Senders Beiträge manipuliert - und das offenbar über mehrere Jahre hinweg. Konkret geht es um einen 39-jährigen Mitarbeiter von RTL Nord. Nach Hinweisen einer Kollegin konnten ihm mindestens sieben verfälschende Eingriffe in Beiträge nachgewiesen werden. RTL hat sich inzwischen von dem Mitarbeiter getrennt.

Einen ersten Hinweis erhielt die Geschäftsführung von RTL Nord demnach am 15. Mai. Eine Mitarbeiterin zeigte an, dass ein Beitrag des Reporters über Codein-Missbrauch nicht mit den Fakten aus dem ebenfalls von ihm gedrehten Rohmaterial übereinstimme. Der Beitrag lief bei "Punkt 12" sowie im "Nachtjournal". Nachdem RTL das Rohmaterial geprüft hatte stellte sich heraus: Eine verdeckt gezeigte Protagonistin war nicht die vom Reporter genannte Person. Das bestätigte auch der beteiligte Kameramann. Misstrauisch wurde die Kollegin des überführten Reporters offenbar auch dadurch, weil die gefilmte Frau Aussagen tätigte, die den Schluss nahelegten, dass sie noch nie Codein genommen habe.

Im Zuge einer angeordneten Überprüfung weiterer Beiträge des Reporters fand man darüber hinaus sechs weitere Manipulationen. In einem Beitrag suggerierte der Reporter, er habe persönlich ein Interview mit Lionel Richie geführt. Dafür fügte er sich in der Postproduktion durch sogenannte Gegenschussaufnahmen nachträglich als Fragesteller ein. Tatsächlich stammte die Interviewsequenz aus einer elektronischen Pressemappe und zeigte nur den Sänger. Die betroffenen Szenen liefen 2015 bei "Punkt 12" und RTL Nord. In einem weiteren Fall wurde Rohmaterial aus einem RTL-Nord-Dreh mit der Musikerin Melanie C. für einen Beitrag über Desinfektionsmittel genutzt. Darin behauptete der Reporter, bei einem Interview bemerkt zu haben, dass auch Melanie C. sich die Hände desinfiziert. Tatsächlich aber cremt sich die Musikerin die Hände und Unterarme nur mit Feuchtigkeitscreme ein und sagt dies auch selbst so. Diese Szenen liefen 2017 und 2018 bei "Punkt 12" sowie 2018 bei "Guten Morgen Deutschland und Anfang dieses Jahres bei RTL Nord.

Reporter versuchte, Vorwürfe zu relativieren

In persönlichen Gesprächen mit RTL-Chefredakteur Michael Wulf und RTL-Nord-Geschäftsführer Michael Pohl soll der Reporter laut RTL versucht haben, die Vorwürfe zu relativieren. RTL Nord und RTL haben angekündigt, alle Beiträge des Reporters aus den vergangenen zwölf Jahren zu überprüfen. Während dieser Zeit war er vor allem für "Punkt 12" im Einsatz. Dort soll die ganze Thematik am heutigen Freitag auch aufgegriffen werden. Alle Beiträge des Reporters wurden mittlerweile sowohl online als auch im internen Newsarchiv gesperrt.

"Damit hat der Reporter ganz bewusst rote Linien des Journalismus überschritten."
Michael Pohl, Programmchef und Geschäftsführer RTL Nord

Michael Wulf, RTL-Chefredakteur und Geschäftsführer infoNetwork, sagt zu den Vorkommnissen: "Wir vertrauen in die journalistische Aufrichtigkeit unserer Reporter und unsere Kontrollmechanismen bei der Abnahme von Beiträgen sind streng. Sie haben sich in der Vergangenheit bewährt. Dieser Fall zeigt uns jedoch, dass sie nicht völlig fehlerresistent sind. Wir werden deshalb sehr konsequent daran gehen, den gesamten Prüfungsprozess rund um TV-Beiträge vor der Ausstrahlung noch weiter zu verbessern."

Michael Pohl, Programmchef und Geschäftsführer RTL Nord, ergänzt: "Die von uns geprüften Beiträge waren im Gesamtkontext zwar nicht erfunden, aber handwerklich und inhaltlich sehr geschickt dahingehend manipuliert, dass sie aufregender und größer wirken sollten, als es die Realität hergab. Damit hat der Reporter ganz bewusst rote Linien des Journalismus überschritten. In logischer Konsequenz haben wir mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit beendet."

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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