Fritz Pleitgen © WDR
Ehemaliger WDR-Intendant über Öffentlich-Rechtliche

Pleitgen erwartet "Showdown" um Zukunft von ARD und ZDF

 

Muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland auch in Zukunft noch so aussehen, wie er das derzeit tut? Der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen erwartet einen "Showdown" um die Zukunft von ARD und ZDF. Vom Ersten wünscht er sich mehr Anstrengungen, um wieder am ZDF vorbeizuziehen.

von Timo Niemeier
11.07.2019 - 13:29 Uhr

Die KEF prüft derzeit, wie viel Geld die Öffentlich-Rechtlichen in Zukunft wirklich brauchen. Rund drei Milliarden Euro Zusatzbedarf sollen ARD, ZDF und Deutschlandradio für die nächste Beitragsperiode angemeldet haben (DWDL.de berichtete). Entscheiden muss letztendlich die Politik, die derzeit ja auch eine Indexierung des Rundfunkbeitrags prüft. Immer wieder gab es in der Vergangenheit auch die Forderung nach einem schlankeren öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das reichte über Forderungen nach weitreichenden Einsparungen, Horst Seehofer wollte einst als bayerische Ministerpräsident sogar eine Zusammenlegung von ARD und ZDF. 

Der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen glaubt, dass sich diese Diskussion in der Zukunft noch verschärfen wird. In einem Interview mit dem "Handelsblatt" sagt Pleitgen, er erwarte einen "Showdown". Dann ginge es laut Pleitgen um die Frage, ob wir den öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch brauchen würden und wie viel davon nötig sei. "Ein System oder zwei Systeme?" Wenn es dazu kommt, müssten ARD und ZDF auf diese Fragen vorbereitet sein, warnt der frühere WDR-Intendant. 

Grundsätzlich verteidigt Pleitgen ARD und ZDF gegen harte Kritik und sagt, beide Systeme hätten sich "auch im internationalen Vergleich als sehr leistungsfähig erwiesen". Geht es nach dem früheren WDR-Intendanten, sollte man bei der ARD aber verstärkt versuchen, Das Erste wieder vor das ZDF zu bringen. Schon seit einigen Jahren sitzen die Mainzer auf dem Quotenthron - und das ziemlich deutlich. "Ein kultivierter Wettbewerb kann weder dem Programm noch dem Publikum schaden. Wer sich Erster nennt, sollte nicht Vierter sein", so Pleitgen. 

Ihm persönlich würden Dokumentationen im Hauptabendprogramm des Ersten fehlen, sagt der inzwischen 81-Jährige. "Talkshows sind gewiss wichtige Elemente der Information, aber sie reichen selten aus, um komplizierte Vorgänge angemessen darzustellen, mögen die Talkmaster noch so gut sein." Auch die vermeintliche Argumentation, Talkshows seien billiger und würden bessere Quoten bringen, will Pleitgen nicht gelten lassen. "Dokumentationen werden häufig dutzendfach wiederholt, mit gutem Zuspruch. So kosten sie weniger als Talkshows", sagt er. 

Pleitgen spricht außerdem von "peinlichen Schwächen" bei der ARD und nennt die Berichterstattung bei den Anschlägen in Paris und Berlin sowie beim Brand von Notre Dame als Beispiele. Um die Wiederholungen solcher Pannen zu vermeiden, sollte die ARD nach Meinung von Pleitgen die Zuständigkeit für die Berichterstattung über solche Ereignisse an eine zentrale Stelle übertragen. Am geeignetsten hält er dafür ARD Aktuell in Hamburg.

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