Conrad Albert © DWDL.de / Alexander Krei
Conrad Albert über die TV-Pläne von "Bild"

"Willkommen im Biedermeier-Wohnzimmer der Regulierung"

 

Zu Beginn der Medientage München hat ProSiebenSat.1-Vorstand Conrad Albert erneut mit dem Start eines Nachrichtensenders geliebäugelt. Dabei schloss er auch eine Zusammenarbeit mit dem geplanten "Bild"-Sender nicht aus.

von Alexander Krei , München
23.10.2019 - 12:33 Uhr

Schon seit einigen Monaten liebäugelt ProSiebenSat.1 mit dem Start eines neuen Nachrichtensenders in Deutschland. Bei der Eröffnung der Medientage München hat Vorstand Conrad Albert jetzt noch einmal die Spekulationen angeheizt. Auf die Frage von n-tv-Chefin Tanit Koch, die als Moderatorin der Veranstaltung fungierte, ob ProSiebenSat.1 einen solchen Sender starten werde, sagte er: "Das ist überhaupt nicht auszuschließen."

In einer Welt, die immer übersichtlicher werde, steige die Nachfrage nach Einordnung, Kuratierung und Relevanz. "Wir haben große Verantwortung, deshalb treibt uns das an", so Albert, der gleichzeitig betonte, dass man auch nach dem Verkauf von N24 nie damit aufgehört habe, Nachrichten zu machen. Daneben verwies er auf den österreichischen Markt, wo ProSiebenSat.1 gerade mit Puls 24 einen Nachrichtensender gestartet hat, der sich "die Segnungen der Digitalisierung zunutze" mache.

Dass auch "Bild" an einem eigenen Fernsehsender arbeitet, sieht Conrad Albert indes als Beleg dafür, dass der Schlüssel für die Herausforderungen der Zukunft im Bewegtbild liege. "Wenn es so kommt, dann sagen wir: 'Herzlich willkommen im Biedermeier-Wohnzimmer der Regulierung in Deutschland", so der ProSiebenSat.1-Vorstand in Richtung Springer. Zugleich nutzte Albert die Gelegenheit, um "Bild" die Hand zu reichen. Man werde sich austauschen "und vielleicht arbeiten wir auch zusammen".

Thema der Medientage-Eröffnung war allerdings auch der Umgang mit den sozialen Medien. Jesper Doub, Director News Partnerships EMEA bei Facebook, nutzte die Gelegenheit, um für den neuen "News Tab" seines Unternehmens zu trommeln, der im Herbst zunächst in den USA starten soll. Ziel sei es, "verlässlichen Journalismus von allem anderen Content abzutrennen", um den Nutzern eine aktuelle Nachrichtenversorgung anbieten zu können. "Es geht nicht nur darum, was ein Leser und User gerne sehen würde, sondern darum, von dem Medienunternehmen sagen: Das solltet ihr wissen."

Wenn das Angebot Anklang finde, soll es auch in weitere Märkte gebracht werden, auch nach Europa, kündigte Doub an. Doch ob es wirklich funktionieren kann, echte Nachrichten von Fake News zu trennen, bleibt freilich abzuwarten. Kritik an Facebook äußerte BR-Intendant Ulrich Wilhelm, der sich einmal mehr dafür stark machte, an eigenen europäischen Plattformen zu arbeiten. Die österreichische Journalistin Corinna Milborn warf Wilhelm allerdings vor, selbst dafür zu sorgen, dass Facebook als Newsmedium wahrgenommen wird, weil die ARD ihre Inhalte dort kostenfrei zur Verfügung stelle.

"Sie bereiten das für Facebook auf und geben denen die Minute gratis. Eigentlich müssten Sie uns die Minute gratis geben", sagte Milborn und spielte darauf an, dass ihr Sender Puls4 für die Übernahme jeder ARD-Minute teils mehr als 1.000 Euro bezahlen müsse. "Das erste, was Sie machen können, ist damit aufzuhöen." Doch Wilhelm wiegelte ab. Google und Facebook seien eine öffentliche Infrastruktur gworden. Alle Medien bedienten sich dieser Infrastruktur, weil es nur diese gebe. "So lange es nur diese Infrastruktur gibt, werden wir alle darauf zuhause sein – mangels Alternative", so der BR-Intendant.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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