Stunden der Entscheidung - Angela Merkel und die Flüchtlinge © ZDF/Hans-Joachim Pfeiffer
Flüchtlings-Dokudrama

Bellut weist Kritik des ungarischen Botschafters zurück

 

Nachdem der ungarische Botschafter dem ZDF vorgeworfen hat, im Dokudrama "Stunden der Entscheidung" eine falsche Darstellung und "an Ehrverletzung grenzende Propaganda" vorgeworfen hat, wies Intendant Thomas Bellut die Vorwürfe nun zurück

von Uwe Mantel
11.09.2019 - 13:09 Uhr

Die Frage, wie akkurat im Dokudrama "Stunden der Entscheidung - Angela Merkel und die Flüchtlinge" die Darstellung der Ereignisse aus dem September 2015 in allen Details war, wurde auch hierzulande diskutiert - besonders scharf aber war die Kritik, die der ungarische Botschafter Péter Györkös in einem offenen Brief an ZDF-Intendant Thomas Bellut kundtat. In dem Film gebe es "viele Elemente, die Objektivität und Tatsachen missen" ließen, von "ethische und moralische Normen verletzenden Anspielungen" war die Rede, von "Schmutzkampagnen und Fiktionen, die die geografische Realität außer Acht lassen".

Während ein Großteil der Kritik nicht näher ausgeführt wird, geht Györkös ausführlich darauf ein, dass der Film den "Mythos vom Budapester Ostbahnhof" nähre und den Eindruck erwecke, die Krise habe dort ihren Anfang genommen. Dabei werde außer Acht gelassen, dass schon vor dem "Marsch der Hoffnung" vom deutschen Innenministerium ein Anstieg der Zuwandererzahlen erwartet wurde, wie sich auch in einem Tweet des BAMF aus dem August zeige. Allerdings ist explizit dieser Tweet aber auch Teil des Films gewesen. Er wurde nicht nur im Original gezeigt, auch der damalige Innenminister de Maiziére nimmt in einem Interview-Ausschnitt konkret Bezug darauf.

Wörtlich heißt es in der Erwiderung Belluts: "Der Film zeigt, wie sich die Flüchtlingsfrage schon vor dem 4. September zuspitzte und die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland erheblich zunahm, wie Bilder vom Leiden und Sterben vieler Flüchtlinge um die Welt gingen, und wie sich Europa uneinig erwies in der Frage einer gerechten Verteilung. Und er fokussiert schließlich auf den "March of Hope", der im Ostbahnhof von Budapest begann, als die Zäsur, die zur Entscheidung der Bundeskanzlerin führte, die deutschen Grenzen für die Flüchtlinge offenzuhalten. Das aber hatte, so die damalige Einschätzung der Bundesregierung, mit der zugespitzten Lage der Flüchtlinge in Ungarn zu tun und mit der Aussage des ungarischen Ministerpräsidenten, der etwa am 3. September 2015 auf einer Pressekonferenz in Brüssel von einem 'German problem' sprach."

Györkös bemängelt des Weiteren, dass das ZDF respektive die Macher des Films gar nicht das Gespräch gesucht hätten. Der Botschafter schreibt: "Jedenfalls kann ich nur erneut und immer wieder anbieten, dass ich dem ZDF und anderen öffentlich-rechtlichen oder privaten Medien bei Interesse an den Tatsachen oder dem ungarischen Standpunkt jederzeit bereitwillig zur Verfügung stehe." Laut Thomas Bellut hatten der Produzent Walid Nakschbandi ebenso wie Mitautor Marc Brost allerdings "zahlreiche Anfragen bei staatlichen ungarischen Stellen bis hin zu Ministerpräsident Viktor Orbán" gestellt. Trotzdem sei es nicht möglich gewesen, einen offiziellen Gesprächspartner für die Sendung zu gewinnen.

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