Holger Friedrich © Jens Rötzsch/DuMont
Stasi-Vorwürfe und Intransparenz

Neu-Verleger Holger Friedrich steht in der Kritik

 

Erst vor wenigen Wochen haben Holger und Silke Friedrich den Berliner Verlag von DuMont gekauft. Nun sieht sich vor allem Holger Friedrich massiver Kritik ausgesetzt: Der Neu-Verleger war Stasi-Spitzel und soll zudem einen möglichen Interessenskonflikt nicht transparent gemacht haben.

von Timo Niemeier
15.11.2019 - 16:43 Uhr

Neu-Verleger Holger Friedrich steht massiv in der Kritik. Am Freitag haben sowohl "Welt am Sonntag" als auch "Spiegel" Berichte über den neuen Eigentümer des Berliner Verlags, zu dem unter anderem der "Berliner Zeitung", der "Berliner Kurier" und das "Berliner Abendblatt" gehören, veröffentlicht. Die "Welt am Sonntag" hat demnach recherchiert, dass Friedrich zu Zeiten der DDR als Inoffizieller Mitarbeiter für die Stasi tätig war. 

Friedrich hat das gegenüber der Zeitung bestätigt und den Vorgang auch auf der Webseite der "Berliner Zeitung" öffentlich gemacht - samt der "Welt"-Anfragen und seiner Antworten. Demnach habe er sich in einer "akuten Zwangssituation" befunden. Ihm sei eine mehrjährige Haftstrafe angedroht worden, weil man ihm Republik- und Fahnenflucht vorwarf. Die "Berliner Zeitung" hat schon vor Jahren versucht, die Stasi-Vergangenheit ihrer Mitarbeiter aufzuarbeiten. So hat man sich 1996 von vielen Mitarbeitern mit entsprechender Vergangenheit getrennt. 

Zum aktuellen Fall hat sich nun auch "Berliner Zeitung"-Herausgeber Michael Maier zu Wort gemeldet. Er sagt: "Wir waren im Jahr 1996 bestrebt, der Zeitung einen wirklichen Neuanfang zu ermöglichen. Der Bruch mit bestimmten DDR-Milieus hat uns zwar Leser gekostet, aber auch neue gebracht – und zwar auch im Osten. [...] Die Thematisierung der Akte des Verlegers Holger Friedrich durch die Zeitung ‘Die Welt’ zeigt, dass der Neuanfang immer noch nicht abgeschlossen ist. Für die ‘Berliner Zeitung’ ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung, dass die Integrität der Berichterstattung das höchste Gut ist. Dazu gehört ein Höchstmaß an Distanz zu nicht journalistischen Interessen in der Berichterstattung und ein hohes Maß an Transparenz. Die Veröffentlichung der verstörenden Geschichte des Holger Friedrich ist aus unserer Sicht ein Beitrag zu dieser Transparenz."

Fehlende Transparenz wird Friedrich allerdings auch in einem anderen Fall vorgeworfen. So berichtete der "Spiegel" am Freitag, dass die "Berliner Zeitung" vor einigen Tagen einen "Jubelbericht" über das Biotech-Unternehmen Centogene auf seiner Titelseite berichtete. Was unerwähnt blieb: Friedrich ist an dem Unternehmen beteiligt und sitzt zudem im Aufsichtsrat. Das ist ganz offensichtlich ein Interessenskonflikt, den man hätte transparent darlegen müssen. Friedrichs Medienanwalt teilte dem "Spiegel" demnach mit, es gebe "gegenwärtig keine Veranlassung, sich zu geschäftlichen Interna zu äußern". 

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